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Heute vor.. im September: Fotos von der Eröffnung des Eisernen Tors

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Ein historisches Ereignis – von dem es dauerhafte, bildliche Andenken gibt.

Neue Freie Presse am 30. September 1896

Die Firma R. Lechner (Wilhelm Müller) hat auch dich Eröffnung des Eisernen Thores nicht vorübergehen lassen, ohne dauerndes, bildliches Andenken dieses historischen Ereignisses zu schaffen. Heute schon liegen mehrere Photographien der hervorragendsten Momente im Verlaufe der Feier vor, welche wieder sehr gut gelungen sind. Die meisten derselben zeigen die erste Durchfahrt durch den neuen Canal mit der großartigen Gebirgsscenerie im Hintergrund. Auf dem ersten Bilde sieht man den Dampfer „Ferencz Josef“, der sich eben der über den Canal gespannten Blumenkette nähert, und man kann auf dem Vorderdeck deutlich die drei Monarchen und den Bischof Dessewssy erkennen. Auf dem zweiten Bilde fährt der Dampfer eben am untern Ende des Canals in die breite Donau hinaus. Das dritte Bild zeigt die an Bord des Dampfers Cercle haltenden Monarchen. Ein anderes Bild zeigt die auf der Rückfahrt durch den Canal begriffenen Dampfer „Sophie“, auf dem sich die Magnaten und Abgeordneten befanden, ferner den „Joseph Karl“, mit der Geistlichkeit, den Officieren und der internationalen Presse, und in der Entfernung den „Radetzky“, mit der europäischen Donau-Commission an Bord. Auch der Platz vor dem Bahnhofe in Orsova wurde in dem Augenblicke aufgenommen, da der Kaiser, der König von Rumänien und der König von Serbien nach Herculesbad abreisten.

Anmerkung: Das Eiserne Tor gilt als einer der imposantesten Taldurchbrüche Europas. Es liegt in den südlichen Karpaten,an der Grenze von Serbien und Rumänien und galt lange als der für die Schifffahrt gefährlichste Flussabschnitt der Donau. 1878 wurde Österreich-Ungarn mit der Regulierung der Donaustrecke am Eisernen Tor betraut, sie wurde am 27. September 1896 von Kaiser Franz Joseph I. von Österreich eröffnet.

 

Nun werden Frauen schon Apotheker

Frieda Scheint wurde Österreichs erste „Magisterin der Pharmazie“ - und durfte nicht praktizieren.

Neue Freie Presse am 29. September 1906

Das Ministerium des Innern hat gegenwärtig eine wichtige Entscheidung über die Frage der Zulassung von Frauen zur Apothekerpraxis gefällt. Wie seinerzeit berichtet wurde, war Fräulein Frieda Scheint aus Lechnitz (Siebenbürgen) die erste Dame, welche an der Wiener Universität das Diplom einer Magisterin der Pharmazie erwarb. Zur Ausübung der Praxis in Oesterreich wurde sie aber nicht zugelassen. Ihr Diplom war nämlich mit der Klausel versehen worden (wie sie sonst nur auf Magisterdiplomen von Ausländern im weiteren Sinne des Wortes gesetzt wird), daß sie zur Ausübung der Pharmazie in Oesterreich nicht berechtigt sei. Diese Klausel steht im Zusammenhange damit, daß der Genannten nach ihrer Bestandenen Tirozinalprüfung an der Universität Klausenburg die Frequentation des pharmazeutischen Kurses in Wien, im Sinne der Verordnung vom 3. September 1900, betreffend die Zulassung der Frauen zum pharmazeutischen Berufe, nur unter der Bewilligung bewilligt worden war, daß sie die Pharmazie in Oesterreich nicht ausübe. Fräulein Scheint wandte sich an das Ministerium des Innern mit einem gesuche um Aufhebung der erwähnten Diplomklausel, beziehungsweise um die Bewilligung zur Ausübung der pharmazeutischen Tätigkeit in inländischen Apotheken. Das Ministerium des Innern hat nun dem Gesuche keine Folge gegeben, da nach der Ministerialverordnung vom 3. September 1900 für den Eintritt von Frauen in den Apothekerberuf der Nachweis der österreichischen Staatsbürgerschaft vorgeschrieben sei. Dieser Entscheidung zufolge muß als jede „Magistra“, auch wenn sie in Wien ihr Diplom erlangt hat, die österreichische Staatsbürgerschaft nachgewiesen haben, um hier zur Kondition zugelassen zu werden.

 

Das Ende der Heurigenmusik

Nur bis 10 Uhr darf man musizieren – so lange nicht gesungen wird.

Neue Freie Presse am 28. September 1916

Die Polizei hat dieser Tage einer uralten Institution, die nur in dem rebenumkränzten Wien gedeihen und nirgends anderswo hinverpflanzt werden konnte, den Lebensfaden abgeschnitten. Sie hat die Wirte und Heurigenschenker verständigt, daß in ihren Lokalen nur mehr bis 10 Uhr abends musiziert werden darf, das Auftreten von Natursängern aber überhaupt verboten sei, und hat jede Uebertretung mit Geldstrafen bis 200 K. belegt. Von dieser Verfügung werden in erster Linie natürlich die Heurigenschanken in Grinzing, Sievering, Neustift und Dornbach betroffen, die durch einen Musikschluß um 10 Uhr und die Einstellung des Volkssängertums viel von ihrer Anziehungskraft einbüßen müssen.

 

Kongress der "Vegetarianer"

Die spezielle musste sich beweisen – und tat es auch.

Neue Freie Presse am 27. September 1886

Die Theilnehmer des Vegeterianer-Congresses versammelten sich gestern Mittags im dritten Prater-Café zu einem Festbankett, bei welchem die vegetarianische Küche ihre Leistungsfähigkeit im Punkte des Geschmackes beweisen sollte. Es waren etwa 200 Personen erschienen, deren Majorität aber aus Nichtvegetarianern bestand, die durch die Neugier oder ihr Interesse für die Sache hergeführt worden waren. Auf jeden Fall hat die gestrige culinarische Probe dem Vegetarianismus praktisch mehr genützt, als die lange Tischrede, welche der Präsident des hiesigen Vegetarianer-Vereins noch vor der Suppe der erwartungsvollen Tafelgesellschaft hielt und worin er sich über Wagner's „Parcifal“ und Schopenhauer's Philosophie, über das Nirwana der Buddhisten und die Mystik des Mittelalters ausließ. Zur Steuer der Wahrheit muss man aber constatieren, daß diese Ueberschwänglichkeiten von dem nüchternen und praktischen Vegetarianern selbst belächelt wurden. Auch wurden die Speise- und Trinkgesetze des Vegetarianismus keineswegs mit Strenge gehandhabt und nicht blos die profanen Gäste, sondern auch zahlreiche vegetarische Parteigenossen tranken Bier und Wein, sowie nach dem Dessert ihren schwarzen Kaffee und steckten zum Schluss sogar ihre Cigarren an, ohne daß die orthodoxen Festtheilnehmer daran sonderlich Anstoß nahmen. Ueberhaupt herrschte eine sehr animirte heitere Stimmung.

 

Ein gepfändetes Hochzeitsmahl

Eine originelle Weise des Schuldeneintreibens.

