Die BKS stand lang im Schatten der Hypo, verfügt jedoch über ein stabiles Wachstum. Dieses komme aber nicht aus Kärnten, so BKS-Chefin Herta Stockbauer.
Wien. „Man hat uns während der Boomjahre bei der Hypo oft vorgeworfen, dass wir zu langweilig und zu behäbig wären“, sagt Herta Stockbauer, Vorstandsvorsitzende der in Klagenfurt beheimateten Bank für Kärnten und Steiermark (BKS). „Das war aber eine bewusste Strategie von uns.“ Denn gerade als regional verwurzeltes Unternehmen brauche man auch die Managementkapazität, um eine Expansion zu stemmen. Für die BKS sei es daher der „goldrichtige Weg“ gewesen, lieber öfter ein bisschen zuzuwarten, bevor man etwa ins Ausland ging. „Dadurch haben wir in Kroatien nur ein einziges Jahr gehabt, in dem wir keinen Gewinn erzielt haben. Trotz sechsjähriger Rezession“, so Stockbauer.
Dass die Geschäfte bei der bekannten Kärntner Konkurrenzbank nicht ganz so gut gelaufen sind, habe man auch bei der BKS zu spüren bekommen. „Bei der internationalen Geschäftstätigkeit hilft es nicht wirklich, in Klagenfurt seinen Hauptsitz zu haben.“ Vor allem rund um die Verhängung des Rückzahlungsmoratoriums für die Hypo-Bad-Bank Heta im März des Vorjahres hätten viele der deutschen Geschäftspartner Fragen gestellt. „Sie wollten etwa wissen, wie hoch unser Exposure bei der Hypo ist“, so Stockbauer. Grundsätzlich habe man durch das Hypo-Debakel als Bank in Kärnten „imagemäßig“ jedoch „massiv profitieren“ können.
„Zu viel Verwaltung“
Auf das operative Geschäft habe sich das allerdings nur gering ausgewirkt. Das hänge jedoch auch damit zusammen, dass Kärnten durch die Causa Hypo in den vergangenen Jahren regelrecht gelähmt gewesen sei. Mit der Annahme des Rückkaufangebots für die Heta-Anleihen (siehe Seite 15) soll das nun aber vorbei sein, hofft Stockbauer. Nun müssten endlich notwendige Strukturreformen angegangen werden. „Die öffentliche Verwaltung ist beispielsweise viel zu groß.“ Angesichts der konstant sinkenden Einwohnerzahl gebe es etwa zu viele Bezirkshauptmannschaften.
Kärnten habe ein grundsätzliches Problem fehlender wirtschaftlicher Dynamik. „Seit Mitte des Jahres spüren wir wieder eine Zunahme bei der Kreditnachfrage“, so Stockbauer. In Österreich komme dieses Plus von rund drei bis vier Prozent jedoch nur aus Wien und der Steiermark (in den anderen Bundesländern ist die BKS nicht aktiv). In Kärnten gebe es Stagnation.
„Es gibt ein wirtschaftspolitisches Mikroklima“, so Stockbauer. Und da sei bereits eine deutliche Veränderung zu spüren, wenn man von Kärnten über die Pack in die Steiermark fahre. Dass Veränderungen nicht leicht seien, ist Stockbauer klar. „Wir kriegen als Unternehmer auch keinen Applaus, wenn wir Firmenteile zusammenlegen und Kosten einsparen.“
80 Prozent Firmenkunden
Der Grund für das grundsätzlich wieder vorhandene Kreditwachstum sei, dass in der Industrie viele Projekte über mehrere Jahre verschoben wurden. „Es gibt einen Investitionsrückstau.“ Die BKS betreut mit einer Bilanzsumme von 7,1 Mrd. Euro zu 80 Prozent Firmenkunden und ist in diesem Segment nach eigenen Angaben auch der größte Kreditgeber in Österreichs südlichstem Bundesland.
Damit die wieder steigende Kreditnachfrage auch bedient werden kann, läuft bei der börsenotierten BKS bis 18. Oktober eine Kapitalerhöhung. Durch die Ausgabe von 3,6 Mio. neuer Aktien sollen 57Mio. Euro an zusätzlichem Kapital aufgenommen werden. „Dadurch soll unsere harte Kernkapitalquote, die per Ende des ersten Halbjahres bei 11,1 Prozent gelegen ist, auf zwölf Prozent steigen“, sagt Stockbauer.
Auch außerhalb von Österreich will die BKS wachsen. Allerdings will man sich dabei vorerst auf Slowenien, Kroatien und die Slowakei konzentrieren, wo man bereits seit einigen Jahren aktiv ist. „Wir wollen dort unsere Marktanteile erhöhen.“ Zusätzliche Länder würden daher zurzeit nicht auf der Agenda stehen. Bisher erzielt die BKS rund ein Siebentel ihres Geschäfts außerhalb der heimischen Grenzen.
Kooperation dreier Banken
In Österreich arbeitet das Institut indes seit 1990 mit der oberösterreichischen Oberbank und der in Innsbruck beheimateten Bank für Tirol und Vorarlberg in der sogenannten Dreibankengruppe zusammen. Die Banken sind dabei eigentumsrechtlich miteinander verschränkt und teilen sich beispielsweise die IT und zusammen mit der Generali eine Kapitalanlagegesellschaft. Auf dem Markt trete man jedoch als Konkurrenten auf, so Stockbauer.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2016)