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„Im Zentrum“, im Schussfeld

Buergerforum
Claudia Reiterer: ab 2017 bei „Im Zentrum“.(c) ORF
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Claudia Reiterer wechselt 2017 als Moderatorin von „Heute konkret“ zur Sonntags-Diskussionsrunde „Im Zentrum“. Die FPÖ schießt sich schon gegen sie ein.

Nun ist es offiziell: Ingrid Thurnher gibt die stellvertretende Sendungsverantwortung und die Moderation von „Im Zentrum“ ab und wird mit Jänner 2017 Chefredakteurin von ORF III. Der bisherige Chefredakteur, Christoph Takacs, wird Direktor des ORF-Landesstudios in Salzburg. Den Sonntags-Talk leitet künftig Claudia Reiterer. Falls ORF-General Alexander Wrabetz damit spekuliert haben sollte, dass damit Ruhe einkehrt, ist ihm das mit dieser Entscheidung jedenfalls nicht gelungen: Nach Thurnher steht nun Reiterer massiv unter Beschuss durch die FPÖ. Der Grund: Reiterer ist mit dem Kampagnenmanager von Bundespräsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen verheiratet.

Weshalb FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl ein politisches Gegengeschäft vermutet. Er sei fassungslos über diese Personalentscheidung: „Wer den ORF nur ein wenig kennt, der weiß, dass es sich dabei ganz offensichtlich um die personelle Abgeltung der grünen Zustimmung zur Verlängerung der Rotfunk-Ära Wrabetz im ORF handelt“, erklärt Kickl laut fpoe.at.

Die Sendungen rund um die verschobene Bundespräsidenten-Wahl werden jedenfalls noch von Thurnher geleitet. Sie wurde wegen der Befragung von FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer zu Einzelheiten einer Israel-Reise von der FPÖ attackiert: Hofer hatte behauptet, Zeuge eines Terroranschlags gewesen zu sein – Thurnher konfrontierte ihn mit Aussagen, dass das nicht stimme. Später stellte sich heraus, dass es an jenem Tag tatsächlich einen Vorfall am Tempelberg gegeben hatte. Die FPÖ war empört, behauptete, Thurnher habe versucht, Hofer „lächerlich zu machen“ – und reichte Beschwerde bei der KommAustria ein. Thurnher wurde in sozialen Medien von FPÖ-Sympathisanten angefeindet.

Der Schritt in Richtung ORF III führt Thurnher aus diesem Schussfeld. Die erfahrene Redakteurin, Reporterin und Moderatorin, die u. a. beim Landesstudio NÖ und als Moderatorin der „ZiB 2“ tätig war, soll das Informationsangebot von ORF III ausbauen. Sie freue sich auf „eine neue, spannende Aufgabe“, erklärte Thurnher am Freitag in einer Aussendung. Sie wird beim ORF-Spartensender neue Diskussionsformate (z. B. im „ORF III Themenmontag“) und Talksendungen einführen. Die Kollegen dort sind jedenfalls erfreut: Laut ORF-III-Chef Peter Schöber gibt es „breiteste Zustimmung“ für Turnher.

Auch Reiterer hat breite journalistische Erfahrung. Sie startete ihre Karriere beim Privatradio Antenne Steiermark. 1998 wechselte sie zum ORF Steiermark, 1999 in das Innenpolitik-Ressort der „ZiB“. Als Moderatorin führte sie durch die Sendungen „Betrifft“, „Pressestunde“, „Report“ und „Hohes Haus“, seit April 2007 ist sie Hauptmoderatorin von „Heute konkret“. 2009 wagte sich Reiterer für den ORF auf das Tanzparkett – und gewann an der Seite von Profitänzer Andy Kainz die 5. Staffel von „Dancing Stars“. 2010 präsentierte sie mit Alfons Haider den Opernball. Diskussionssendungen hält Reiterer für wichtig: „Aufgrund der starken Veränderung der Debattenkultur durch Social Media ist eine niveauvolle Diskussion und der Austausch von Argumenten, wo man einander zuhört, essenziell.“ Bis Ende des Jahres wird Reiterer noch „Heute konkret“ moderieren und den Österreichischen Klimaschutzpreis betreuen.

 

Doch kein Chief Digital Officer im ORF

Einer, der geeignet ist, die Wogen zwischen ORF und FPÖ wieder zu glätten, ist Thomas Prantner. Er gilt nicht nur als Verbindungsmann zu den Freiheitlichen, er ist auch der einzige Vertreter des sogenannten bürgerlichen Lagers in der neuen ORF-Geschäftsführung. Am Freitag wurde Prantner von ORF-General Alexander Wrabetz zum Stellvertretenden Direktor für Technik, Online und neue Medien wiederbestellt. Vorerst wird es also nichts mit der von Wrabetz in seinem Bewerbungskonzept vorgebrachten Idee, einen Chief Digital Officer einzuführen. Prantner wird allerdings 2017, wenn die neue ORF-Struktur wirksam wird, neue Aufgabenbereiche dazubekommen – unter anderem die App- und New-Media-Angebote, die derzeit noch bei der Kaufmännischen Direktion liegen. (i. w./APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2016)