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Von Kreißsaal, Bänderriss und „Hasi-Rolle“

Ralph Hasenhüttl.
Ralph Hasenhüttl.(c) Gepa

Karim Onisiwo rast vor Anpfiff ins Spital und kommt pünktlich zur Geburt des Sohnes, Marcel Sabitzer behandelt einen Bänderriss mit einem Tapeverband, und Ralph Hasenhüttl punktet mit scharfen Aussagen und Siegen.

Mainz/Leipzig. Plötzlich musste für Karim Onisiwo dann doch alles ganz schnell gehen. Der Mainz-Profi aus Wien erhielt unmittelbar vor dem Heimspiel gegen Ingolstadt (2:0) einen Anruf aus dem Kreißsaal, am Apparat seine hochschwangere Frau. Die Fruchtblase war geplatzt, der Wiener rief quer durch die Kabine: „Hey Coach, mein Kind kommt!“ Für Trainer Martin Schmidt war die Sachlage klar: „Hau ab, fahr ins Spital.“

Tatsächlich wurde der ehemalige Mattersburger noch während der Partie Vater, seine Kollegen erfuhren es vor Abpfiff. Der Sohn des 24-Jährigen heißt Leroy.
Auch andernorts begeistern Österreicher in der deutschen Bundesliga mit ihren Geschichten. So avancierte Marcel Sabitzer bei Leipzigs souveränem 2:0-Auswärtssieg gegen Darmstadt mit einem Doppelpack zum Matchwinner. Für einen Stürmer an sich nichts Ungewöhnliches, für das Toreschießen wird er bezahlt. Doch es war das erste Spiel des 22-Jährigen nach einem Bänderriss im Knöchel, die prognostizierte lange Pause blieb bloß eine Vorhersage, nach nur zehn Tagen Pause trainierte er schon wieder. Sabitzer sagt: „Ich klebte mir einfach Tapeverband drauf, passt schon.“

 

Warten auf den 21. Dezember

Und somit steht Fußball-Deutschland weiterhin vor der großen Frage: Wer stoppt RB Leipzig? Die Bayern verteidigten zwar die Tabellenführung mit dem 4:1 im Derby gegen Augsburg (David Alaba spielte durch), doch der Aufsteiger lässt nicht locker. Für den Steirer Ralph Hasenhüttl – er ist der Trainer des bislang erfolgreichsten Ligaaufsteigers in der DFL-Historie (neun Spiele, unbesiegt) – sind Siege und Lobeshymnen die größte Anerkennung. Alles läuft auf den großen Showdown gegen den Branchenprimus, drei Tage vor Weihnachten, hinaus. „Es interessiert momentan niemanden, was Mitte Dezember ist“, meinte der 58-Jährige jedoch trocken nach dem sechsten Sieg. Und Bayern-Jäger? „Wir schauen nur auf uns. Bayern ist eine andere Liga.“ Es war eine verbale „Hasi-Rolle“, früher feierte er Tore mit einem Überschlag, in der Gegenwart lässt er sich nur noch mit spitzen Aussagen aus der Reserve locken.

Der Rückstand des Tabellenzweiten auf Abonnementmeister Bayern München beträgt nach dem ersten Saisonviertel nur zwei Punkte. „Sie lassen nicht locker“, sagt Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge anerkennend und nennt auch den Grund für den ungebremsten Höhenflug. „Die Leipziger haben ein schönes Programm, immer Samstag, Samstag. Die können sich während der Woche ausruhen, während andere Pokal, Champions League oder sonst etwas spielen.“ (fin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2016)