Neue Freie Presse am 26. September 1886

Aus Würzburg wir geschrieben: In dem benachbarten Karlstadt fand heute eine Hochzeit statt. In dem Augenblicke, als die Gäste zu Tisch gehen wollten, erschien ein hiesiger Gerichtsvollzieher, welcher das bereitstehende Essen für gepfändet erklärte. Wol oder übel mußten die Brautleute sich für den Betrag des gepfändeten Males verbürgen, um den Hochzeitsschmaus begehen zu können. Der Restaurateur schuldet seit Jahren seinem Fleischlieferanten einen größeren Betrag, den dieser auf diesem originellen Wege nun endlich erhält, nachdem er vorher den Schuldner vergeblich gepfändet hatte.

 

Orchideenauktion in Schönbrunn

Neue Freie Presse am 25. September 1906

Mit etwas Geschick, lässt sich ein ganzes Jahr „blühend“ gestalten.

Im „Sonnenuhrhaus“ im Schönbrunner Schloßpark sind seit heute früh die Orchideen ausgestellt, welche am 1. Oktober durch den Apparat des Dorotheums daselbst versteigert werden. Es sind 1700 Pflanzen in 114 Gruppen ausgestellt. Die Gruppen sind so sorgsam ausgewählt, daß die meisten es den Erstehern ermöglichen werden, das ganze Jahr hindurch blühende Orchideen zu besitzen. Als erste kommen die frühblühenden Cattleyen daran, und in der Tat stehen viele dieser Pflanzen in der Ausstellung schon jetzt in Blüte. Daran reihen sich die Cypripedien, von denen die meisten schon zahlreiche Knospen haben, viele Exemplare bis zu zwanzig. Gegen den Fasching zu werden dann die Cvelogynen in voller Blüte stehen und die prächtigen Rispen mit den reinweißen und goldgelben Blumen zur Dekoration darbieten. Als vorletzte im Kreislauf des Jahres blühen dann die späten Cattleyen, als letzte die Gobralien, von denen ebenfalls jede Gruppe mehrere Exemplare enthält. Der Ausrufpreis der Gruppen variiert zwischen 100 und 200 K., und die Gruppen sind so eingeteilt, daß auch Privatpersonen, die es mit der Zimmerkultur versuchen wollen, sich am Kaufe beteiligen können, indem mehrere an einer Gruppe partizipieren. Es fanden sich heute schon zahlreiche Liebhaber zur Besichtigung der interessanten Ausstellungsobjekte ein und die Nachfrage aus dem Auslande ist eine sehr rege.

 

Mädchen, passt auf eure Zöpfe auf!

In Berlin treibt ein Zopfabschneider sein Unwesen.

Neue Freie Presse am 24. September 1906

Aus Berlin wird uns gemeldet: Hier ist abermals ein Fall der krankhaften Neigung, Mädchenzöpfe abzuschneiden, vorgekommen. Gestern nachmittags schnitt der 25jähirge Kassenbote Alfred Lange auf der Treppe eines Hauses in der Giboldstraße einer sechzehnjährigen Seminaristin einen Zopf ab. Er wurde von dem Vater des Mädchens verfolgt und ergriffen. Man fand in seiner Wohnung noch neunzehn Zöpfe, von denen er zwei abgeschnitten, die anderen gekauft haben will. Lange gab an, daß er schon im Alter von 13 Jahren jedesmal, wenn er ein Mädchen mit hübschen Zöpfen gesehen habe, in sich den unwiderstehlichen Drang gefühlt hätte, sie abzuschneiden. Er sei deshalb mit vierzehn Jahren auf See gegangen und bis zu seinem 23. Lebensjahre Matrose geblieben in der Hoffnung, dadurch die krankhafte Neigung zu überwinden. Leider habe er sich geirrt. Er sei im vorigen Jahre nach Berlin zurückgekehrt und habe schon im Oktober sich eine starke Schere gekauft, um schöne Zöpfe abzuschneiden.

 

Der Päpstepalast von Avignon wird zur Kaserne

Frankreichs Militär braucht Räume – doch diese stürzen (teils) ein.

Neue Freie Presse am 23. September 1916

Unser Brüsseler Korrespondent schreibt uns: Der Krieg hat auch das Schicksal des altehrwürdigen Palastes der Päpste von Avignon berührt, der seit Jahrhunderten eine der interessantesten Sehenswürdigkeiten der südfranzösischen Rhonestadt bildet. Die Rekrutierung der gesamten Militärkraft Frankreichs hat einen großen Raummangel erzeugt, der schließlich das Pariser Kriegsministerium veranlaßte, verschiedene Staatsgebäude, die zu nicht-militärischen Zwecken dienten, in Kasernen zu verwandeln. Dieses Schicksal erlitt auch der Päpstepalast von Avignon, von dem einzelne Nebengebäude übrigens auch schon vor dem Kriege für militärische Zwecke verwendet wurden. Jetzt aber sind auch die Prachtgemächer, in denen einst mächtige Päpste, wie Clemens V., Johann XXII. und Benedikt XI., herrschten und der ganzen Christenheit befahlen, in Lagerplätze für junge Soldaten umgewandelt. Gegenwärtig haust dort eine Genietruppe.

Die französische Kriegsverwaltung scheint aber die Tragfähigkeit und Widerstandskraft des alten, infolge früherer Vernachlässigung baufällig gewordenen Gebäudes überschätzt zu haben. Denn dieser Tage stürzte die Zimmerdecke des dritten Stockwerkes ein und durchbrach auch die Zimmerdecken des zweiten und ersten Stockwerkes mit solcher Wucht, daß ein großer Teil der schlafenden jungen Geniesoldaten unter den Trümmern begraben wurde. Man hat bereits viele Tote und Verwundete hervorgezogen. Die französischen Katholiken erblicken in dem Unglück vielfach eine Strafe Gottes für die Entweihung einer Stätte, in der einst die Stellvertreter Gottes ihres Amtes walteten.

Anmerkung: Im „Palais des Papes“ in Avignon residierten zwischen 1335 und 1430 zahlreiche Päpste und Gegenpäpste. Heute gehören der Palast und die Altstadt zum Weltkulturerbe.

China untersagt den Opiumgenuss

Die Verehrer und die Opfer dieses berauschenden Mittels sind zahlreich.

Neue Freie Presse am 22. September 1906

Eine bemerkenswerte Nachricht übermittelt der Telegraph aus Peking: Nach Ablauf einer zehnjährigen Uebergangsfrist wird in China der Genuß des Opiums für Eingeborene und Fremde gänzlich verboten werden. Unter den berauschenden Mitteln, welche die Menschheit kennt, ist das Opium das älteste und seine Anhänger zählen nach Millionen. Dem Genusse des Opiums folgt ein Rausch, welcher den Esser oder Raucher von Opium in einen ekstatischen Zustand versetzt, dem nach Aussage der Opiumverehrer keine andere Empfindung gleichkommt. Was der Alkohol für den Okzident, bedeutet das Opium für den Orient. Im Reiche der Mitte gibt es tausende von Opiumhöhlen, Lokale, die mit dem raffinierten Luxus ausgestattet sind, bis hinab zu den ärmlichsten Schänken, wo der arme Mann dem Genusse dieses Lasters fröhnt, und nach vielen Tausenden zählen die Opfer, welche die Opiomanie jährlich fordert.

