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Holzer: "Dopingausmaß hat mich überrascht"

(c) APA (Georg Hochmuth)
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SOKO-Doping-Chef Andreas Holzer gesteht, dass er selbst von den Dimensionen des Dopings im Spitzensport überrascht ist. Doping im Breitensport sei lebensgefährlich.

Die Dopingermittlungen rund um Stefan Matschiner, den früheren Manager des wegen Dopings gesperrten Exradprofis Bernhard Kohl, und Ex-ÖSV-Trainer Walter Mayer sind so gut wie abgeschlossen. Mayers Auftreten bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin führte zur Dopingrazzia bei den heimischen Biathleten und Langläufern. Als Mayer im Zug der Affäre zwei hochrangige IOC-Funktionäre klagte, gefährdete er damit auch die Kandidatur Salzburgs für die Spiele 2014. Er zog seine Klage zurück und erhielt zur selben Zeit 290.000 Euro für die Rechte an einem Buch – das bis heute nicht geschrieben wurde. Als er im Frühjahr sein Schweigen brach, wurde er Tage später verhaftet ...

Die Presse: Der frühere Langlauftrainer und Verdächtigte in der Doping-Causa, Walter Mayer, hegt den Verdacht, dass die Ermittlungen der SOKO Doping gegen ihn auf Betreiben des Verteidigungsministeriums erfolgt sind. Hat es vor seiner Festnahme vonseiten des Verteidigungsministeriums irgend eine Art der Intervention gegeben?

Andreas Holzer: Nein. Es gab keine Interventionen. Es gab eine Verdachtslage, die sich auf die Ermittlungsergebnisse der SOKO stützte. In der Folge wurde durch die Staatsanwaltschaft Wien bei Gericht um eine Festnahmeanordnung ersucht. Die Chronologie hat sich zufällig ergeben und hatte mit Interviews oder dergleichen, die Mayer gegeben hat, nichts zu tun.

 

Was war der Grund für seine Festnahme?

Holzer: Verdacht von strafbaren Handlungen nach dem Antidopingbundesgesetz und dem Arzneimittelgesetz. Das heißt, Weitergabe von Substanzen und Präparaten, die der Verbotsliste unterliegen.

 

Hat sich dieser Verdacht bestätigt?

Holzer: Die Ermittlungsergebnisse haben die anfängliche Verdachtslage bestätigt und werden in unseren Abschlussbericht einfließen. Ob es hier zu einer Anklage kommt, hängt von der Staatsanwaltschaft ab, der ich aber nicht vorgreifen kann und will.


War Walter Mayer während der Zeit der U-Haft kooperativ?

Holzer: Wir haben sehr lange mit ihm über allgemeine Dinge im Zusammenhang mit dem Spitzensport gesprochen. Mayer ist hier sicherlich ein Experte. Bei Fragen, die seine Person betreffen, war er aber sehr verschlossen.

 

Das heißt, es gibt kein Geständnis?

Holzer: Nein, es gibt derzeit nur Aussagen von Zeugen und Beschuldigten und dazugehörige Ermittlungsergebnisse.

 

Wie liegen die Dinge bei Kohl-Manager Stefan Matschiner?

Holzer: Der Abschlussbericht betreffend Matschiner wurde bereits der Staatsanwaltschaft übermittelt. Inhaltlich kann ich keinen Kommentar abgeben. Ich möchte aber auch darauf hinweisen, dass die SOKO Doping sehr viel Arbeit und Ressourcen in die Ermittlungen im Breitensport investiert hat. Es gab bisher 500 Einvernahmen, insgesamt wurden 15 Personen festgenommen. Da waren sehr komplexe Fälle dabei. Erschreckend ist die Qualität von manchen gehandelten Präparaten und die dadurch entstehende Gesundheitsgefahr.

 

Wie erklären Sie sich, dass Ermittlungsergebnisse immer wieder publik geworden sind?

Holzer: Jeder Beschuldigte hat nach der Strafprozessordnung das Recht auf Akteneinsicht, vor allem uneingeschränkt, wenn jemand in U-Haft gesessen ist. Und das ist gut so. Dass diese Aktenteile dann an wen auch immer verteilt werden, ist jedoch für unsere Ermittlungen nicht hilfreich.

 

Hätten Sie geglaubt, dass Doping im österreichischen Sport eine so große Rolle spielt?

Holzer: Im Breitensport ist der Schmuggel, die Verteilung der Präparate wie auch das dahinterstehende Netzwerk dem Drogenhandel ähnlich. Das ist nichts Neues. Die Dimension im Spitzensport hat mich zugegebenermaßen selbst überrascht, wobei ich mir aber sicher bin, dass Österreich kein Dopingparadies ist. Gedopt wird überall.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2009)