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Zwischen Kümmern und Selbermachen

Das Urbanize!-Festival will Macher und Denker, Bürger und Behörden in der Stadt vernetzen.

Die Stadt der Vielen": Ein vielschichtiger Titel wurde da gewählt für das Urbanize!-Festival, das kommende Woche in Wien zum siebenten Mal abgehalten wird. Keine Fachtagung, keine Konferenz, sondern ein wirkliches Festival wollen die Veranstalter (gleichzeitig auch Herausgeber der Stadtforschungszeitschrift "Dérive") bieten; einen niederschwelligen Zugang also zu einem Thema, das in der Theorie nicht nur hochphilosophisch, sondern auch hochpolitisch gesehen wird, und in der Praxis ganz einfach gemacht und gelebt: urbane Selbstorganisation, Stadtentwicklung mit zivilem Anspruch.
Die "Stadt der Vielen" darf dabei genauso einfach verstanden werden. "Es ist wichtig, möglichst viele Beteiligte bei städtischen Entwicklungen dabeizuhaben", sagt Elke Rauth, "Dérive"-Herausgeberin und Urbanize!-Organisatorin. Sie glaubt, dass das Interesse an dem Themenkomplex der Stadtgestaltung nicht nur der Urbanisierung an sich geschuldet sei, sondern auch einer gewissen Notwendigkeit: "Die Menschen in Städten merken, dass sie sich immer mehr einmischen müssen, weil sie sonst keinen Fuß mehr in die Tür bekommen mit ihren Anliegen. Die Immobilienbranche etwa bewegt sich immer weiter weg vom Grundbedürfnis des Wohnens hin zu einem reinen Marktdenken." Außerdem: In einer globalisierten Welt, in der die Mitentscheidungsmöglichkeiten von Tag zu Tag weniger würden, könne man im Kleinen wie in der eigenen Nachbarschaft nach wie vor mitgestalten. Für Rauth ist das ein Trend "aus einer natürlichen Reaktion".

Hamburger Tradition. Zum ersten Mal hat man sich dazu entschieden, die Veranstaltung in zwei Städten über die Bühne gehen zu lassen. Den Anfang machte Hamburg; dort wurde zehn Tage lang Programm gemacht, mit Vorträgen, Diskussionsrunden, Stadtrundgängen, Filmvorführungen. Nächste Woche ist die Festival-Heimatstadt Wien dran. Die beiden Städte ähneln sich in puncto Größe die Zugänge zur Beteiligung an der Stadt seien aber völlig anders: "Wien ist sehr gut verwaltet, eine Stadt, die sich kümmert. In Hamburg gab es hingegen schon immer einen Unternehmergeist, Bürger mit starken Ideen. Die zivile Selbstorganisation hat dort eine lange Tradition." Aus beiden Zugängen, findet Rauth, könne und solle man lernen, vor allem, "sich zu trauen, Verantwortung zu übernehmen".
Der niederschwellige Zugang des Festivals hat in den letzten Jahren für eine breite Vernetzung gesorgt. "Menschen, die aktiv sind, treffen auf Vertreter von Behörden. Die Akteure sind sonst oft auf unterschiedlichen Ebenen unterwegs."

TIPP

Das Urbanize!-Festival findet von 12. bis 16. Oktober in Wien statt. Veranstaltungsorte sind u.a. das Etablissement Gschwandner und das Mo. . Geboten werden Performances, Workshops, Vorträge... www.urbanize.at