Die Opiumkultur ist ein wichtiger Erwerbszweig, und wohl nur darum hat man es bis jetzt nie gewagt, den offenkundigen Schäden energisch entgegenzutreten, welche der Genuß dieses Mittels in allen Schichten der Bevölkerung hervorruft. Das Opium wird bekanntlich aus unreifen Mohnkapseln gewonnen, deren Milchsaft durch Eintrocknen verdickt wird. In China bereitet man aus dem Rohopium einen Extrakt, welcher zum Rauchen verwendet wird. Der verbleibende, halbverkohlte Rückstand wird von den weniger Vermittelten geraucht und der rest von den Aermsten nochmals benützt.

 

Der Letzte eines Rittergeschlechts

Ur-adelig geboren, im Armenhaus gestorben.

Neue Freie Presse am 21. September 1906

Aus Pilsen wird uns gemeldet: Im hiesigen Armenhause ist ein Pfründner namens Felix Worzikowsky Ritter v. Kundratiz, der durch Branntweingenuß ganz herabgekommen war, gestorben. Er stammte aus einer Familie des böhmischen Uradels namens Worzikowsky, deren alter Ritterstand mit von Kundratiz von Leopold I. zu Wien am 18. Februar 1683 und von Karl VI. Am 27. Mai 1730 zu Laxenburg bestätigt worden ist.

 

Tolstois Gattin ist schwer erkrankt

Die Gräfin muss operiert werden.

Neue Freie Presse am 20. September 1906

Aus Petersburg telegraphiert unser Korrespondent: Wie die „Strana“ erfährt, wurden der Dorpater Professor Zoege v. Manteuffel und der Moskauer Arzt Lang nach Jagodnaja-Poljana berufen, um die Gräfin Tolstoi zu operieren, die an krebsartigen Geschwüren erkrankt ist.

Anmerkung: Als Sofja Andrejewna Tolstaja 18 Jahre alt war, machte ihr der 16 Jahre ältere Schriftsteller Lew Tolstoi einen Heiratsantrag – nach einer Woche folgte die Trauung. Die Russin unterstützte ihren Mann bei seinen Arbeiten. Sehr ereignisreich war die Zeit um die Entstehung des Werks „Anna Karenina“ - damals starben drei Kinder und Sofja erkrankte schwer. Im Laufe der Jahre entfremdete sich das Paar zusehends, dennoch waren die beiden Autoren knapp 50 Jahre lang verheiratet – er starb 1910, sie 1919.

 

Die Türkei und Europa

Wird sich die „schwüle Atmosphäre“ in der internationalen Politik bald bessern?

Neue Freie Presse vom 19. September 1896

Die Luft ist voll von Gerüchten über das, was geschehen soll, um die türkische Frage zu regeln. Es ist schwer, das Unrichtige von dem Richtigen, die Combinationen der Phantasten von dem Thatsächlichen zu sondern. Vielleicht können die folgenden Auseinandersetzungen eines wohlinformierten Staatsmannes einiges Licht in das Dunkel bringen. „Halten Sie zunächst fest“, sagte uns der Staatsmann, „daß kein politischer Vorschlag Englands zur Lösung der türkischen Frage vorliegt. Alles, was nach dieser Richtung in die Oeffentlichkeit dringt, geht aus der Volksmeinung Englands, keineswegs aber aus dem Kreise der britischen Regierung hervor. Das Eine ist Thatsache: England ist in diesem Augenblicke isoliert in Europa. Immerhin sind aber die Mächte der Ueberzeugung, daß England keine Sonderaction gegenüber dem Sultan unternehmen wird. Sir Philipp Currie, der englische Botschafter in Konstantinopel, der noch nach dem letzten Gemetzel Lord Salisbury sah, scheint ohne speciellen Auftrag seiner Regierung von London nach Konstantinopel zurückgekehrt zu sein. Die englische Entrüstung wird sich bis auf Weiteres in keiner wirklichen That entladen. Freilich, ein absolutes europäisches Concert besteht in diesem Augenblicke nicht. Die Einigkeit Europas, die sich noch bei Lösung der kretensischen Wirren so wohltätig zeigte, ist wieder einmal dahin, und es ist schwer zu sagen, für wie lange. Jedoch soll constatirt werden, daß andererseits das continentale Europa eines Sinnes in Hinsicht auf die Wirren am Bosporus ist. (…) Vielleicht verzieht sich diesmal wieder das drohende Gewölk über dem osmanischen Reiche. Doch wer möchte leugnen, daß die Atmosphäre der internationalen Politik wieder einmal unendlich schwül ist?“

Anmerkung: Der Türkisch-Griechische Krieg um Kreta begann im Mai 1896 und endete im Dezember 1897. Auslöser war ein Aufstand der griechisch-orthodoxen Bevölkerungsmehrheit gegen die osmanische Herrschaft über die Insel. Das Königreich Griechenland mischte sich zugunsten der Aufständischen ein; andere europäische Mächte – darunter Großbritannien - unterstützten hingegen indirekt die Osmanen aus Angst vor neuen Unruhen auf dem Balkan (jedoch war diese Unterstützung nicht stets friktionsfrei). Letztlich endete der Krieg mit einem Sieg der Osmanen, Kreta wurde zu einem internationalen Protektorat erklärt.

 

Totschlag in der Synagoge

Wenn zwei Jugendlich beim Beten in Streit geraten.

Neue Freie Presse vom 18. September 1876

Marcus Stern, ein hübscher Junge von 16 Jahren aus Trembowla stand vor den Geschworenen, um sich wegen Totschlags, verübt an seinem 15jährigen Schulfreunde Pinkas Masinger, zu verantworten. Im Winkel des gefüllten Verhandlungssaals stand die Mutter des Angeklagten an die Wand gelehnt, das Gesicht in Thränen gebadet und murmelte Gebete mit gefalteten Händen. Am 22. Januar d.J., als die Synagoge in Trembowla zum Morgengebete mit Andächtigen gefüllt war, gefiel es dem Pinkas, seinem Kameraden Marcus scherzeshalber Sacktuch aus der Rocktasche zu ziehen. In seiner Andacht gestört, am Kopfe stahl ihm der „Schelrosch“, die Hand war mit dem Gebetsriemen umwindet, versetzt Marcus dem Störenfried einen Stoß in die Seite; dieser repliciert und ergreift einen drei Pfund schweren Leuchter. Der stärkere Marcus entreißt ihm denselben und versetzt ihm damit einen solchen Hieb auf die Hirnschale, daß Pinkas nach einigen Tagen starb. Marcus wurde, nachdem die Schuldfrage wegen Totschlags von den Geschworenen bejaht wurde, mit Rücksicht auf seine Jugend zu nur einem Jahre schweren Kerkers, aber verschärft mit zweimaligem Fasten im Monat, verurtheilt. Händeringend verläßt die Mutter den Winkel und den Saal.

 

Rezepte per Telefonanruf

In dringlichen Fällen wird zum Hörer gegriffen – doch wie steht es um die Legalität?

