Ein Freistoß über die Fiktion von Trumps Mauer

Mexikos Spieler wissen, was man im Fußball unter einer Mauer versteht.
Mexikos Spieler wissen, was man im Fußball unter einer Mauer versteht.(c) Reuters
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Das Spiel USA gegen Mexiko ist nicht nur in der WM-Qualifikation von Bedeutung, sondern nach Donald Trumps Wahl auch von politischer Brisanz. Amerika bangt um die Fußball-WM 2026 und Los Angeles um Olympia 2024.

Wien/Columbus. Laute Anfeuerungen durch Cheerleader sind im US-Sport Fixbestandteil. Ohne Show kein Tor oder Korb, das hat Tradition. Auch sind plakative Ankündigungen, sogar teils martialischer Natur, von Trainern oder Spielern keineswegs ungewöhnlich. Doch mit Donald Trumps Versprechen, Mexiko durch den Bau einer Mauer von den USA abzutrennen, erhalten sportliche Vergleiche dieser Länder nun zusätzliche Brisanz.

Im Fußball sind Begrifflichkeiten wie „die Mauer machen“, sie „einrichten“ oder „in die Mauer schießen“ gängig. Jetzt ist der Wahlkampf Geschichte, Trump ist President-Elect – und am Freitag (Samstag, 1.45 Uhr MEZ) findet in Columbus, Ohio, ein Fußballspiel zur WM-Qualifikation statt. Die USA treffen im Clásico auf Mexiko. Es ist ein Gipfeltreffen, eingeläutet vom 45. US-Präsidenten. Zur Erinnerung: „Ich werde eine große Mauer bauen – und niemand baut Mauern besser als ich. Und ich baue sie sehr kostengünstig, ich werde sie Mexiko bezahlen lassen. Sie schicken uns nicht ihre besten Leute. Sie bringen Drogen, sie bringen Kriminalität, sie sind Vergewaltiger.“

Dass im US-Sport zig Mexikaner engagiert und beliebt sind – egal, ob Baseball, Major-League-Soccer oder in anderen Ligen –, muss nicht betont werden. Dass Ohios 18 Wahlmänner für Trump stimmten, ist nur ein Nebenaspekt.

Fifa und IOC? Ein Kapitalist!

Rein sportlich könnte die Partie von vorentscheidender Bedeutung sein im Wettrennen um eines von drei fixen Tickets für die WM 2018 in Russland. Sechs Teams spielen in dieser fünften, finalen Phase der Concacaf-Gruppe. Es sind USA (Ko-Trainer Andreas Herzog), Mexiko, Honduras, Panama, Costa Rica sowie Trinidad und Tobago.

Im Fußballverband der USA herrschte schon vor der Wahl Unruhe. Präsident Sunil Gulati fürchtete um „unsere weltweite Reputation“. Die USA planten, nach 1994 wieder eine WM auszutragen, 2026 hätte in ihr und wohl auch in das Programm der Fifa gepasst nach Auftritten in Russland und Katar (2022). Gulati: „Um Erfolg bei einer Bewerbung zu haben, geht es auch um den Eindruck, den die Welt von unserem Präsidenten hat.“

Auch im Olympiakomitee der USA könnten Trumps rassistische, islamophobische oder sexistische Sprüche für Irritation gesorgt haben. Los Angeles ist im Rennen für die Austragung der Sommerspiele 2024, zum zweiten Mal nach 1984.

Diese Bedenken muten eher unbegründet an. Weder vom Weltfußball (Fifa) noch den Olympiern (IOC) ist eine Ablehnung zu erwarten. In der Welt der Kapitalisten sind Milliardäre doch die liebsten Ansprechpartner.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2016)

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