Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Das Geldringelspiel der Clintons

US-VOTE-DEMOCRATS-CLINTON
(c) APA/AFP/JEWEL SAMAD
  • Drucken

Der einstige Präsidentenassistent Doug Band bündelte wohltätige Spendensammlung und privaten Gewinn – für sich und die Clintons.

Washington. Jeder US-Präsident hat einen Body Man: einen jungen, organisierten Assistenten, der seine Aktentasche und seine Anzüge schleppt, Notizen für ihn macht und generell darauf schaut, dass der Chef seinen minutiös getakteten täglichen Zeitplan einhält. Als Bill Clinton im Weißen Haus residierte, war Doug Band ab dem Jahr 1995 sein Body Man. Nach Ende seiner zweiten Amtszeit machte sich der heute 44-jährige Band weiterhin nützlich.

Er half dabei, dass reiche Privatpersonen und Großkonzerne eifrig an die Familienstiftung spendeten. Und er kümmerte sich darum, dass Clinton auch im politischen Ruhestand selbst vom Prestige seines früheren Amtes persönlich profitiert. „Wir haben uns der Aufgabe gewidmet, dem Präsidenten bei der Beschaffung und Abwicklung von profitablen Aktivitäten zu helfen – einschließlich Reden, Büchern und Beratungstätigkeiten“, schriebt Band am 18. November 2011 in einem zwölfseitigen Memo an Clintons Tochter Chelsea, die beiden engen Familienvertrauten und politischen Weggefährten Cheryl Mills und John Podesta.

Dieses Memo ist im Zug der auf WikiLeaks veröffentlichten Podesta-E-Mails zutage getreten, die nach Ansicht der US-Geheimdienste von russischen Hackern gestohlen worden waren. Es liefert den Schlüssel zum Verständnis der Geldmaschine, die nach Clintons Amtszeit rasch auf Hochtouren lief, ihn zu einem reichen Mann machte und seiner Frau Hillary, deren Kampagnenchef Podesta ist, knapp vor der Präsidentschaftswahl am 8. November in Erklärungsnotstand bringt. Weder Podestas E-Mails noch Bands Memo enthüllen rechtswidriges Handeln von Bill oder Hillary Clinton. Sie zeigen aber, wie die Grenzen zwischen privatem Gewinn und Gemeinnützigkeit verschwammen – und wie Band mit seiner Beratungsfirma Teneo von seiner Nähe zu den Clintons enorm profitierte. Rund 116 Millionen Dollar (102 Millionen Euro) an Einnahmen habe er bis 2011 für Bill Clinton lukriert, schreibt Band.

 

Chelsea Clinton schlug Alarm

Und obwohl er sich beklagt, dies nicht entgolten bekommen zu haben, liefen die Geschäfte auch für Band exzellent. Teneo hat heute knapp 600 Mitarbeiter in weltweit 14 Büros, ein Börsegang steht im Raum. Teneo war symbiotisch mit dem Clinton-Universum verbunden – so eng, dass Huma Abedin, Hillarys engste Vertraute, eine Sondererlaubnis erhielt, gleichzeitig für Teneo und im State Department zu arbeiten.

Doch 2011 schlug Chelsea Clinton Alarm. Sie beklagte, dass Teneo-Mitarbeiter im Namen ihres Vaters Geschäfte für die Firma zu machen versuchen. Sie engagierte externe Prüfer, die zu strengeren Richtlinien gegen Interessenkonflikte rieten. Band flippte daraufhin aus, nannte sie ein „verzogenes Gör“ – und brüllte Bill Clinton just an jenem Tag am Telefon an, als Hillarys Mutter starb.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2016)