Neue Freie Presse vom 17. September 1896

In Paris beginnt unter den Aerzten sich die Gewohnheit einzubürgern, im Falle der Dringlichkeit dem Apotheker die Receptformel durch das Telephon zu übermitteln, und es besteht bereits eine wenn auch nur geringe Anzahl von Apotheken, welche die Organisation zur Uebernahme telephonischer Recepte in der Weise eingeführt haben, daß der beim Telephon befindliche Assistent das par distance vom Arzte gegebene Recept zu Papier bringt und danach die vorgeschriebene Arznei bereitet. Allein wo bleibt, fragt das Journal de Pharmacie, unter diesen Verhältnissen die gesetzliche Vorschrift, daß der Arzt seine Präscription persönlich unterfertigt und daß der Apotheker nur nach solchen geschriebenen signierten Recepten, die überdies zehn Jahre hindurch aufzubewahren sind, die Arzneien bereitet? Nach Anführung noch anderer bei solcher Benützung des Telephons möglicher Nebelstände, worunter nicht der geringste der ist, daß sich Unberufene namens eines Arztes Giftstoffe auf diese Art verschaffen können, wird vor der Benützung des Telephones zu dem angeführte Zwecke als vor einer Ungesetzlichkeit gewarnt.

 

Kampf mit einem Arrestanten

Der Gendarm griff letztlich zum Bajonett.

Neue Freie Presse vom 16. September 1896

Aus Puchberg am Schneeberg wird uns gemeldet: Der bei dem Baue der Schneebergbahn als Arbeiter beschäftigte 14-jährige Andreas Murovic wurde gestern von dem Gendarmen Karl Ubner wegen eines schweren Verbrechens verhaftet und sollte dem Kreisgerichte Wiener-Neustadt eingeliefert werden. Während der Escorte widersetzt sich der Verhaftete und vergriff sich an dem Gendarmen. Dieser machte von seiner Waffe Gebrauch und versetzte dem Gewaltthätigen zwei Bajonettstiche in die Magengegend. In hoffnungslosem Zustanden wurde Murovic nach Neunkirchen in das Spital gebracht.

 

Ein neuer Alarmapparat

Ein „Höllenlärm“ soll vor Dieben schützen.

Neue Freie Presse am 15. September 1906

An mehr oder minder sinnreich konstruierten Alarmapparaten, durch welche Einbruchsdiebstähle verhindert werden, fehlt es bekanntlich nicht. Es sind gewöhnlich elektrische Läutewerke, die, bei dem geringsten Einbruchsversuch in Bewegung gesetzt, einen großen Lärm verursachen, so daß die Einbrecher oft auf frischer Tat ertappt werden können. Ein Alarmapparat aber, wie ihn – nach einem Bericht des „Newport Amerikan“ - ein in Philadelphia lebender Kaufmann erdacht hat, dürfte noch nicht dagewesen sein. Der Erfinder hat in seinem Laden einen kolossalen Phonographen aufgestellt, und zwar so, daß der Apparat sofort in Funktion tritt, wenn man, ohne das Geheimnis zu kennen, eine Tür oder ein Fenster öffnet; der Phonograph beginnt dann mit einer Stentorstimme, die das ganze Stadtviertel aufweckt, Diebe! Mörder! Feuer! Zu brüllen. Gleichzeitig funktioniert ein Draht, der mit einer am Bett des Wächters angebrachten Alarmglocke und mit dem Telephon der nächsten Polizeistation in Verbindung ist. Sobald die Einbrecher diesen Höllenlärm hören, haben sie natürlich nichts Besseres zu tun, als davonzulaufen, wobei sie jedoch riskieren, in die Arme der alarmierten Polizei zu fallen.

 

"Der Affe stammt vom Menschen ab"

Ein aufsehenerregender Vortrag von Professor Westenhöfer auf der Anthropologentagung in Salzburg.

Neue Freie Presse vom 14. September 1926

„Der Mensch stammt vom Affen ab.“ So lautet die laienhaft vergröberte Ausdrucksweise für die auf Darwin zurückgehende Deszendenzhypothese. Der wissenschaftlichen Formulierung war es gemäßer, zu sagen, daß für Mensch und Affe gemeinsame Vorahnen anzunehmen seien, wobei in der zeitlichen Einordnung der Affe als ältere Form anzunehmen sei und die Entwicklung im Aufstieg zum Menschen geführt habe, den man in der Reihenfolge der Lebewesen als die spätere Gattung ansetzen müsse. Professor Max Westenhöfer, der Kustos des Pathologischen Museums an der Berliner Universität, suchte nun in einem Vortrag auf der Anthropologentagung in Salzburg im Gegensatz hiezu den Beweis zu erbringen, daß die ältere Säugetierform, ja überhaupt die älteste, der Mensch sei. Wie eine Bombe platzten Westenhöfers Erörterungen in den überfüllten Saal und weckten viele Gegenmeinungen anderer Tagungsteilnehmer. Es entspann sich eine lebhafte Diskussion, so daß Professor Westenhöfer in seinem Schlußworte vorschlug, sein Thema für die nächste Anthropologentagung neuerlich zur Debatte zu stellen. Die Grundgedanken des Westenhöferschen Vortrages seien im folgenden in Kürze dargelegt:

(…) Die starke Entwicklung des Gebisses, der Kiefer, der Kaumuskeln (der Schnauze) fast aller Säugetiere steht im umgekehrten Verhältnis zur Gehirnentwicklung. Die große Blutzufuhr, die die Schnauzenentwicklung verlangte, mußte die Blutzufuhr zum Gehirn beeinträchtigen, und damit dessen weitere Entwicklung behindern. Beim Menschen zeigt sich genau der umgekehrte Tatbestand. Die merkwürdige Tatsache, daß die Anthropoidenkinder, insbesondere das Schimpansenkind, dem Menschen viel ähnlicher sehen als ihren eigenen Eltern, erklärt Westenhöfer unter Bezugnahme auf das biogenetische Grundgesetz von Haeckel damit, daß die Vorfahren der Affen menschenähnlichen Tieren abstammen, und daß man somit den laienhaften Satz: „Der Mensch stammt vom Affen ab“ umdrehen müsse in den Satz: „Der Affe stammt vom Menschen ab.“

 

Die erste Ausstellung im Burgenland

Österreichs „jüngstes Kind“ erwacht aus seinem Dornröschenschlaf.

Neue Freie Presse am 13. September 1926

Die erste Ausstellung in unserem Burgenlande ist an und für sich eine Tat. Spricht man heute am Tage der Eröffnung mit den Eisenstädtern, die sich rührig und eifrig um das Werk bemüht haben, dann meinen sie, es sei ein Wagestück gewesen. Ueberblickt man aber das, was hier geleistet, was hier ausgestellt wurde. So kann man nicht recht beipflichten. Im Gegenteil. Die Schätze, die dieses Land birgt, riefen gebieterisch danach, auch endlich weiteren Kreisen bekannt zu werden. Es geht nicht länger an, daß dieses jüngste Kind Oesterreichs, fast vor den Toren Wiens, in einem Dornröschenschlaf gefangen liege. Man muß sich besinnen und erkennen, was Oesterreich am Burgenlande hat. Diese Ausstellung bedeutet einen großen Schritt nach vorwärts, einmal als Gradmesser für den Aufschwung, den das Burgenland genommen, und das andere Mal als Maßstab für die Zukunft, was Oesterreich noch vom Burgenlande zu erwarten hat. Daraus müssen nun Oesterreich und Wien Lehren und Folgerungen ziehen, um den Anschauungsunterricht, den diese Ausstellung gibt, auch entsprechend zu verwerten.

