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Ein echter Platz der Helden

Der Heldenplatz in Wien wäre der richtige Ort, um die herausragenden Persönlichkeiten der Zweiten Republik zu ehren.

Auf dem Wiener Heldenplatz soll ein neues Soldatendenkmal errichtet werden. Dieser Plan von Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil festigt seine Position als forscher Kommandant des rechten Flügels der SPÖ und ist durchaus geeignet, ihn zum Helden der „Soldatna“ zu machen, wie sein Vorgänger immer so schön gesagt hat.

Es soll nach Ministerwunsch ein neues „Identifikationssymbol für alle Soldatinnen und Soldaten“ werden und an jene erinnern, die im Dienste an der Republik ihr Leben verloren haben. Besonders an die 52 Soldaten, die in den vergangenen 60 Jahren bei Friedenseinsätzen der UNO getötet wurden.

Allen Opfern sei eine Gedenkstätte gegönnt. Aber auf dem Heldenplatz gibt es bereits militärische Erinnerungsstätten für alle Gefallenen der beiden Weltkriege, die Opfer des Totalitarismus und seit 2002 auch das Denkmal der Exekutive für Polizisten und Gendarmen, die im Dienst ums Leben kamen.

Der imperiale Heldenplatz ist als Zeuge der Größe des gewesenen Österreich entstanden. Er ist bis heute historisch befrachtet und belastet und hatte im wechselvollen Lauf der Geschichte viele Identitäten: Er war beliebter politischer Versammlungsplatz, Platz für die monatliche Kommandoübergabe der Alliierten; er ist heute demokratischer Besinnungsort beim „Fest der Freude“ zur Erinnerung an das Ende der Nazi-Diktatur, Stätte der jährlichen Leistungsschau des Bundesheeres und der Angelobung von Rekruten am Nationalfeiertag.

 

Schlichte Tafeln genügen

Er ist aber auch Eventlocation, um Sporthelden zu feiern, für Freiluftkonzerte mit Fressbuden, Erntedankfeste, diverse Leistungsschauen und Veranstaltungen aller Art. Der Heldenplatz ist vieles, aber nichts wirklich Eindeutiges. Wie wäre es, diesen zentralen Platz des österreichischen Bewusstseins mit neuer Symbolik aufzuladen und ihn tatsächlich zum Heldenplatz zu machen – zum Platz der Helden der Zweiten Republik?

Hier ist der richtige Ort, einen neuen, zeitgemäßen Gedenkplatz für herausragende Persönlichkeiten des Landes – Helden der Republik Österreich eben – zu schaffen. Der „neue“ Heldenplatz ist der richtige Ort, Vorbilder aus Wissenschaft, Kunst, Kultur, Geistesleben, Wirtschaft und natürlich der Zivilgesellschaft zu ehren – Lebensretter, zivilcouragierte Personen, humanitär Engagierte, moralische Instanzen. Heimat bist Du großer Söhne und Töchter, sie haben sich ewige Würdigung verdient.

Das sollte freilich keines der üblichen Denkmäler sein, dessen ästhetische Form und komplizierte Symbolbefrachtung unweigerlich für Diskussionen mit flammender Zustimmung und vehementer Ablehnung sorgt. Es genügten schlichte Tafeln mit Namen, Lebensdaten und dem Grund der Aufnahme in den Kreis der Ausgezeichneten. Diese Tafeln sollten in den Boden eingelassen werden und so symbolisieren, dass diese Personen die Grundlage der Republik darstellen und wir auf ihren Schultern stehen.

Bleibt die Frage zu klären, wer die Gerechten der Zweiten Republik auszuwählen hat. Dafür sind alle Vorschläge für Kommissionen, Kuratorien, Komitees und Jurys willkommen. Nur ein weiteres parteipolitisch besetztes Gremium darf es nicht sein.

Franz Ferdinand Wolf (* 1947 in Wien) ist Journalist und war als unabhängiger Gemeinderat Kultursprecher der Wiener ÖVP.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2016)