US-Wahl 2016: Trump droht Clinton mit Gefängnis

(c) REUTERS (RICK WILKING)
  • Drucken

Der republikanische Kandidat gesteht in der zweiten Fernsehdebatte, jahrelang keine Einkommensteuer gezahlt zu haben und widerspricht seinem Vizekandidaten Pence in der Russlandfrage.

Sollte er die Präsidentenwahl am 8. November gewinnen, würde er einen Sonderermittler einsetzen, um seine Konkurrentin Hillary Clinton wegen ihres Umganges mit dienstlichen E-Mails während ihrer Zeit als Außenministerin ins Gefängnis zu bringen, sagte der republikanische Kandidat Donald Trump in der Nacht auf Dienstag während des zweiten Fernsehduells der beiden.

Als Clinton darauf antwortete, es sei "wirklich gut, dass jemand mit dem Temperament von Donald Trump nicht für das Rechtswesen in unserem Land zuständig ist", legte Trump nach: "Denn dann wärst du im Gefängnis."

Trump bringt Clinton-Anklägerinnen mit

Die mit großer Spannung erwartete Frage, wie sich Trump aus dem Skandal um Aufnahmen aus dem Jahr 2005 herausreden würde, auf denen man ihn über sexuelle Übergriffe gegen verheiratete Frauen prahlen hört, wurde auf konventionell politische Weise gelöst: Trump lenkte ab. "Niemand hat mehr Respekt vor Frauen als ich. Das war Gerede aus dem Umkleideraum. Ich bin nicht stolz darauf. Aber wenn Sie Bill Clinton anschauen: viel schlimmer. Es gibt in der politischen Geschichte dieser Nation niemanden, der so missbräuchlich mit Frauen umgegangen ist."

Schon vor Beginn der Fernsehdebatte hatte Trump versucht, mit den außerehelichen Affären des und Missbrauchsvorwürfen gegen den Altpräsidenten und Ehemann von Hillary Clinton von seiner akuten Bredouille abzulenken. Er hatte die Clinton-Anklägerinnen Juanita Broaddrick, Paula Jones und Kathleen Willey zu einer Pressekonferenz eingeladen, während der Debatte saßen sie neben seinen Familienmitgliedern. Broaddricks Reisekosten wurden, wie sie selber sagte, von der extrem rechten Nachrichtenplattform "Breitbart News" bezahlt, deren vormaliger Chef, Steven Bannon, seit einigen Wochen Trumps Kampagnenleiter ist.

Jahrelang keine Einkommensteuer gezahlt

Trump bestätigte in weiterer Folge einen Bericht der "New York Times" von voriger Woche, gegen den sein Anwalt ursprünglich eine Klage angekündigt hatte. Auf die Frage des Moderators Anderson Cooper, ob Trump einen Verlust von 916 Millionen Dollar aus dem Jahr 1995 gegen Gewinne in anderen Jahren verrechnet und somit dafür genutzt habe, jahrelang keine Bundeseinkommensteuer zu zahlen, antwortete Trump: "Natürlich tue ich das. Und so tun das alle ihre Spender. Ich kenne viele ihrer Spender. Ihre Spender nutzen massive Steuerabschreibungen. Ich verstehe das Steuerrecht besser als jeder, der jemals für die Präsidentschaft kandidiert hat."

Trump versuchte dann, dieses Steuerthema gegen Clinton zu nutzen und fragte sie, wieso sie in ihrer Zeit als Senatorin nicht gegen ein Einkommenssteuerprivileg namens Carried Interest vorgegangen sei, das vor allem von Finanzmanagern genutzt wird. Ihre Replik: "Weil ich Senatorin unter einem republikanischen Präsidenten war".

"Ich kenne Russland nicht"

Als der Krieg in Syrien und die Rolle Russlands in der Stützung des Assad-Regimes zur Sprache kam, stellte sich Trump auf dessen Seite: "Ich mag Assad überhaupt nicht, aber Assad tötet ISIS, Russland tötet ISIS, und Iran tötet ISIS." Während Clinton zur Beendigung der humanitären Krise in der syrischen Stadt Aleppo eine Flugverbotszone, stärkere Unterstütung der Anti-Assad-Kräfte und erhöhten diplomatischen Druck auf Moskau nannte, erklärte Trump, Aleppo sei bereits gefallen, was angesichts der andauernden Kampfhandlungen als falsch bezeichnet werden muss.

Auf die Frage, wie er die russischen, laut US-Regierungskreisen vom Kreml gesteuerten Hackangriffe auf amerikanische Datensysteme bewertet, antwortete Trump: "Vielleicht gibt es kein Hacking. Aber die beschuldigen ständig Russland. Und der Grund dafür ist, weil sie glauben, mich mit Russland anschwärzen zu können. Ich kenne Russland nicht - ich kenne Russland, aber ich kenne nicht die inneren Abläufe. Ich betreibe dort keine Geschäfte. Ich habe keine Darlehen aus Russland."