 

Rechts- oder Linksfahren?

Das ist die Frage, die der dichte Autoverkehr dieses Sommers mit erneuter Eindringlichkeit aufgerollt hat.

Neue Freie Presse am 12. September 1936

Oesterreich hat in diesem jahre eine erfreuliche Steigerung des Kraftfahrverkehrs gesehen. Der Autobestand im Lande selbst stieg, der Besuch fremder Automobilitäten nahm zu. Damit war allerdings unerfreulicherweise auch eine beängstigende Zunahme der Unfälle verbunden, die ihre Ursache nicht zuletzt in der gegenwärtigen Verkehrsregelung findet. Es besteht kein Zweifel, daß die Rechtsfahrordnung für die westlichen Alpenländer, in denen sie nun gilt, für Vorarlberg, Tirol, Kärnten und den westlichen Teil Salzburgs, bedeutende Vorteile besitzt. Denn alle diese Bundesländer grenzen an rechtsfahrenden Staaten. Sie bilden ihrer Gesamtheit einen Keil zwischen rechtsfahrenden Ländern und die Gründe, die dort für die Umstellung auf das Rechtsfahren maßgebend waren, haben heute gewiß ebenso Gültigkeit. Andererseits grenzen die östlichen Bundeesländer mit Linksfahrordnung an gleichfalls links fahrende Staaten. An sich scheint also die Regelung, welche die Fahrtrichtungsgrenze von der Staatsgrenze wegverlegt und quer durch das österreichische Bundesgebiet führt, den verschiedenen Bedürfnissen des Westens und des Ostens angepaßt.

Die Erfahrungen dieses letzten Sommers belehrten aber die Verkehrsfachleute eines Besseren, sie führten sie zu der Erkenntnis, daß die Frage, ob Links- oder Rechtsfahren größere Vorteile besitze, nicht mehr an erster Stelle steht und aß heute vor allem die dringliche Forderung erhoben werden muß, die Einheitlichkeit der Fahrtrichtung in Oesterreich wiederherzustellen. Nicht allein, weil es bei Fortdauer des jetzigen Zustandes Strecken gibt, die mehrmaligen Fahrtrichtungswechsel notwenidg machen, nicht allein, weil der Richtungswechsel vielfach an Stellen vorgenommen werden muß, die höchste Fahrgeschwindigkeit erlauben, wie etwa bei Friesach, sondern hauptsächlich deshalb, weil zahlreiche Autounfälle, auch solche, die sich in erheblicher Entfernung von den Punkten des Richtungswechsels ereignen, klar beweisen, daß sie auch die plötzlich vom Fahrer geforderte Umstellung seines Denkens, Reagierens und Handelns verursacht werden, die durch keine sonstigen äußeren Umstände erleichtert wird. (...)

Die Umstellung in Wien würde ein dichtes, stark frequentiertes Straßenbahnnetz in völlig neue Verhältnisse versetzen, was für die Umschulung der Bevölkerung, die sicherlich besonderer Vorbereitung und Durchführung bedürfte, eine große Rolle spielen würde. Verkehrsfachleute rechnen damit, daß die Umstellung der Fußgänger und Fahrzeuglenker und nicht zuletzt der Radfahrer, die schon heute ein eigenes Verkehrsproblem darstellen, mindestens zwei bis vier Monate in Anspruch nehmen müßte. Die Kosten der notwendigen Umbauten würden sich nach zuständigen Schätzungen auf zirka 15 Millionen Schilling belaufen. Es wären Investitionen vorzunehmen, die wohl als arbeitsbeschaffend, aber nicht als wertvermehrend anzusehen sind. Hieher gehören die Umlegung von Geleisewechseln und Haltestellen, die Umpflasterung von Straßen, besonders in Steilstrecken, der Umbau von Rettungsinseln und Verkehrssignalen, die Umstellung der Kehrmaschinen und Schneelpfülge, der Umbau der Kanalgitter, die stets in der Richtung des Verkehrs zu schließen sind, usw.

Anmerkung: 1929 fasste das österreichische Parlament den Beschluss, ab 1932 in Österreich ­generell rechts zu fahren. Dagegen protestierte Wien aufgrund der hohen Kosten. Heraus kam eine typisch österreichische Lösung: Das Land wurde in eine Rechtsfahrzone im Westen und in eine Linksfahrzone im Osten geteilt. Erst nach dem Anschluss an Deutschland, seit dem 19. September 1938, wird in Österreich generell rechts gefahren.

 

Die Preußen in Niederösterreich

Ein Bericht zeigt, was geschah, als die Preußen im August des Jahres Niederösterreich im Zuge der Invasion “heimsuchten”.

Neue Freie Presse vom 11. September 1866

Die besten Zimmer, manchmal auch alle, wurden mit Beschlag belegt. Der Bürgermeister von Hohenau mußte mit seiner Frau vierzehn Nächte auf Stühlen in der Küche schlafen. In Zistersdorf ward ein Hausbesitzer aus seinem Hause vertrieben, weil sich eine Generalstabs-Kanzlei darin einrichtete (...). Man verjagte ihn um Mitternacht, weil sich der nebenan wohnende Prinz Friedrich Karl durch die Nachbarschaft gestört fand. Merkwürdig ist dabei das Factum, daß der genannte Prinz es nicht unter seiner Würde fand, diese nächtliche Austreibung in höchster Person zu leiten. (...)

Was die Preußen aßen - und sie aßen bekanntlich ziemlich viel - das verschafften sie sich durch Requisitionen. Das ist im Kriege wol natürlich, allein sie nahmen immer mehr, als sie brauchten, und benützten die Lebensmittel, die ihre eigenen Verpflegungscolonnen nachführten, so gut wie gar nicht. Die wichtigsten Artikel, Fleisch und Brot, waren zu gleich am schwersten aufzutreiben. Schlachtvieh war in den Gemeinden, welche die Invasion betraf, fast gar keines vorhanden, man nahm also die Kühe, und nur manchmal begnügten sich besonders humane Abtheilungs-Commandanten mit Schafen. Zur Brot-Erzeugung wurden nicht nur alle Bäcker requirirt und ihnen unter Todesdrohungen verboten, für die Bevölkerung zu backen, die in Folge dessen empfindlichen Brotmangel litt, sondern alle Backöfen in Privathäusern in Anspruch genommen, wobei die Mitglieder der Armee-Intendanz, denen dies Amt ausschließlich eingeräumt war, mit beesonderer Rücksichtslosigkeit vorgingen. Butter und Eier sind aus den Bezirken, wo die Preußen länger gelegen, rein verschwunden.

Die frischen Eier suchten sie selbst mit großer Sachkenntniß, und wenn der letzte Butterstollen annectirt war, verschmähten sie Schmalz und Pflaumenbrei keineswegs, um das Brot zum Kaffee damit zu bestreichen. Kaffee tranken sie mit großer Begier und in erstaunlichen Mengen, auf die Qualität desselben kam es ihnen aber nicht an, was Jeder begreiflich finden wird, der den preußischen Kaffee aus eigener Erfahrung kennt. Mit Heu und Hafer ging es wie mit Butter und Eiern, es ist Alles rein aufgezehrt. Auch Wein ward viel getrunken und leider noch mehr ausgelassen. Zwar hatten die Commandanten Posten vor die meisten größeren Weinkeller gestellt, um muthwillige Zerstörung zu verhindern, allein es wurden doch viele gänzlich ruiniert. (...)

