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Der Feldzug der Obamas gegen Trump

U.S. Democratic presidential candidate Hillary Clinton and U.S. first lady Michelle Obama in Winston-Salem
(c) REUTERS (CARLOS BARRIA)
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Der Präsident und die First Lady werfen sich in beispielloser Manier für Hillary Clinton in die Bresche.

Zehn Wochen bleiben Barack Obama noch in seiner Amtszeit als Präsident, und längst ist er auf sein Vermächtnis bedacht. Wie kaum ein Amtsinhaber in der jüngeren Geschichte kämpft er dafür, dass Hillary Clinton, seine ehemalige Außenministerin und zuvor erbitterte Rivalin, als Nachfolgerin das Erbe im Weißen Haus fortführt. Beim Parteitag in Philadelphia pries er sie als bestqualifizierte Kandidatin, besser noch als er selbst und Bill Clinton. Im Gegenzug macht er, mal hämisch, mal eindringlich, kein Hehl daraus, dass er Donald Trump für absolut untauglich für den Job hält – sowohl moralisch als auch politisch.

Wie sehr Obama die Wahl unter die Haut geht, bewies er neulich, als er führende afroamerikanische Politiker und mithin ihre Stammklientel in einem emotionalen Appell einschwor. Sollte die Mobilisierung fehlschlagen und überdurchschnittlich viele schwarze Wähler den Urnen fernbleiben, fühle er sich persönlich beleidigt, sagte er in keineswegs gespielter Entrüstung.

Wenigstens werde er als Präsident in die Geschichte eingehen, höhnte Obama kürzlich in der Jimmy-Kimmel-Talkshow – in Anspielung auf Donald Trump. Als der Milliardär von einer Manipulation der Wahl raunte, erklärte ihn Obama a priori zu einem schlechten Verlierer. Der Populist hatte ihn mit der von den Tea-Party-Fundamentalisten verbreiteten Verschwörungstheorie, wonach er nicht in den USA geboren und ergo als Präsident illegitim sei, empfindlich getroffen. Schon vor Jahren gab er bei einer Einlage anlässlich des Korrespondentendinners in Washington Trump dem Gespött preis.

Bei seinen Auftritten warnt Barack Obama nun ein ums andere Mal vor einer Präsidentschaft Trumps, und er scheut dabei vor Pathos nicht zurück. „Das Schicksal der Republik ruht auf euren Schultern“, rief er 16.000 Zuhörern auf dem Sportareal der University of North Carolina in Chapel Hill zu. Er nahm dabei vor allem zwei Wählergruppen ins Visier, die sich noch nicht so recht für Hillary Clinton erwärmt haben: Afroamerikaner und die sogenannten Millenials, die Geburtsjahrgänge ab 1980, die im Vorwahlkampf in Scharen dem Clinton-Kontrahenten Bernie Sanders zugelaufen waren.

Obama erging sich in Untergangsszenarien: Die Welt stehe am Abgrund, die Demokratie auf dem Spiel, einer Präsidentin Clinton drohe womöglich ein Amtsenthebungsverfahren. So alarmistisch hat der Präsident bisher noch nie getönt, selbst nicht in Krisenzeiten.

Nach North Carolina stand gestern noch Florida auf dem Reiseplan des Präsidenten – der zweite eminent wichtige Swing State. Bis Dienstag werden Barack Obama oder Joe Biden, sein Vize, in Sachen Mobilmachung für Hillary Clinton auf Tour sein. Von Bill und Chelsea Clinton bis zu den linken Galionsfiguren Bernie Sanders und Elizabeth Warren werfen die Demokraten noch einmal alle Protagonisten der Partei in die Wahlschlacht.

 

Tänzelnd und effektvoll

Abgesehen vom Präsidenten selbst hat indessen die First Lady den größten Effekt erzielt und dabei auch das stärkste Echo hervorgerufen. Beim Parteikonvent der Demokraten im Juli in Pennsylvania, einem der entscheidenden Bundesstaaten, hielt die gelernte Anwältin Michelle Obama ein flammendes Plädoyer für Hillary Clinton – die womöglich beste Rede des Parteitags. Sie gab den Ton vor: „Wo sie im Schmutz wühlen, streben wir nach Höherem.“ Bei einer gemeinsamen Kundgebung in Winston-Salem in North Carolina brach sie neuerlich eine Lanze für „meine gute Freundin Hillary“. Wie auf einer Woge der Zustimmung getragen, vorbei an ausgestreckten Händen, schwebten die First Ladys, eine tänzelnde Michelle, durch die Halle. Das böse Blut aus dem Wahlkampf 2008 zwischen dem Obama- und dem Clinton-Clan war vergessen, Michelle Obama war zur effizientesten Wahlkampfwaffe der Clinton-Kampagne mutiert.

Kurz davor hatte sie nämlich einen denkwürdigen Auftritt in New Hampshire abgeliefert, der als der beste des gesamten Wahlkampfs gilt. Emotional aufgewühlt – „in meinem Innersten erschüttert“, wie sie formulierte – prangerte sie Donald Trump als Sexisten an. Das tat sie so überzeugend, dass vielfach der Ruf nach einer eigenen Kandidatur laut wurde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2016)