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Spanier Marquez sichert sich vorzeitig MotoGP-Titel

Marc Marquez
Marc MarquezAPA/AFP/TOSHIFUMI KITAMURA
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Nach einem Sieg beim Grand-Prix von Japan feiert der 23-jährige Marc Marquez vorzeitig seinen dritten WM-Titel in der Motorrad-Königsklasse.

Es war wohl gewissermaßen reine Vorsichtsmaßnahme gewesen, dass der goldene Helm und das Weltmeistershirt schon im Gepäck mit nach Japan gereist waren. Marc Márquez selbst hatte nicht an die vorzeitige WM-Entscheidung geglaubt, am Ende aber wurden alle Utensilien nach Rennende gebraucht: Der Spanier nutzte den ersten Matchball und sicherte sich mit dem Sieg im Grand Prix in Motegi vor Andrea Dovizioso (ITA) und Maverick Viñales (ESP) den dritten WM-Titel. Die vorzeitige Jubelfeier ermöglichten die Ausfälle seiner beiden Rivalen, sowohl Pole-Setter Valentino Rossi als auch der nun entthronte Weltmeister Jorge Lorenzo landeten im Kiesbett.

„Vor dem Rennen hatte ich nicht erwartet, schon hier Weltmeister zu werden. Erst bekam ich das Zeichen: Rossi out, dann auch noch Lorenzo out. Da ging es in meinem Kopf drunter und drüber. Ich habe in der Runde gleich vier oder fünf Fehler eingebaut“, sprudelte es aus Márquez, nachdem er mit seinem Team Freudentänze vollführt hatte.

Mit 79 Punkten Vorsprung auf Rossi ist Márquez vor den ausstehenden Rennen in Australien (23. Oktober), Malaysia (30. Oktober) und den Finale in Valencia (13. November) nicht mehr einzuholen. Den neuerlichen Triumph hat der 23-Jährige seiner Konstanz zu verdanken: Neben fünf Siegen und sechs Podestplätzen leistete er sich im Gegensatz zu Rossi (4) und Lorenzo (3) keinen Ausfall in dieser Saison.

Titel für die Großmutter

Die Krönung des Spaniers erfolgte noch dazu mit dem Premierensieg auf der hauseigenen Honda-Strecke, dem 55. seiner Karriere. „Es ist etwas Besonderes, hier zu gewinnen – vor den Augen des Chefs. Das ist natürlich auch wichtig“, sagte der 23-Jährige schmunzelnd. Den Titel widmete Márquez seiner verstorbenen Großmutter. „Sie hat immer gesagt: „Sei vorsichtig, aber denk immer daran, dass nichts unmöglich ist, also bleib am Ball.“ Sie wäre sehr glücklich über diesen Erfolg.“

Bei den geschlagenen Rivalen regierte die Enttäuschung. „Mein Start war nicht fantastisch, aber die Pace war gut“, erklärte Rossi, für den das Rennen bereits nach sechs Runden vorbei war. „Leider ist mir das Vorderrad weggerutscht. Ich habe ehrlich gesagt in dieser Kurve nichts gespürt, ich bin nicht zu weit von der Linie abgekommen, aber das Vorderrad klappte ein. Logischerweise habe ich einen Fehler gemacht.“ Der Rekordweltmeister muss damit weiter auf seinen achten Titel warten, zuletzt stand er 2009 ganz oben. Auch sein Yamaha-Kollege Lorenzo, der sich vier Runden vor Schluss verabschiedet hatte, gab sich selbstkritisch: „Ich pushte zu viel, als das Motorrad nicht gut mit den Reifen gearbeitet hat.“

Lehren aus dem Vorjahr

Für Márquez ist der WM-Titel auch Genugtuung und Bestätigung nach der verpatzten vorigen Saison. „Jedes Jahr ist wirklich hart, du gibst immer dein Maximum. Aber in diesem Jahr war der Druck, der auf mir lastete, speziell zu Beginn, wirklich sehr groß“, sagte der 23-Jährige, konnte dies aber ins Positive umsetzen. „Der Druck war zusätzliche Motivation, hat mir geholfen, konzentriert zu bleiben.“

Im Vorjahr, als alle bereits glaubten, der Spanier würde die Moto-GP über Jahre hinweg unaufhaltsam dominieren, setzte es zahlreiche Rückschläge, auch das Wunderkind war vor Stürzen nicht mehr gefeit und wurde am Ende nur Dritter. Das zehrte merklich am Nervenkostüm, es kam zum Zerwürfnis mit seinem bis dahin väterlichen Freund-Rivalen Rossi, erst im Lauf dieser Saison kam es zum versöhnlichen Handschlag. „Ich habe vergangenes Jahr einen hohen Preis gezahlt, um zu lernen, dass Konstanz sehr wichtig ist“, sagte der nur 59 Kilogramm schwere und 1,68 Meter große Fahrer.

In der Moto-2-Klasse gewann Thomas Lüthi aus der Schweiz, in der Gesamtwertung liegt Johann Zarco (FRA) vorn. Das Moto-3-Rennen gewann der Italiener Enea Bastianini, als Weltmeister steht bereits Brad Binder (RSA) fest.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2016)