So sehr man diese vereinzelten Ausbrüche der Rohheit beklagen und verdammen muß, so glauben wir doch dem Bericht widersprechen zu müssen, wenn er aus ihnen einen Schluß auf die allgemeine Bildung der preußischen Armee ziehen will. Wenn unter den fast vierhunderttausend Mann, die preußischerseits gegen Oesterreich im Felde waren, sich einige hundert rohe Burschen befanden, ist das sehr wenig; im Kriege verwildert selbst der Gebildete, und dann vergesse man doch nicht, daß die Preußen als Feinde kamen. Im Vergleiche mit den Leiden einer französischen Invasion schrumpft das, was wir von den Preußen gelitten, auf ein Minimum zusammen. Wenn die Preußen sagten, noch nie sei ein so civilisirter Krieg geführt worden, so hatten sie wol zunächst ihr Benehmen in den Quartieren im Auge. Sie betrugen sich oft übermüthig, muthwillig und beleidigend, aber sie tasteten Frauen und Töchter nicht an.

 

Eine schier unglaubliche Explosionskraft

Der Techniker Franz Würtemburger hat ein Mittel erfunden, an dem er selbst zerriss.

Neue Freie Presse vom 10. September 1906

Aus Newport wird gemeldet: Ein deutsch-amerikanischer Techniker namens Franz Würtemburger, der seit langer Zeit in Newport und Hamburg Versuche mit einem neuen Explosionskörper machte, wurde gestern bei einer Demonstration seiner Erfindung in Stücke gerissen.

Würtemburger hat einen Sprengstoff erfunden, welchen er Farronite nannte. Dieser Stoff soll vier- bis fünfmal so stark sein als Dynamit, aber die ungünstige Eigenschaft besitzen, daß der Explosionsmoment noch nicht genau kontrollierbar ist. Bereits vor einiger Zeit explodierte in Hamburg das Laboratorium Würtemburgers, und in Newport hatte er auch schon mehrere Unfälle. Gestern hatte er in der Stadt Lynn in Massachusetts eine Reihe von Fachleuten eingeladen und wollte ihnen auf freiem Felde die Explosionskraft seiner Erfindung demonstrieren. Hiezu war eine Reihe von Löchern in die Erde gebohrt, und der Erfinder war im Begriff, den Explosionsstoff mit einer langen eisernen Stange in diese Löcher hineinzugeben, als plötzlich eine der Patronen explodierte.

Würtemburger wurde mehrere hundert Meter weit fortgeschleudert und vollständig zerrissen. Sein Assistent wurde ebenfalls tödlich verwundet. Die Zuschauer waren vorsichtigerweise weit entfernt geblieben, aber auch von ihnen wurden mehrere schwer verwundet und andere heftig zu Boden geworfen.

Die Explosionskraft des neuen Stoffes zeigte sich als ungeheuer viel größer als die irgend eines bis jetzt bekannten Explosionsmittels. Der Erfinder, welcher stets eine Katastrophe befürchtete, hat schon vor Jahren das Rezept zur Zusammensetzung seines Explosionsmittels in einer Newyorker Bank deponiert.

 

Der große Radfahrpreis von Wien

Die Tribünen waren bis hoch hinauf besetzt – alle wollten den knappen Sieg sehen.

Neue Freie Presse vom 9. September 1896

Man hätte glauben können, daß die Entscheidung über den Radfahrpreis von 2000 Kronen nicht allein die Radfahrerkreise, sondern die ganze Bevölkerung von Wien in erwartungsvollste Spannung und Aufregung versetzt hat – so massenhaft war heute Nachmittags der Zudrang des Publicums zu der Rennbahn im Prater. Alle Plätze rings um den ausgedehnten Plan waren so dicht gefüllt, daß keine Karten mehr ausgegeben werden konnten, die Tribünen bis hoch hinauf besetzt, und selbst dort auf jenen entlegenen Stellen, wo man von der Entscheidung am Ziele aber nichts wahrzunehmen vermag, starrte es von Köpfen in vielen Reihen über einander. Und durch diese Menge ging es manchmal, wenn ein spannender Endkampf die Gemüther erhitzte, wie das Rauschen eines Sturmes und wie das Brausen der Brandung, so heftig war die Aufregung, in welcher die Massen durch dieses Schauspiel versetzt wurden. (…) Der Preis fiel schließlich dem Franzosen Jacquelin zu, dessen Elasticität und Gewandtheit sich besser bewährte, als die massiven Muskeln und die wuchtige Tatkraft des Engländers Parlby. Doch wäre Jacquelin's Sieg um ein Haar oder – damit man nicht übertreibe – um einige Fingerbreiten seinem gefährlichen Concurrenten Huet zugefallen, der trotz seines Wohnortes Graz in diesem internationalen Kampfe als Belgier galt. Das Feld, das den Schlußkampf ausfocht, bildete überhaupt eine merkwürdige internationale Gruppe: Der Franzose Jacquelin, der Engländer Parlby, der Belgier Huet und der Italiener Tomaselli – jede Nationalität durch einen Champion ersten Ranges vertreten.

 

Deutschland in den Völkerbund aufgenommen

Der Völkerbund ist “endlich einmal entschlossen zum Ziele gegangen”.

Neue Freie Presse am 8. September 1926

Der Schlußpunkt einer traurigen Entwicklung. Es ist etwa ein Jahr her, daß der Pakt von Locarno unterzeichnet wurde. Ein Jahr lang hat Deutschland vor den Toren des Völkerbundes warten müssen, bis alle Hemmungen und Hindernisse überwunden werden konnten. Schon im März war der Erfolg greifbar vor Augen, als es gelang, Polen zu beruhigen, Schweden zu einer milderen Stellungnahme zu bewegen. Da gab Brasilien den Ausschlag und die fehlerhafte Konstruktion dieses ganzen verschwommenen und vielfältigen Gebildes der Liga der Nationen rächte sich in einem der wichtigsten Augenblicke der Historik.

Auch diesmal, das ist in den letzten Tagen sichtbar geworden, hat es nicht an Quertreibern gefehlt, an Versuchen, doch noch den Karren aus dem Geleise zu bringen und die europäische Einigung zugunsten der Friedlosigkeit und der fortdauernden Verwirrung zu sabotieren. (...) Noch aus der Rede des Präsidenten Motta zittert die verhaltene Besorgnis, es könnte doch wegen des Junktims zwischen der Aufnahme von Deutschland und der Vermehrung der nichtständigen Ratssitze, wegen des summarischen Verfahrens ohne Einberufung der Kommission, wegen der Notwendigkeit der Zweidrittelmehrheit für diesen außerordentlichen Vorgang zu neuen Hindernissen kommen und zu neuen Verwicklungen. Der Völkerbund ist jedoch geradeaus und endlich einmal entschlossen zum Ziele gegangen. Er hat Spanien links liegen lassen, trotzdem es gewiß für jeden Kulturmenschen, für jeden Europäer sehr schmerzlich ist, daß nunmehr auch dieser Staat, die erste Kontinentalmacht, sich von Genf entfernt und die Arbeiten der Liga der Nationen nicht mehr begleitet. Er hat die Vorschläge der Studienkommission angenommen, obwohl durch die dreifache Einteilung: Ständige, nichtständige und halbständige Ratssitze, das Bild des Völkerbundrates noch komplizierter und buntscheckiger werden müßte.

