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Deutsche-Bank-Aktie fiel erstmals unter 10 Euro

The headquarters of Germany's Deutsche Bank are photographed in Frankfurt
Probleme bei Deutscher BankREUTERS
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Berichte, wonach Hedgefonds der Bank den Rücken kehren, sorgen für Verunsicherung. Indes mahnt Deutsche-Bank-Chef Cryan die Mitarbeiter in einem Brief zur Ruhe.

Die Aktie der Deutschen Bank ist angesichts der Schwierigkeiten des Geldhauses am Freitagvormittag erstmals unter die Marke von 10 Euro gefallen und notierte an der Frankfurter Börse zeitweise bei 9,93 Euro. Bereits am Vorabend war die Aktie auf der Handelsplattform Tradegate auf ein Rekordtief von 10,0 Euro gefallen. Am Nachmittag erholt sich die Aktie jedoch und notierte gegen 15.45 Uhr nur mehr mit etwa einem halben Prozent im Minus.

Hintergrund waren Berichte, einige Hedgefonds in den USA hätten Geschäfte mit der Bank zurückgefahren. Die Anleger sind seit Bekanntwerden einer möglichen Strafzahlung in den USA von bis zu 14 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) verunsichert und schickten den Kurs der Aktie auf Talfahrt. Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, haben zehn Hedgefonds ihre Beteiligung an der größten Deutschen Bank ganz oder teilweise reduziert.

Auch die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuvor berichtet, dass sich einige Fonds, die ihre Derivate-Geschäfte über die Deutsche Bank abwickeln, langsam zurückziehen. Sie hätten einige ihrer gelisteten Derivate in dieser Woche anderen Firmen übertragen, hieß es unter Berufung auf interne Bank-Dokumente, in die Bloomberg Einsicht nahm. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte Bloomberg, es handle sich um rund zehn Hedgefonds, die ihr Engagement zurückfahren. Die meisten der mehr als 200 Hedgefonds-Kunden der Bank hätten hingegen keine Änderungen vorgenommen. Ein Insider sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Eine Handvoll Kunden, die meisten davon Hedgefonds, stellen Fragen."

Schreiben von Chef Cryan an Mitarbeiter

Deutsche-Bank-Chef John Cryan versucht zu kalmieren und hat dazu aufgerufen, trotz der Marktturbulenzen Ruhe zu bewahren. "Unsere Bank ist Gegenstand heftiger Spekulationen geworden, immer neue Gerüchte führen dazu, dass unser Aktienkurs inzwischen heftigen Ausschlägen unterliegt", schrieb Cryan in einem Brief an die rund 100.000 Mitarbeiter der Bank, der Reuters am Freitag vorlag. Am Markt seien Kräfte unterwegs, die das Vertrauen in Deutschlands größtes Geldhaus schwächen wollten. "Unsere Aufgabe ist es nun dafür zu sorgen, dass diese verzerrte Außenwahrnehmung unser Tagesgeschäft nicht stärker beeinflusst."

Die Deutsche Bank verfüge über ein starkes Fundament, erklärte Cryan. "Wir erfüllen alle aktuellen Eigenkapitalanforderungen und sind bei unserem Umbau im Plan." Die Markt- und Kreditrisiken seien in den vergangenen Jahren deutlich reduziert worden. "Zu keinem Zeitpunkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten war die Deutsche Bank, was ihre Bilanz angeht, so sicher wie heute." Mit Liquiditätsreserven von mehr als 215 Milliardeb Euro haben die Bank "einen überaus komfortablen Puffer."

Franken verteuert sich

Dennoch spiegelt sich die Verunsicherung der Anleger über die Zukunft der Deutschen Bank auch am Markt für Credit Default Swaps (CDS) wider. Die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets von Anleihen des Geldhauses gegen Zahlungsausfall verteuerte sich um 21.000 auf 255.000 Euro, teilte der Datenanbieter Markit am Freitag mit. Das Geldhaus betonte, seine Finanzlage sei solide, nachdem die Nachrichtenagentur Bloomberg über die Rückzug einiger Kunden aus der Hedgefonds-Branche berichtet hatte. 

Die Probleme der Deutschen Bank haben auch den Schweizer Franken als sicheren Hafen wieder in der Gunst der Anleger steigen lassen und ihn am Freitag auf den höchsten seit zwei Monaten gehievt. Ein Euro kostet aktuell 1,0830 Franken.

Deutsche Regierung will sich nicht äußern

Die deutsche Regierung lehnt jeden weiteren Kommentar zu Spekulationen über einen Staatseinstieg bei der Deutschen Bank ab. "Wir geben keinerlei Auskunft zu irgendwelchen Spekulationen über die Deutsche Bank", sagte ein Sprecher des deutschen Finanzministeriums am Freitag in Berlin.

Auf die Frage, ob das Finanzministerium die Stabilität des deutschen Finanzsystems im Blick habe, sagte er, dies sei Aufgabe der zuständigen Aufsichtsbehörden. Eine Regierungssprecherin ergänzte, in einem Telefonat von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit US-Präsident Barack Obama sei die Bank kein Thema gewesen.

Italiens Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan fordert eine rasche Lösung für die Schwierigkeiten der Deutschen Bank. "Genauso wie das Problem der faulen Kredite in einem vernünftigen Zeitrahmen gelöst werden muss, sollte dies auch für die Probleme der Deutschen Bank gelten", sagte der Minister der italienischen Zeitung "La Stampa" in einem am Freitag veröffentlichten Interview. Es sei im Interesse aller, "Lösungen zu finden, die dann umsichtig umgesetzt werden müssen". Italiens Finanzbranche leidet unter einem Berg fauler Kredite. So steht die Rückzahlung von Darlehen im Volumen von 360 Mrd. Euro auf der Kippe. Das entspricht etwa einem Fünftel des gesamten Kreditvolumens.

 

(APA/Reuters/dpa/sda/AFP/)