Meidlinger Hauptstraße: Viele Billigläden und noch ein wenig Tradition

Svjetlana Pranjic führt den Knopdkönig auf der Meidlinger Hauptstraße
Svjetlana Pranjic führt den Knopdkönig auf der Meidlinger Hauptstraße(c) Die Presse - Clemens Fabry
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Das Flair ist immer noch nett, das Angebot aber trashig geworden.

Wien. Beim Shoppen geht es hier leicht bergauf – oder bergab, je nachdem, in welche Richtung man die Einkaufsstraße entlangspaziert. Die meisten tun das im gemächlichen Tempo, eilig scheint es hier niemand zu haben.

Dass es auf der Meidlinger Hauptstraße entspannt zugeht, liegt auch daran, dass die Kunden fast einen Kilometer reine Fußgängerzone zur Verfügung haben, ohne Autos, ohne Begegnungszone, in der man, siehe Mariahilfer Straße, erst wieder auf Busse und andere Verkehrsteilnehmer achten müsste. Das klingt alles sehr nett, die gute öffentliche Anbindung (U4, U6) sei ebenfalls erwähnt, und tatsächlich kann man sich auf der Meidlinger Hauptstraße – auch wegen der vielen kleinen Cafés – durchaus wohlfühlen. Ganz so unproblematisch läuft das Geschäftsleben aber trotzdem nicht ab: Viele der großen, zugkräftigen Marken von Humanic bis Fürnkranz haben in den vergangenen Jahren ihre Filialen geschlossen.

Zwar standen die Geschäftslokale nie lang leer, die Nachmieter sorgen allerdings bei den anderen Händlern für wenig Begeisterung: Haben sie doch dazu beigetragen, dass die vormals doch eher gehobene, modelastige Straße einen billigen Touch bekommen hat: Alle paar Meter finden sich heute Billigläden mit unschönen Wühltischen und Diskonter. Sogar einen der besten Standorte der Straße, das Meidlinger Platzl, dominieren Ein-Euro-Shops. Und auch die Ketten, die geblieben sind (Takkco, Kik), sind eher ob ihres billigen Sortiments bekannt. Auch Kleider Bauer hat hier nur ein Outlet.

Es überrascht daher wenig, dass sich viele Unternehmer der Straße die Rückkehr eines niveauvolleren Angebots wünschen. „Ein paar schöne, attraktive Geschäfte wären notwendig, um neue Kunden anzuziehen“, sagt etwa Svjetlana Pranjic, die mit dem Knopfkönig einen der ältesten (und wunderbar altmodisch gebliebenen) Laden der Straße führt. (Ein weiterer ist das Farbenhaus Szenkovits mit seinen Unmengen an Bastelbedarf.)

(c) Die Presse

Pranjic hat im Meidlinger Knopfkönig, den es seit 86 Jahren gibt, ihre Lehre gemacht und das Geschäft im Jahr 2000 übernommen, als die Besitzer in Pension gingen. Dank vieler Stammkunden auch aus anderen Bezirken sei sie mit dem Umsatz nach wie vor zufrieden, die Laufkundschaft sei aber spürbar zurückgegangen, seit sich die Straße wegen der Billigshops gewandelt hat.

Das Niveau heben

Schönere Läden wären, sagt sie, „wichtiger als neue Pflastersteine“ – und meint damit die Sanierung der Fußgängerzone, die sich schon einige Jahre hinzieht, Dauerbaustelle inklusive, aber im nächsten Jahr abgeschlossen sein soll. Für den stellvertretenden Obmann des hiesigen Einkaufsstraßenvereins, Ernst Tobola, der mit Taschner Tobola ebenfalls einen Traditionsbetrieb führt, ist die Meidlinger Hauptstraße eine Straße des täglichen Bedarfs mit Läden in vielen Preislagen. Das Problem, dass freie Geschäftslokale meist an Billighändler gehen, versucht der Verein zu lösen, indem er sich bemüht, zwischen Immobilienbesitzern und Handelsbetrieben den Kontakt herzustellen. Mehr sei auf dem freien Markt nicht möglich. „In einem Einkaufszentrum wird der Branchenmix vom Einkaufszentrummanagement zusammengestellt“, sagt Tobola, „diese Möglichkeit hat ein Einkaufsstraßenverein nicht.“

Sollte er aber, findet Florist Michael Strangl (Natur Art), der sich ebenfalls im Einkaufsstraßenverein engagiert. Man müsse den Hausbesitzern noch mehr Vorschläge machen, welche Händler auf die Straße passen, der billige Charakter sei für die Straße „ganz schlecht. Wir im Verein sind gerade dabei, uns einige Maßnahmen zu überlegen, um das Niveau zu heben“, sagt Strangl.

So sollen die viermal im Jahr stattfindenden Markttage künftig ohne trashige Gewandstände auskommen, „da muss sich einiges ändern“, auch gastronomisch: Geplant sei eine Kooperation mit dem nahe gelegenen Meidlinger Markt, dem dank einiger neuer Gastronomen (Milchbart etc.) der Aufschwung gelungen ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2016)

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