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Nur 40 Prozent der Kunden vertrauen der eigenen Bank

Die Presse (Clemens Fabry)
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Das Vertrauen in die Banken schrumpft auch Jahre nach der Finanzkrise, zeigt eine EY-Studie. Nicht einmal jeder Zweite ist überzeugt davon, dass sein Geld sicher ist.

Neun Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise lässt das Vertrauen in Banken immer noch zu wünschen übrig. Nur 40 Prozent der Kunden weltweit vertrauen der eigenen Hausbank - vor einem Jahr waren es noch 44 Prozent. Das geht aus einer internationalen Umfrage des Beratungsunternehmens EY (Ernst & Young) unter 52.000 Bankkunden hervor. Nicht einmal jeder Zweite (48 Prozent) ist davon überzeugt, dass sein Geld beim eigenen Finanzinstitut sicher ist. Lediglich 43 Prozent vertrauen darauf, dass die Hausbank ihre persönlichen und finanziellen Daten schützt. Und nur noch 27 Prozent halten die Beratungsleistungen ihrer Bank für zuverlässig.

Bereits 41 Prozent der Befragten meinen, dass sie heutzutage dank alternativer Möglichkeiten weniger auf Banken angewiesen sind - fast jeder Vierte (24 Prozent) sieht seinen wichtigsten Finanzdienstleister mittlerweile in sogenannten "Non-Banks", gut jeder Zehnte (11 Prozent) in Direktbanken. Für 57 Prozent ist die klassische Filialbank immer noch der Ansprechpartner Nummer eins.

Abwanderungspotenzial ist hoch

Doch bereits fast die Hälfte der Bankkunden hat in den vergangenen zwölf Monaten online oder mobil Finanzprodukte von einem anderen Dienstleister als einer Bank genutzt. Das Abwanderungspotenzial sei hoch, betonen die Berater von EY. "Die klassischen Banken haben noch ein gewisses Vertrauen auf ihrer Seite, das sie so schnell wie möglich nutzen und ausbauen sollten", so EY-Experte Georg von Pföstl. Dazu müssten sie "neue und innovative Produkte anbieten". Andernfalls würden sie eine Abwanderungswelle hin zu Non-Banks und Direktbanken erleben.

"Fast ein Jahrzehnt nach Beginn der Finanzkrise hat es die Finanzbranche noch nicht geschafft, das Vertrauen der Kunden zurückzuerhalten - auch das Vertrauen in die eigenen Hausbank ist weltweit im Sinken", fasste von Pföstl zusammen. Derzeit seien Banken aber - trotz alternativer Anbieter - "immer noch die erste Wahl bei Finanzangelegenheiten".

"Digital ganz oben auf die Agenda schreiben"

"Klassische Filialbanken müssen 'digital' ganz oben auf ihre Agenda schreiben", betonte von Pföstl. Denn bei der Digitalisierung hätten alternative Anbieter laut Kunden derzeit die Nase vorne. Die Abwicklung von Bankgeschäften über Smartphone bzw. Computer sei einfach und spare Zeit. 71 Prozent der Befragten gaben an, dass es durch die Digitalisierung viel einfacher geworden ist, Finanzprodukte bei mehreren Dienstleistern zu verwalten. 41 Prozent nutzten Online-Banking im vergangenen Jahr häufiger, 33 Prozent erledigten ihre Bankgeschäfte öfter über mobile Endgeräte.

(APA)