Angela Merkels strategischer Vorteil

Die CDU-Kanzlerin setzt darauf, dass sie am Ende einer schwarz-gelben Koalition die Stimmen der FDP wieder aufsaugen wird.

Es gibt drei gute Gründe, warum Angela Merkel strahlt wie ein Honigkuchenpferd, obwohl sie für die Union das schlechteste Ergebnis seit 1949 eingefahren hat. Erstens bleibt sie Kanzlerin, zweitens ist die SPD am Boden, und drittens ist sie zuversichtlich, dass sie in einem schwarz-gelben Bündnis die 1,1 Millionen Stimmen, die zur FDP abgewandert sind, bei der nächsten Wahl zurückholen wird. Für die gelernte Naturwissenschaftlerin sind die Liberalen nämlich auch „freie Radikale“ im chemischen Sinn: Sie ist überzeugt, dass die FDP nur ungebunden wachsen kann, nicht aber in einer Koalition.

Diese Befürchtung wird auch FDP-Chef Westerwelle hegen und deshalb kaum eine Gelegenheit auslassen, sich zu profilieren. Bedarf nach Profilschärfung hat aber auch die CSU, die in Bayern fast sieben Prozentpunkte verloren hat. Damit ist das Konfliktparallelogramm der neuen Regierung schon aufgespannt: Merkel wird dabei die Mittlerin zwischen dem liberalen (FDP) und dem sozialen (CSU) Pol geben.

Unklar ist, wie sich die SPD aufstellt. Sie hat zwei Optionen: Entweder sie rückt nach links, schmiedet bereits in der Opposition ein rot-rot-grünes Bündnis und schafft damit die Voraussetzung für einen Lagerwahlkampf in vier Jahren. Oder sie bleibt in der Mitte und setzt darauf, dass sich die Union an der Macht verschleißt und die FDP nach links rutscht. Der SPD steht ein Richtungsstreit bevor.


christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2009)

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