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OMV sucht wieder daheim nach Öl

The logo of Austrian oil and gas group OMV is pictured at its headquarters in Vienna
(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)
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Der Konzern schraubt die Investitionen im Land um mindestens 40 Prozent nach oben. Bis zu 90 Millionen Euro will die OMV in die heimische Produktion stecken.

Wien. Wie leicht die Laune von Konzernbossen doch zu beeinflussen ist. Da ringt sich das Opec-Kartell nach Monaten endlich zum Versprechen durch, künftig ein bisschen weniger Öl zu fördern, um den Preis in die Höhe zu hieven, und schon strahlt OMV-Chef Rainer Seele auch frühmorgens auf dem Weg ins Büro über das ganze Gesicht.

Doch der Tag sollte noch besser werden. Sein Vorstandskollege Johann Pleininger durfte jene Worte aussprechen, auf die hierzulande schon lang gewartet wird: Die OMV wird ihre Investitionen in Österreich in den kommenden Jahren um mindestens 40 Prozent steigern. Statt bisher 60 Millionen Euro will der heimische Energiekonzern dann jedes Jahr 80 bis 90 Millionen Euro in die heimische Produktion und die Suche nach neuen Öl- und Gasquellen in Niederösterreich stecken.

Einzige Voraussetzung: Der Ölpreis muss auch weiterhin über der Marke von 40 Dollar je Fass (159 Liter) liegen. Derzeit rangiert er bei knapp 49 US-Dollar (Brent). Mit diesem Bekenntnis setzt die OMV in Österreich einen Kontrapunkt zum globalen Trend. Das Unternehmen hat seine weltweiten Investitionen – so wie die gesamte Ölwirtschaft – zuletzt deutlich zusammengestrichen. 2,4 Milliarden Euro will die OMV im nächsten Jahr in Summe investieren. Damit sich die Ausweitung der Produktion in Österreich ausgehe, müsse das Unternehmen im Gegenzug risikoreichere Explorationen aufgeben, erklärt Pleininger. So seien etwa die Bohrungen in Gabun bereits aufgegeben, in Namibia liefen noch Gespräche mit der Regierung über ein baldiges Ende des Projekts. Stattdessen sollen nun also zwölf Explorationsbohrungen im Weinviertel gestartet werden. Der Startschuss erfolgt im ersten Quartal 2017.

Profitables Öl aus Österreich

Argumente für die Rückbesinnung auf die Heimat gibt es genug. Die OMV beweist hier seit Jahrzehnten, dass sie in der Lage ist, auch aus reifen Feldern noch viel Öl und Gas zu holen. In Summe förderte sie zuletzt zwölf Millionen Fass Öl und Gas in Österreich. Ziel sei, noch weitere zwanzig Jahre in der Region Öl und Gas zu fördern, bekräftigte Johann Pleininger. Die Ankündigung ist mehr als ein Österreich-Feigenblatt, um dem Vorstand bei künftigen Plänen etwas Gegenwind aus der Politik zu ersparen. Die Investitionen in Österreich rechnen sich: Im Schnitt muss die OMV derzeit zwölf Dollar ausgeben, um ein Fass Erdöl aus der Erde zu holen. In Österreich liegt dieser Wert um gut einen Dollar darunter. Öl aus Österreich zähle zu den profitabelsten des Unternehmens, so die OMV.

Grund dafür sei der Technologievorsprung, den es am Standort Gänserndorf gebe. Darum will das Unternehmen auch hier sein globales Forschungszentrum aufbauen, um künftig noch mehr Öl und Gas aus einem Feld holen zu lernen. Derzeit befördert die OMV in Österreich maximal ein Drittel des vorhandenen Öls an die Oberfläche. Mit neuen Technologien, an denen man arbeite, soll der Wert auf 60 Prozent steigen. Damit wäre das Geschäft in Österreich auf Jahre gesichert. (auer)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2016)