Die Anklage geht von einem Auftragsmord aus. Fünf Tatverdächtige aus Tschetschenien wurden angeklagt. Nemzow war 2015 in Nähe des Kremls erschossen worden.
Anderthalb Jahre nach dem Mord an dem Kremlgegner Boris Nemzow hat unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen in Moskau der Prozess gegen fünf Tatverdächtige begonnen. Angehörige der Sondereinheit Omon schützten das Gebäude des Militärgerichts, in das die Männer aus der Teilrepublik Tschetschenien gebracht wurden. Das meldeten Agenturen in der russischen Hauptstadt am Montag.
Viele Journalisten seien jedoch abgewiesen worden, hieß es. "Der Saal ist zu klein für alle", sagte Justizsprecher Kirill Luschin.
Erwartet wurde zu Prozessbeginn eine erste Anhörung. "Dieser politische Mord zeigt, dass sich niemand in Russland sicher fühlen kann", sagte Nemzows langjähriger Mitarbeiter Ilja Jaschin. Der Oppositionspolitiker und frühere Vizeministerpräsident Nemzow war am 27. Februar 2015 nachts in Sichtweite des Kremls erschossen worden. Die Tat löste international Bestürzung aus.
Die Anklage geht von einem Auftragsmord aus, wobei sich der angebliche Auftraggeber ins Ausland abgesetzt haben soll. Nemzows Familie vermutet die Hintermänner in der Führung der Teilrepublik Tschetschenien in Nordkaukasus und fordert, dass der autoritäre Republikchef Ramsan Kadyrow als Zeuge aussagen soll. Der kremltreue Kadyrow weist jede Beteiligung zurück.
Russlands ungeklärte Politmorde
Die Journalistin Anna Politkowskaja machte sich als Kritikerin der Kriege in Tschetschenien einen Namen. Am 7. Oktober 2006 wurde sie vor ihrer Wohnung in Moskau erschossen. Nach langen Ermittlungen wurden ein Ex-Polizist als Drahtzieher und ein Tschetschene als Mörder verurteilt. Politkowskajas Familie und Ex-Kollegen vermuten ein politisches Motiv und fordern eine Suche nach den Hintermännern.
Die Menschenrechtlerin Natalia Estemirowa wurde 2009 in der Konfliktregion Nordkaukasus erschossen aufgefunden. Mit Berichten über das Verschwinden von Zivilisten in dem Gebiet hatte sie sich wiederholt den Zorn der moskautreuen Machthaber zugezogen. Obwohl der Kreml eine Untersuchung zusagte, ist die Tat bisher nicht aufgeklärt.
Die Journalistin Anastassija Baburowa und der Menschenrechtsanwalt Stanislaw Markelow wurden 2009 auf der Straße in Moskau erschossen. Für die Tat wurden ein Rechtsextremist und eine Komplizin zu langen Haftstrafen verurteilt. Sie hatten ihre Schuld bestritten.
Der Kremlgegner Alexander Litwinenko wurde 2006 mit dem radioaktiven Gift Polonium-210 in London ermordet. Die britische Justiz sieht es als bewiesen an, dass die Spur der mutmaßlichen Hintermänner in hohe politische Kreise in Moskau führt. Russland weist dies zurück.
(APA/dpa)