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Experte: Samsung soll Galaxy Note 7 vom Markt nehmen

A customer tries out a Samsung Electronics' Galaxy Note 7 at the company's headquarters in Seoul
REUTERS
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Die Marke Samsung könnte einem Experten zufolge durch die andauernden Probleme mit dem Galaxy Note 7 einen noch nie dagewesenen Schaden nehmen.

Im August präsentierte Samsung das neueste Phablet-Modell Galaxy Note 7. Die ersten Testberichte waren vielversprechend. Auch "Die Presse" stellte sehr gute Noten für das Gerät aus. Seit September steckt das Unternehmen mit dem neuen Vorzeigemodell in einer brenzligen Krise. Die Akkus entzünden sich selbst und auch bei den bereits ausgetauschten, vermeintlich sicheren Neugeräten kam es zu Zwischenfällen. Mittlerweile raten Experten dazu, das Gerät gänzlich vom Markt zu nehmen. "Sonst kann die Marke einen Schaden nehmen, wie es ihn in der Geschichte von Hightech-Firmen noch nicht gegeben hat", sagte der Marketing-Experte Eric Schiffer.

Samsung kündigte lediglich an, die Auslieferungen "anzupassen". Indes haben Mobilfunkanbieter in den USA und auch in Deutschland bereits angekündigt, das Galaxy Note 7 vorerst nicht weiter zu verkaufen.

2,5 Millionen Rückrufe

Eigentlich sah sich Samsung mit dem Note 7 auf gutem Wege, Apple auszustechen. Während bei dem US-Konzern zuletzt der iPhone-Absatz sank und die Gewinne wegbrachen, klingelten bei den Asiaten die Kassen. Am 2. September aber, nur zwei Wochen nach dem Verkaufsstart des neuen Geräts, rief Samsung alle 2,5 Millionen bis dahin schon ausgelieferten Note 7 zurück. Zuvor waren im Internet Bilder von verschmorten Handys zu sehen gewesen, Medien hatten von "Explosionsgefahr" bei den Geräten berichtet. Ursache waren offenbar die Akkus. Samsung versprach, Kunden die Geräte durch fehlerfreie neue zu ersetzen.

Vor wenigen Tagen musste dann aber in den USA ein startbereites Flugzeug wegen eines qualmenden Note 7 geräumt werden, das den Besitzern zufolge bereits von Samsung ausgetauscht worden war. Der Konzern hatte daraufhin eine Untersuchung angekündigt.

Glimpflich ausgegangene Zwischenfälle

Zwei US-Verbraucher berichteten, ihre Schlafräume hätten sich in der Nacht mit chemisch riechendem Rauch aus den Geräten gefüllt. Was wäre passiert, wenn sie nicht rechtzeitig aufgewacht wären? Und ein 13-jähriges Mädchen kam mit Verbrennungen an einem Daumen davon, als ein Note 7 in ihren Händen plötzlich sehr heiß wurde. Sie war gerade in einer Volksschule, wo sie ihre Geschwister abholen wollte. Sie warf das Telefon auf den Boden und ein Schulmitarbeiter trat es aus dem Gebäude. "Ich bin froh, dass es in meiner Hand war und nicht in der Tasche", sagte das Mädchen dem Sender KSTP. Alle Geräte weisen auf Bildern ähnliche Brandschäden aus.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, die Aussetzung der Produktion sei in Absprache mit den Behörden in China und den USA erfolgt. Zuvor hatten Airlines, Behörden und Flughafenbetreiber bekräftigt, dass Besitzer des Note 7 ihre Geräte an Bord nicht in Betrieb nehmen und auch nicht aufladen dürfen. Die Telekom-Konzerne AT&T und T-Mobile US erklärten, sie würden keine Geräte im Tausch mehr herausgeben. T-Mobile stoppte zudem den Verkauf.

Apple als strahlender Gewinner

Apple dürfte sich angesichts der Entwicklung die Hände reiben. Der Smartphone-Vorreiter hatte Anfang September selbst seine neuen Geräte vorgestellt, die ebenso wie das Note 7 mit Preisen von rund 800 Euro im Luxus-Segment angeordnet sind. Mitte September hatte der US-Konzern dann von einer regen Nachfrage nach den neuen Geräten gesprochen. Für Apple käme ein Verkaufserfolg zur rechten Zeit, nachdem die Umsätze in den vergangenen beiden Quartalen geschrumpft waren.

Samsung ist dem Branchendienst IDC zufolge Smartphone-Marktführer vor Apple: Den Daten zufolge wurden weltweit im zweiten Quartal knapp 345 Millionen Geräte abgesetzt, davon entfielen 22,8 Prozent auf die Südkoreaner und 11,7 Prozent auf die Amerikaner. Auf Rang drei liegt Huawei aus China mit 9,3 Prozent.

Note 7 soll in die "Hall of Shame"

Mehrere Experten forderten indes einen harten Schnitt: "Samsung sollte den Verkauf der Geräte aussetzen und die Sicherheit seiner Kunden vor den Profit stellen", sagte Eric Schiffer, Fachmann für Firmenstrategien bei Reputation Management Consultants. Der Konzern solle das Gerät lieber in die "Hall of Shame" der größten Technologie-Flops einreihen. "Die sauberste Sache wäre, das Note 7 aufzugeben", sagte auch Park Jung-hoon, Fondsmanager bei HBC Asset Management. "Es macht wirklich Sorgen, dass die Leute nun wiederholt an den grundlegenden Fähigkeiten von Samsung zweifeln. Deshalb ist es wichtig, dass der Konzern die Sache schnellstmöglich klärt."

Die Aktien von Samsung verloren am Montag 1,5 Prozent an Wert. Trotz des Note-7-Desasters liegen die Papiere aber noch immer nahe ihres Jahreshochs. Das liegt auch daran, dass der Konzern - im Gegensatz zu Apple - nicht so stark vom Smartphone-Geschäft abhängig ist: So mischt Samsung auch bei Fernsehern, Hausgeräten, Halbleitern und Bildschirmen kräftig mit.

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(APA/Reuters/DPA/Red.)