Schnellauswahl

Trump-Effekt? Meinungsforscher erwartet härteren Wahlkampf Hofers

FLUGSHOW AIRPOWER 16 IN ZELTWEG: HOFER / VAN DER BELLEN
Hofer; Van der BellenAPA/ERWIN SCHERIAU
  • Drucken

Der FPÖ-Kandidat könnte aus Trumps Erfolg den Schluss ziehen, dass Samthandschuhe für den Wahlkampf nicht das richtige sind, meint Meinungsforscher Bachmayer.

Meinungsforscher und Politologen sehen keine allzu großen Auswirkungen der US-Wahl auf die österreichische Bundespräsidentenwahl. OGM-Chef Wolfgang Bachmayer erwartet aber, dass Wahlkämpfe hierzulande grundsätzlich härter und angriffiger werden. FPÖ-Kandidat Norbert Hofer könnte aus Trumps Erfolg den Schluss ziehen, dass Samthandschuhe für den Wahlkampf nicht das richtige sind.

Bis jetzt habe es kaum Auseinandersetzungen gegeben, nun könnte sich für Hofer aber zeigen, dass mit Samthandschuhen schwierig zu mobilisieren sei: "Gerade die freiheitlichen Wähler brauchen Tempo." Es könnte sein, dass Hofer in den nächsten Wochen daher lauter, kantiger auftritt: "Die Wirkung der Provokation ist offensichtlich gegeben gewesen", so Bachmayer. Trumps Aussagen seien zum Teil "unglaublich" gewesen: "Aber er wurde von vielen Wählern als Projektionsfläche gesehen, dass er sich zu sagen traut, was sich manche denken und dafür wurde er belohnt."

Bachmayer geht davon aus, dass Hofer Alexander Van der Bellen stärker als bisher angreifen wird und dieser auch darauf reagieren werde: "Es geht darum, die Glaubwürdigkeit des gegnerischen Kandidaten zu untergraben. Das kann zu einer höheren Betriebstemperatur in den knapp vier Wochen führen." Der Meinungsforscher erwartet sich auch bei künftigen Nationalratswahlen mehr Angriffigkeit: "Die Wahlkämpfe werden nicht freundlicher." Österreicher könnten auf Trumps Wahl doch erschrocken reagieren, was wiederum dazu führen könnte, dass die sichere Seite gewählt wird, so Bachmayer. Er führt aber ins Treffen, dass der erhobene Zeigefinger des Establishments erst recht zu einer Gegenreaktion führen könnte.

Mobilisierungseffekte für FPÖ?

Politberater Thomas Hofer "will nicht übertreiben", aber auf FPÖ-Seite könnte man "zumindest indirekt" auf Mobilisierungseffekte hoffen: "Dass nach dem Brexit jetzt auch Trump gewählt wird, was niemand im Establishment für möglich gehalten hat, das kann schon die Wettbewerbslust wieder wecken." Dies gelte aber auch für Van der Bellens Team, denn dieser könne nun warnen: "Schaut, was euch droht." Das Ergebnis dürfe man nicht überinterpretieren, es könne aber für beide Seiten mobilisierende Effekte haben. Die FPÖ habe sich bis jetzt kaum zu Trump geäußert und dies sei auch richtig, meinte Thomas Hofer mit Verweis auf dessen Image. Van der Bellens Lager sei bereits gut mobilisiert, mit Trumps Wahlsieg komme nun ein weiterer Punkt dazu: "Man wird das nutzen." Das Motiv "Hofer zu verhindern" war bereits jetzt ein starkes: "Aber es bekommt neues Futter", stellte der Politberater fest.

Peter Hajek (Public Opinion Strategies) hält den Einfluss auf die Wahl am 4. Dezember für "marginalst". Trump habe "gegen jegliche Kampagnenlogik" gesellschaftliche Konventionen außer Kraft gesetzt, und dies sei in Österreich "überhaupt nicht der Fall". Die österreichischen Wähler würden sich grundsätzlich recht wenig darum kümmern, was in den USA passiert.

(APA)