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Tirol bei Blackout in Europa binnen fünf Stunden im "Inselbetrieb"

TINETZ SCHALTZENTRALE IM RAUM INNSBRUCK
APA/MARKUS WIMMER
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Die Wiederversorgung des Bundeslandes kann dem Netzbetreiber Tinetz zufolge autonom vom europäischen Netz durchgeführt werden.

Falls es in Europa zu einem Blackout, also einem großflächigen Strom- und Infrastrukturausfall kommt, kann in Tirol binnen fünf Stunden ein sogenannter "Inselbetrieb" hochgefahren werden. Dies erklärten Experten des Netzbetreibers Tinetz bei einem Hintergrundgespräch. Die Wiederversorgung des Bundeslandes könne dank der Kraftwerke hierzulande autonom vom europäischen Netz durchgeführt werden.

Die Wahrscheinlichkeit eines großen Blackouts sei in den vergangenen Jahren jedenfalls gewachsen, betonte Klaus Schüller, der bei der Tinetz für die Systemführung Netze zuständig ist. Verantwortlich dafür sei etwa, dass beim durch die Energiewende eingeleiteten Ausbau der erneuerbaren Energiequellen wie Wind und Photovoltaik bisher zu wenig auf die Netzstabilität geachtet worden sei. "Wind- und Photovoltaik-Kraftwerke speisen immer 100 Prozent des erzeugten Stroms ein", erläuterte Schüller: "Gleichzeitig werden aber Kraftwerke, die Reserven sicherstellen, immer weniger".

Falls es nun zu Frequenzeinbrüchen kommt, könnten diese nur noch schwer ausgeglichen werden. Eine Möglichkeit für mehr Netzstabilität wäre etwa, dass die Normaleinspeisung von derartigen Kraftwerken nicht bei 100, sondern bei 90 Prozent liegt. Dadurch hätte man mehr Spielraum, um Frequenzeinbrüche auszugleichen, erläuterte Schüller: "Das kostet aber Geld".

"Netze müssen Energiewende nachkommen"

"Die Netze müssen der Energiewende erst nachkommen", konstatierte auch Tinetz-Geschäftsführer Thomas Rieder. Tirol sei aber aufgrund seiner großen Kraftwerke in einer komfortablen Lage. Bei einem Blackout könnten diese dann sukzessive wieder in Betrieb genommen werden. Dafür stehen zwei Anlagen im Großraum Innsbruck zur Verfügung. Zunächst würden die zentrale Infrastruktur, Innsbruck und die Bezirkshauptstädte sowie die Inntalfurche mit Strom versorgt. Die weitere Deckung würde dann davon abhängen, welche Kraftwerke zur Verfügung stehen, erläuterte Schüller. Erst wenn der "Inselbetrieb", also die Versorgung Tirols gewährleistet ist, könne in einer zweiten Phase für das österreichische Übertragungsnetz eingespeist werden.

Für derartige Szenarien seien Konzepte erstellt worden, die ständig evaluiert und überprüft würden. Unter anderem gebe es auch Übungen mit realen Stromabschaltungen. "Denn alles, was nicht geübt wurde, funktioniert im Ernstfall nicht", meinte Schüller. Zudem gehe es auch darum, die Anlagen zu überprüfen.

Im Geschäftsjahr 2017 will die Tinetz erneut über 80 Mio. Euro investieren, sagte Geschäftsführer Thomas Trattler. Insgesamt habe man in den vergangenen zehn Jahren rund eine halbe Mrd. Euro in das Tiroler Stromnetz und die Versorgungssicherheit investiert. Als größte Herausforderungen der kommenden Jahre nannte Trattler unter anderem die Integration der erneuerbaren Energieerzeuger, Kleinwasserkraft, E-Mobilität und die ansteigenden Leistungen im Netz.

Die "Tiroler Tinetz GmbH" ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Tiwag (Tiroler Wasserkraft AG) und beschäftigt nach eigenen Angaben über 500 Mitarbeiter. Als Verteilernetzbetreiber unterhält das Unternehmen rund 11.600 Kilometer Leitungslänge, 45 Umspannwerke und rund 4.000 Umspannstationen. 260 Mitarbeiter stünden für Montage, Service und Störungsbehebungen zur Verfügung.

(APA)