Die Staatsmänner haben begriffen: Eins ist not, nämlich die Befriedung der Welt, die Beendigung des Friedenskrieges, die Herstellung der menschlichen und der politischen Normalität, die Erneuerung jenes Konzertes der Mächte, das schon vor dem Kriege so oft in schwierigen Situationen sich recht und schlecht bewährt hat.

 

Unbekannte Bilder Rembrandts entdeckt

Ein Privatsammler und eine Kunsthandlung erwarben die Werke.

Neue Freie Presse am 7. September 1916

Die “Kunstchronik” berichtet über die Auffindung zweier Bilder von Rembrandt. Einer der bekanntesten englischen Privatsammler, Sir Herbert Cox in Richmond, war so glücklich einen bisher völlig unbekannten Rembrandt zu erwerben. Es ist eine gezeichnete und von 1633 datierte Darstellung des Apostels Petrus, dessen ehrwürdige Greisengestalt ungefähr bis zu den Knien sichtbar ist. Sie ist in einem weiten, orangebraunen Mantel gehüllt, der über ein dunkelgrünes Unterkleid geworfen ist, in der linken Hand hält der Apostel zwei große Schlüssel, einen silbernen und einen goldenen; der schöne, edle Kopf mit der mächtigen Stirn, der von weißem Haar und Bart umwallt ist, ist in ernstem Nachdenken ein wenig gesenkt, der Blick links seitwärts zu Boden gerichtet und die Rechte, wie vor schmerzlicher Reue beteuernd, an die Brust geschlagen. (...)

Eines anderen Werkes Rembrandts ist die Amsterdamer Kunsthandlung Aescher & Koetser in England habhaft geworden. Es ist eine Darbringung im Tempel, die Wahrscheinlich als ein Spätwerk des Meisters anzusehen ist. Es handelt sich um ein Bild, das in sehr schlechtem Zustande entdeckt wurde, jetzt aber vorsichtig wieder hergestellt worden ist. Glücklicherweise hat die alte Farbschicht kaum gelitten. In dem Ausdruck und der Haltung der Hauptfiguren, Simeons und Maris, zeigt das Bild Anklänge an Rembrandts Radierung der Darbringung im Tempel: die Figur des alten Simeon erscheint übrigens auf verschiedenen Werken Rembrandts in ähnlicher Gestalt wieder.

 

Atlantikflug einer Pionierin

Beryl Markham überquerte als erste Frau den Atlantik von Osten nach Westen, musste aber in Neuschottland notlanden.

Neue Freie Presse am 6. September 1936

Mrs. Beryl Markham, die “fliegende Mutter2, hat als erste Solofliegerin den Atlantik in der Richtung von Osten nach Westen überquert. Sie hat jedoch Newyork nicht erreicht, sondern wurde durch Benzinmangel zu einer Notlandung in Neuschottland, einer der östlichen Provinzen Kanadas, gezwungen. Der Apparat wurde dabei schwer beschädigt. Die Fliegerin selbst blieb glücklicherweise, von einigen Kratzwunden im Gesicht abgesehen, unverletzt. Der Flug erwies sich angesichts der ungünstigen Wetterlage als eine ungemein schwere Aufgabe. Mrs. Markham ist 33 Jahre alt und Mutter eines siebenjährigen Knaben. Ihr Flug wurde in Amerika beinahe mit dem gleichen enthusiastischen Interesse verfolgt wie der erste Ozeanflug durch Lindbergh 1927.

 

Die Weintrauben sind hinüber

Das nasskalte Wetter schlägt den Weinbauern aufs Gemüt.

Neue Freie Presse am 5. September 1896

Aus Krems an der Donau schreibt man uns: Die andauernde naßkalte Witterung hat die Hoffnungen der Weinbauer auf eine gute Mittellese bereits sehr herabgestimmt. Die Peronospora (Laubbrand) hat nunmehr auch die Trauben ergriffen; viele Körner werden schwarz und fallen vorzeitig ab. In einzelnen Weingebieten der Umgebung von Krems ist diese Krankheit des Weinstockes ziemlich stark aufgetreten, weshalb die Weinbauer sich behufs Steuerabschreibungen gemeinsam an die Statthalterei wenden werden. Die Weinpreise beginnen wegen der geringeren Aussichten auf eine entsprechende Quantität und Qualität des zu erwartenden „Heurigen“ bereits zu steigen. Mit den gleichen Calamitäten haben auch die Weinbauer des Traisenthales und von Hollenburg, Wagram und Göttweig zu kämpfen; in manchen Weingärten ist bereits ein Drittel der Trauben von der Personospora ergriffen.

Anmerkung: Peronospora ist die umgangssprachliche Bezeichnung für den Falschen Mehltau der Weinrebe.

 

Selbstmordversuch als neues Gewerbe

Wurde ein Budapest ein neuer Broterwerb gefunden?

Neue Freie Presse vom 4. September 1926

Ein neues Gewerbe: man lebt von Selbstmordversuchen. Warum auch nicht? In einer Zeit, in der sich so viele arme Teufel im gläsernen Käfig mit Hungern ihr Brot verdienen, ist es durchaus nicht so paradox, wenn man vom Sterben lebt. Und dabei ist es natürlich gar kein richtiges Sterben, sondern nur ein kleiner Scherz, den man sich mit dem Tode erlaubt, eine „Sterbelei“ sozusagen, um bei einem berühmten Wort Alfred Bergers eine Anleihe zu machen. Dieses neue Gewerbe blüht in Budapest. Dort hat nämlich, wie uns gemeldet wird, infolge der erschreckenden Zunahme der Selbstmorde der Minister des Innern für die Rettung von Selbstmördern aus der Donau eine hohe Prämie ausgesetzt. Die Folge dieser begrüßenswerten Maßnahme war höchst sonderbar. Es gab eine beispiellose Hausse von Selbstmordversuchen, die aber erfreulicherweise sehr harmlos verliefen. Denn wie aufs Stichwort war der Retter bei der Hand. Kaum hatte ein Körper in sausendem Sturze das aufspritzende Wasser berührt, so rissen ihn auch schon kräftige Arme aus der feuchten Umklammerung. Das Lied vom braven Mann, der die Rettungsprämie einheimste, erklang so oft, daß die Behörden stutzig wurden. Die Nachforschungen ergaben, daß sich mancher Selbstmordkandidat vier- oder fünfmal retten ließ und daß Retter und Geretteter gewöhnlich Kompagnons waren, die sich dann die Prämie teilten.

Wie beugt man einer solchen Irreführung er Behörden am wirksamsten vor? Wie schützt sich ein Selbstmordkandidat gegen die Verwechslung mit Schwindlern? Wie rettet sich ein Lebensretter vor dem Verdacht, ein Betrüger zu sein? Den Prämienschwindlern ist der Vorwurf nicht zu ersparen, daß sie eine so ernste Sache wie einen Selbstmordversuch und eine so erhebende Handlung wie eine Lebensrettung bedenklich in Mißkredit gebracht haben.

