Printmedien: Schlagabtausch um die"Wiener Zeitung"

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Chefredakteur Andreas Unterberger muss gehen, er wurde erst am Montag informiert. Ausgeschrieben wird der frei werdende Posten aber nicht. Kritik am "Putsch" kommt von ÖVP und FPÖ.

Kaum war die Kunde von der Ablöse des Chefredakteurs der „Wiener Zeitung“, Andreas Unterberger, in Umlauf, begann der Schlagabtausch: Unterberger erfuhr aus den Medien davon. ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf zeigte sich irritiert und streute dem noch unter ÖVP-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel inthronisierten Chefredakteur demonstrativ Rosen: Er habe die Zeitung „aus ihrem Dornröschenschlaf geholt“. FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache wurde deutlicher: SPÖ-Kanzler Werner Faymann und Medien-Staatssekretär Josef Ostermayer hätten den „Wiener Zeitung“-Chef „quasi weggeputscht“. Woraufhin der Aufsichtsratsvorsitzende der im Eigentum der Republik stehenden Zeitung, Rudolf Bohmann, erklärte, die Ablöse habe „rein sachliche Gründe“. Man wolle das Blatt neu aufstellen.

Unterberger schrieb noch am Montag in seiner Kolumne: „Mit mir hat auch 48 Stunden nach Auftauchen dieser Meldungen noch niemand gesprochen.“ Das hielt freilich nur bis Montagmorgen: Um neun Uhr war es dann auch für den Betroffenen offiziell. Seinen designierten Nachfolger – den bisherigen „Kurier“-Wirtschaftsressortleiter Reinhard Göweil – schätzt Unterberger als „linksorientiert“ ein. Und er vergisst nicht zu erwähnen, dass sein Vertrag „ohne ein Eingreifen bis 2014 laufen“ würde.

Stimmt, heißt es im Medien-Staatssekretariat. Man wolle nun aber die Ausstiegsoption per April 2010 nützen – und das müsse mit einem halben Jahr Vorlaufzeit geschehen. Also jetzt. Weil sich der Vertrag ohne Kündigung automatisch verlängert hätte.

Dass seiner Ernennung „einst eine Ausschreibung vorangegangen“ sei, betont Unterberger. Dies sei gesetzlich aber nur für Geschäftsführerfunktionen vorgeschrieben, heißt es dazu von offizieller Seite. Somit haben Herausgeber Samo Kobenter (der Göweil noch aus seiner Zeit beim „Standard“ kennt), Aufsichtsratschef Rudolf Bohmann und Geschäftsführer Karl Schiessl die Entscheidung für Göweil getroffen.

Göweil: Amtsantritt am 1.November

Der soll am 1.November sein neues Amt antreten. Sein Dienstverhältnis beim „Kurier“ endet am 31.Oktober. „Bis dahin wird die Nachfolge entschieden“, so „Kurier“-Chefredakteur Christoph Kotanko zur „Presse“. Wie es mit dem der „Wiener Zeitung“ beigelegten Amtsblatt weitergehen wird, scheint zumindest mittelfristig klar: Es dürfte weiterhin auf Papier erscheinen. „Die Entscheidung für Göweil ist eine Entscheidung für eine Tageszeitung in diesem Qualitätssegment. Es gibt keine unmittelbaren Pläne“, so ein Sprecher des Staatssekretärs. Es sei aber auch „klar“, dass sich die Zeitung „online stärker aufstellen muss“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2009)

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