Als die Moderatorin Martha Raddatz darauf hinwies, dass sein Vizekandidat Mike Pence am Dienstag erst erklärt hatte, Russlands Provokationen müssten mit amerikanischer Stärke beantwortet werden und russische Bombardements in Syrien amerikanische Angriffe auf Assads Truppen nach sich ziehen, distanzierte sich Trump von seinem Adjutanten: "Ok. Er und ich haben darüber nicht gesprochen, und ich widerspreche ihm."

"Enormen Hass im Herzen"

Trump, der in Summe länger sprach als Clinton, sich aber dennoch mehrfach bei den Moderatoren beschwerte, nicht zu Wort zu kommen, nannte seine Gegnerin "den Teufel", mit dem ihr parteiinterner Vorwahlgegner Bernie Sanders einen Pakt eingegangen sein und unterstellte ihr, "enormen Hass im Herzen" gegen seine Anhänger zu hegen.

Auf die letzte Frage eines Mannes aus dem Publikum, was die Kandidaten jeweils am anderen respektieren, sagte Clinton: "Seine Kinder. Sie sind unglaublich fähig und voller Hingabe, und ich denke, das sagt eine Menge über Donald. Ich stimme zwar in fast nichts mit dem überein, was er sagt oder tut, aber das respektiere ich." Trumps Antwort: "Sie gibt nicht auf. Sie ist eine Kämpferin. Und das betrachte ich als sehr gute Eigenschaft."

Die besten Zitate der TV-Debatte

Hillary Clinton

"Seine Kinder sind unglaublich fähig und ergeben und das sagt eine Menge über Donald." (Clinton auf die Frage, was sie an ihrem Rivalen Donald Trump schätze)

"Alles was er gerade gesagt hat, ist absolut falsch. Ich bin nicht überrascht." (Clintons Antwort auf eine Stellungnahme Trumps)

"Jedem, der (das Video) gehört hat, ist klar, dass das genau ausmacht, wer er ist." (Clinton über das Trump-Video von 2005)

"Ich denke, dass diese Wahl in Teilen so konfliktorientiert und intensiv wurde, weil so viel auf dem Spiel steht. Das ist keine gewöhnliche Wahl. (...) Es ist eine der folgenreichsten Wahlen, die wir je hatten." (Clinton über die bevorstehende Wahl)

Donald Trump

"Sie macht nicht Schluss, sie gibt nicht auf, sie ist eine Kämpferin." (Trump über positive Eigenschaften seiner Konkurrentin Clinton)

"Niemand respektiert Frauen mehr als ich." (Trump auf Vorwürfe, frauenfeindlich zu sein)

"Das wird das größte Trojanische Pferd aller Zeiten sein." (Trump über Clintons Pläne, mehr Flüchtlinge ins Land zu holen)

"Weil du dann im Gefängnis wärst." (Trump über die Aussage seiner Konkurrentin Clinton, es sei gut, dass er nicht für Gesetze zuständig sei)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

US-VOTE
US-Wahl

Wo die US-Wahl entschieden wird

Hält Clinton Florida und gewinnt sie North Carolina, wird die Wahlnacht nicht sehr lang dauern. Doch ihr Schutzwall gegen Trump bröckelt.
Der schmutzigste US-Präsidentschaftswahlkampf der jüngeren Geschichte geht am Dienstag zu Ende.
US-Wahl

Fünf Szenarien für den Tag nach der US-Wahl

Sollten die Republikaner ihre Macht im Kongress ausspielen und das Rennen Hillary Clinton gegen Donald Trump knapp ausgehen, droht eine Verfassungskrise.
Die E-Mail-Affäre hatte sie den ganzen Wahlkampf über verfolgt.
US-Wahl

FBI entlastet Clinton in E-Mail-Affäre

Die demokratische Präsidentschaftskandidatin kann aufatmen: Das FBI stellt die Ermittlungen gegen sie ein. Sie werde von einem manipulierten System geschützt, kritisiert Rivale Trump.
FILES-US-VOTE-PSYCHOLOGY-ELECTION
US-Wahl

Was die USA so tief spaltet

Ob Clinton oder Trump: Der Sieger der Wahl am Dienstag wird ein schweres Amt antreten. Ein zerstrittenes Volk, das sich nicht einmal auf Fakten einigen kann, traut keinem zu, das Land zu einen.
Leitartikel

Donald Trumps perfides Spiel mit der Demokratie

Mission impossible: Schlechte Vorzeichen für den 45. US-Präsidenten. Der Wahlkampf hat die Polarisierung weiter vorangetrieben. Die Welt bangt mit.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.