Kreuze im Klassenzimmer: Alles bleibt, wie es ist

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Bildungsministerin Hammerschmid stellt es den Schulen doch nicht frei, über Kreuze selbst zu entscheiden. "Ohne Einvernehmen mit dem Heiligen Stuhl" wäre das auch gar nicht möglich.

Die Bildungsreform soll den Schulen mehr Autonomie bringen. Das wird nun aber doch nicht für die Frage gelten, ob die Schulen über Kreuze in Klassenzimmern selbst entscheiden. Im Bildungsministerium plant man nämlich doch keine Änderung der gesetzlichen Regelungen zur Anbringung von Kreuzen in Schulklassen. "Wir haben keine Pläne, etwas umzustellen", heißt es ohne nähere Erläuterung.

Das überrascht. Denn noch am Sonntag hatte Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) gesagt, die Schulen sollten diese Entscheidung selbst treffen: "Meine Haltung ist: Das sollen die Schulstandorte für sich definieren, wie sie das haben wollen. Ich stelle es frei."

Eine Aussage, die auch die ÖVP ernst nahm. "Das Kreuz gehört ins Klassenzimmer", betont Klubobmann Reinhold Lopatka heute, Donnerstag. "Wir dürfen uns nicht verunsichern lassen, weil es viele Menschen bei uns aus anderen Kulturkreisen gibt. Wir müssen zu unseren Werten stehen. Dazu gehört auch das Symbol des Kreuzes."

Nun also bleibt alles beim Alten. Und das bedeutet: Die Schulen, an denen die Mehrzahl der Schüler einem christlichen Religionsbekenntnis angehört, müssen in allen Klassenräumen Kreuze aufhängen. Für Pflichtschulen kann es je nach Bundesland eigene Regeln geben. So geben einige Länder, nämlich Salzburg, das Burgenland, Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg jedenfalls ein Kreuz vor. Auch wenn die Mehrheit der Schüler nicht christlich sind. Eine Regelung, die man durchaus ernst nimmt, heißt es vom Oberösterreichischen Landesschulrat. Man geht in jedem Fall davon aus, dass sich alle Schulen daran halten.

Änderung nicht ohne den Heiligen Stuhl

Auch das Konkordat nimmt übrigens Bezug auf die Frage der Kreuze im Klassenzimmer: Der Vatikan bestätigt die österreichische Schulkreuzregelung im Schulvertrag aus dem Jahr 1962 ausdrücklich, berichtet die Kathpress. Darüber hinaus werde in diesem völkerrechtlichen Vertrag mit der Republik Österreich festgehalten, dass "eine Änderung dieses Zustands nicht ohne Einvernehmen mit dem Heiligen Stuhl" stattfinden wird.

So einfach könnte Sonja Hammerschmid es also den Schulen offenbar nicht freistellen, ob sie ein Kreuz aufhängen oder nicht.

 

(rovi)