 

Eröffnung von Österreichs höchster Wetterwarte

Über Telefon, Bote und Telegraph erreichte der langersehnte Eröffnungsbericht die Redaktion.

Neue Freie Presse am 3. September 1886

Heute Nachmittags ist die höchste Wetterwarte auf dem Sonnblick, 9800 Fuß hoch, in dem von dem Industriellen Rojacher errichteten Gebäude eröffnet worden. Unser dahin entsendeter Berichterstatter hat den nachfolgenden Bericht durch das Telephon, welches Rojacher von der Wetterwarte über den Gletscher 6780 Fuß tief bis Rauris hergestellt hat, nach Rauris gesprochen. Von dort aber konnte der Bericht nicht unmittelbar durch den Telegraphen weiterbefördert werden, sondern mußte drei Stunden weit durch einen Boten zu Fuß zur Giselabahn-Station Taxenbach getragen werden. Zwischen Rauris und Taxenbach ist nämlich der Telegraph noch nicht hergestellt, obwol dies längst hätte der Fall sein sollen und Draht, Stangen, Apparate u.s.w. schon bereit liegen. Diese Verzögerung wird in Rauris lebhaft beklagt. Der vom Sonnblick um 2 Uhr herabtelephonirte Bericht konnte also von Taxenbach erst um 5 Uhr 20 Minuten nach Wien telegraphirt werden. So schiebt sich zwischen die zwei blitzschnellen Communicationsmittel der modernen Elektrotechnik die alte primitive Institution der Botenfrau mitten hinein! - Der Bericht selbst lautet:

„Sonnblickspitz, 2. September, 2 Uhr Nachmittags: Soeben fand unter Assitenz des Pfarrers von Rauris, der ein Schreiben des Erzbischofs von Salzburg verlas, die feierliche Eröffnung der meteorologischen Station auf dem Sonnblick statt. Vice-Präsident Pfaff vom Alpinen Verein brachte ein Hoch auf den Kaiser aus, in welches die fünfzig anwesenden Gäste begeistert einstimmten. Major Obermayer von der Meteorologischen Gesellschaft dankte dem Alpenvereine für dessen ausgiebige Förderung des Werkes. Dr. Emmer brachte ein Hoch auf die Meteorologische Gesellschaft aus. Schließlich sprach Major Obermayer die allgemeine Anerkennung für das Werk Rojacher's aus, der wirklich Bewunderungswürdiges geleistet hat. Der Thurm und das Haus sind elegant gebaut, und man hat von der Warte einen großartigen Blick auf den Hochkarr und Großglokner. Dr. Kostlivy von der meteorologischen Centralanstalt stellt soeben die Instrumente auf. Leider stört der Blitz zeitweise die Leitung.“ (Per Telephon nach Rauris, per Bote nach Taxenbach)

Anmerkung: Das Observatorium Sonnblick ist nicht nur Österreichs höchstgelegene meteorologische Beobachtungsstation, sondern gilt zugleich als das höchstgelegene ganzjährig betriebene Observatorium der Welt. Es steht auf dem Gipfel des zur Salzburger Marktgemeinde Rauris gehörenden Hohen Sonnblick (3106 Meter). Seit seiner Gründung wurde es nur an vier Tagen nicht betreut.

 

Badende Italiener sparen Bahnkosten

Besuchern der nördlichen Adria wird die freie Rückfahrt gewährt – und bestimmten Bedingungen.

Neue Freie Presse am 2. September 1926

Die italienischen Staatsbahnen haben den Besuchern der Badeorte an der nördlichen Adria besondere Begünstigungen, darunter die freie Rückfahrt, die bis zum 31. Oktober 1926 in Geltung bleiben, gewährt. Die für das Reisepublikum wesentlichen Bestimmungen sind: 1. Die Begünstigung der freien Rückfahrt bezieht sich nur auf die italienische Strecke; 2. die Einreise muß über den Brenner oder östlich vom Brenner erfolgen; 3. die Fahrkarte (der Fahrscheinheftabschnitt) für die italienische Strecke darf in der Endstation nicht abgegeben werden, sondern ist der Ortsbehörde des Badeortes vorzuweisen; 4. an der Grenze in der italienischen Bahnstation oder im Badeorte bei der Ortsbehörde ist die Ausstellung eines besonderen Aufenthaltsbestätigungsscheines (Certificate di soggiorne) gegen Vorweisung der Fahrkarte (des Fahrscheinheftabschnittes) zu verlangen. Diese Scheine sind auch bei den Agentien der italienischen Staatsbahnen im Auslande erhältlich; 5. auf dem Aufenthaltsbewilligungsschein muß die Ortsbehörde einen mindestens zehntägigen Aufenthalt bestätigen; 6. Reisende, deren Fahrtausweis nur bis Triest gilt, erhalten keine Begünstigungen.

 

Das neue Damenkleid

Ein Kostüm gefiel besonders, das Hauptaugenmerk aber legt die Mode von morgen auf die Straßenmäntel.

Neue Freie Presse am 1. September 1916

Die kommende Damenmode hat nun ihre endgültige Gestaltung. So einfach war das ja diesmal nicht, denn jetzt haben nicht nur die Schneider, die die Mode schaffen, die Damen, die sie tragen, und die Herren, die sie zahlen sollen, ein Wörtchen dreinzureden, sondern auch noch verschiedene Hof- und Ministerialräte, die darauf zu achten haben, daß die neue Mode mit den Streckungsvorschriften für Stoffe in Einklang steht. Nun, die neue Mode ist auch von dieser Seite geprüft und für gut befunden worden. Eine der großen Wiener Schneiderfirmen, die die Aktionen zur Schaffung einer Wiener Mode betreiben, hat dieser Tage in ihrem kleinen, intimen Ateliertheater eine Vorführung der neuen Modelle vor den von den Behörden entsendeten Referenten abgehalten (…).

Von den Kostümen gefielen ihnen und auch den wenigen Damen, die eingeladen worden waren, am meisten ein graues Sergekostüm mit hellblauer Jacke, in die Taille geschnitten, auf der Jacke und dem glockenförmigen Schoß reicher Bortenbesatz; dann ein schwarzes, lose fallendes Samtkostüm mit Stunktsbesatz und ein schottisches Ratinekostüm mit seitlichem Gürtelansatz. Schick und graziös wirken Mantelkleider und Samtkleider, erstere mit Liberty und Borten, letztere reich mit Pelz garniert. Von den Abendkleidern fiel eines in rotem Duchesse mit metallgestickter Spitze, ein anderes violettes Libertykleid, eines aus samtbrochiertem Gaze Boile, die Korsage aus blauem Samt, fest in der Taille gearbeitet, am meisten auf.

Das Hauptgewicht legte die Mode von morgen auf die Straßenmäntel, denen man in ihrer Gediegenheit und Kostbarkeit wahrhaftig den Krieg nicht anmerkt. Da sah man auf der Bühne einen lose fallenden Breitschwanzmantel aus ganz dünnen Fellen mosaikartig zusammengestellt, mit einem ganz eigenartigen Kragen aus Chinchilla, einen schneeweißen Hermelinmantel, einen ganz herrlichen aus köstlichem Nerz und als Krone der Mantelschöpfung einen Zobelmantel, der nicht nur in seinem Material, sondern auch der ganzen Arbeit nach ein Kunstwerk ist.