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Geselligkeit gehört zum Verlegergeschäft

Zweimal Schulenburg: Ulrichs Anekdotenbuch und Korfus Verteidigung 1716 durch einen Vorfahren.

Professor Ulrich Schulenburg – in der Monarchie hätte man ihn „Von der Schulenburg“ genannt, zieht zum 75. Geburtstag nochmals Bilanz über sein Leben als Verleger und Mäzen ungezählter Künstler. In Anekdotenform, wie er das schon vor fünf Jahren im Amalthea-Buch „Sie werden lachen, alles ist wahr“ tat. Er dürfte auf den Geschmack gekommen sein.

Schulenburg ist in Österreich der bedeutendste Bühnenverleger. Sein Verlag ist weltweit, besonders aber im deutschen Sprachraum tätig. Als Geschäftsführer und Herausgeber im Thomas Sessler Verlag hat der Umtriebige und Gesellige in vielen Jahren zahlreiche literarische Talente entdeckt und viele Theater- und Filmrechte erworben.

Er trank mit allen bekannten Dichtern und Theaterleuten, er trank auch mit jenen, die er erst berühmt machte. Ein bisschen oft wird das fröhliche Zechen in allen Ländern dieses Kontinents erwähnt. In Los Angeles wäre H. C. Artmann fast im Pool ertrunken, wenn ihn die flotte Runde nicht im letzten Moment herausgefischt hätte. Makaber die Schilderung von Fatty Georges vorzeitigem Ableben. Nach Herzinfarkt und Gehirnschlag schob man den Saxofonisten ins Sterbezimmer. Unfähig zu sprechen musste er mitverfolgen, wie einander Exfrau und zweite Frau an der Bahre des „Toten“ in die Haare gerieten. Obendrein erfuhr er so, dass er gar nicht der Vater seiner damals noch sehr kleinen Tochter war. Als der Prosektur-Diener einen Zettel mit dem bürgerlichen Namen „Georg Pressler“ an die große Zehe binden wollte, schaffte es der Totgeglaubte mit letzter Energie, mit dieser Zehe zu wackeln. Schnell war ein Defibrillator zur Hand, Fatty George fand noch einmal ins Leben zurück. Und ließ sich scheiden.

Damit nach seinem eigenen Tod den diversen Grabrednern Gescheites zu ihm und seinem geliebten gezwirbelten Bart einfalle, hat Schulenburg gleich ein paar Wortspenden zum gefälligen Gebrauch geliefert.

Nochmals Schulenburg: Sibyl von der Schulenburg lebt in Italien und hat schon einen biografischen Roman über ihren Vater geschrieben. Jetzt beschäftigt sie sich mit dem berühmtesten Vorfahr des Familienclans: Feldmarschall Johann Matthias von der Schulenburg, Erbherr auf Emden und Dehlitz. Im Dienste der Republik Venedig hatte der Offizier 1716 die heikle Aufgabe, die Festung Korfu als letzte Bastion des Abendlandes vor dem Ansturm der Osmanen zu halten. Ein Himmelfahrtskommando: Mit nur dreitausend Mann muss er sich einer feindlichen Armee von vierzigtausend Mann erwehren, um Prinz Eugen von Savoyen die nötige Zeit zu geben, seine Truppen nach Osten zu führen. Die von Schulenburg erfolgreich geleitete Verteidigung der Festung vom 25. Juli bis 20. August 1716 ist eine der berühmtesten Leistungen der neuzeitlichen Kriegsgeschichte. Karl VI. erhob ihn in den hohen Stand eines Reichsgrafen. Spannend erzählt, in einem Zug zu lesen. (hws)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2016)