Elektroautohype und Solaraktien

(c) AP (Frank Augstein)
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Wie Anleger am Elektroautohype mitnaschen, und warum Solaraktien eine kurzfristige Spekulation wert sein könnten.

Die Internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt steht ganz im Zeichen der „Elektromobilität“. Es wird zwar wohl noch einige Jährchen dauern, bis Elektroautos das mitteleuropäische Straßenbild dominieren, aber der öffentliche Hype ist da – und das wird die Branche wohl antreiben. Zeit, sich anzusehen, wie man da als Anleger mitnaschen könnte. Neue Technologien sind ja immer auch recht brauchbare Kurstreiber.

Grundsätzlich sind alle Großen schon mitten im Geschäft. Von Toyota bis Daimler, von Magna über Siemens bis zur Verbundgesellschaft – alle zeigen sich von den Geschäftschancen alternativer Antriebe elektrisiert. Aber: Bei Großkonzernen ist Elektromobilität ein Geschäftsfeld unter vielen, das den Aktienkurs nur marginal beeinflusst. Größere Chancen bieten da schon kleinere, börsenotierte Spezialisten.

Da könnte man sich einen Bereich ansehen, der derzeit den größten Schwachpunkt bei den Elektrofahrzeugen darstellt – und der von einem technologischen Durchbruch demgemäß am stärksten profitieren wird: die Akkumulatorenhersteller. Unter denen gibt es an den Börsen einige Perlen, wenn auch ein bisschen versteckt.

Der amerikanische Akkuhersteller Energy Conversion Devices(ISIN US2926591098) beispielsweise, der auch noch im Fotovoltaikbereich tätig ist, hat Anfang September ein starkes Kaufsignal generiert und seither schon gut 30 Prozent zugelegt. Der Trend ist aber weiterhin intakt; da sollte noch einiges drin sein. Das Unternehmen mit dem sperrigen Namen ist hierzulande zwar eher unbekannt, in der Branche aber eine ziemliche Größe. Beliefert es doch die japanischen Hersteller Toyota und Honda, die in der Hybridtechnologie (Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor) auf dem Weltmarkt derzeit eindeutig die Nase vorne haben.

Sehr schön sieht zurzeit auch der Chart der französischen Saft Groupe S.A. (ISIN FR0010208165) aus. Auch bei den Franzosen ist die Charttechnik Anfang September auf „Kauf“ gesprungen. Die leichte Konsolidierung in den vergangenen Tagen könnte durchaus eine Einstiegschance darstellen. Saft hat sich vor Kurzem mit dem amerikanischen Hersteller Johnson Controls zusammengetan. Das Joint Venture will in die globale Spitzengruppe der Hersteller von Akkumulatoren für Hybrid- und reine Elektroautos vordringen. Auch Saft hat, bei intaktem Aufwärtstrend, im September schon an die 20 Prozent zugelegt.

Weil wir gerade bei Umwelttechnologien sind: Die Solaraktien sind wieder einmal am Abheben. Technologische Fortschritte (beispielsweise die Entwicklung von Solarzellen mit einem wesentlich höheren Wirkungsgrad durch die deutsche Q-Cells) und Rückenwind durch staatliche Förderungen (etwa in den USA und in China) haben in den vergangenen Tagen richtige Kursfeuerwerke ausgelöst.

Kann man da noch mitnaschen? Ja, wenn man ein paar Vorsichtsregeln beachtet. Zum einen sollte man sich vorerst auf amerikanische und deutsche Platzhirsche (etwa First Solar(ISIN US3364331070), Q-Cells(ISIN DE0005558662) und Solarworld(ISIN DE0005108401) beschränken, bei denen man auch einen vernünftigen Zugang zu Informationen hat. Und man sollte Solaraktien nicht als Langzeitanlagen nach der Kostolany-Methode („Kaufen, Schlafmittel nehmen und nach ein paar Jahren reich aufwachen“) sehen.

Der Grund: Fotovoltaik ist noch nicht marktfähig (und wird das auch noch einige Jahre lang nicht sein). Die Branche lebt also von Subventionen. Kleine politische Änderungen schlagen gleich direkt auf den Aktienkurs durch. Man sollte diese Papiere also nicht nur charttechnisch, sondern auch von der allgemeinen Nachrichtenlage her genau verfolgen. Die Bundestagswahl in Deutschland beispielsweise könnte die Aktienkurse von Solarworld und Co. deutlich beeinflussen.

Die beiden genannten deutschen Werte haben durchaus kurzfristiges Potenzial, das man „ausreiten“ kann, stehen aber (das trifft vor allem auf Q-Cells zu) von der Kostenseite her schwer unter Druck der chinesischen Konkurrenz. Da empfehlen sich strikte Stopp-Loss-Limits. Mittelfristig sicherer ist die amerikanische First Solar, deren Dünnschicht-Paneele wahrscheinlich als Erste die Schwelle zur Marktfähigkeit überschreiten werden. Der Nachteil, der einkalkuliert werden sollte: First Solar notiert natürlich im (schwachen) US-Dollar.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2009)

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