48 statt 32 Teams – Gianni Infantino lässt mit seinen Ideen für die Fußball-WM vor allem die Fifa-Kassen klingeln.
Fußball bietet Unterhaltung nicht nur mit dem Ball und Kunststücken, auch das soziale Verhalten mancher Akteure sorgt für Entertainment. Freilich, dumme Macho-Sprüche haben längst ausgedient, sie gehören allerdings im Ernstfall entsprechend sanktioniert. Zwei Profis von Sparta Prag wünschten eine Schiedsrichterin zurück an den Herd, ihr Verein kommandierte die Spieler daraufhin als Sanktion in die Frauenmannschaft ab. Sie müssen mit den Ladys trainieren, ob sie verbale Fouls kassieren, ist leider nicht überliefert.
Es ist aber nicht immer zwangsläufig ein Spieler, der mit fehlplatzierten Aussagen oder dreisten Vorstellungen für Aufsehen sorgt. Immer öfter sind es Funktionäre, die in dieses Rampenlicht drängen. Und für diese skurrile Form der Darbietung gibt es weiterhin keinen besseren Schaustellerverein als den Weltverband Fifa. Sepp Blatter ist längst Geschichte, sein zweifelhafter Humor wird allerdings nicht vermisst, denn Nachfolger Gianni Infantino versteht es blendend, die Fußballwelt mit luxuriösen Privatjetreisen, absurden Gehaltsvorstellungen und neuerdings ausufernden WM-Plänen zu unterhalten.
Geht es nach dem Fifa-Chef, soll die WM ab 2026 von 48 Teams bestritten werden. Was 1930 mit 13 Mannschaften anhob und seit 1998 mit 32 Teilnehmern für Sport, Gesellschaft und Industrie gut funktioniert, soll nun ausgedient haben. Was auf den ersten Blick nach sportinflationärem Wahnsinn klingt, ist ein ernst gemeinter Vorstoß des Italo-Schweizers.
Mit dem Köder der Aufstockung von 32 auf 40 Teams hat Infantino die Wahl gewonnen, nun sollen 48 ein noch größeres Turnier mit mehr Spielen – 80 statt 64 –, folglich mehr Zuschauern, Merchandising und teureren TV-Verträgen der Fifa zu dem verhelfen, wonach sie und ihre Funktionäre seit jeher streben: zu noch mehr Reichtum und Wohlstand.
Anders ist diese Idee auch nicht zu deuten: 16 gesetzte Teams und 32 weitere dazu, die drei Tage vor Turnierstart in K.-o.-Duellen die endgültigen Turnierstarter ermitteln, versprechen nichts anderes als ein qualitativ, ausschließlich fürs TV- und Tourismus-Geschäft verwässertes Turnier. Als Österreicher kann man Infantinos Vorschlag dennoch nur gutheißen, er würde die WM-Teilnahme erleichtern – selbst wenn es nur für ein Spiel ist. Zudem wird der Fifa-Chef genügend Zustimmung unter den Seinen finden, wenn er am 14. Oktober im Council den Vorschlag machen wird – wer will denn nicht dabei sein, bei der WM spielen, am Geldkuchen naschen?
Die endgültige Entscheidung soll erst 2017 fallen, in Wahrheit steht sie aber längst fest. Fußball bietet Unterhaltung, mit Toren, Kunststücken, dummen Sprüchen – und Millionen für seine Funktionäre, die ungeachtet aller sportlichen Verluste weiterhin mit dem Kulturgut des WM-Pokals regen Handel betreiben.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2016)