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Strabag verlässt die Industriellenvereinigung

Hans Peter Haselsteiner
Hans Peter HaselsteinerDie Presse (Clemens Fabry)
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Kolumne Hans Peter Haselsteiner zieht nach einem Streit mit IV-Chef Kapsch die Konsequenzen. Die Industriellenvereinigung verweigerte die Unterstützung seiner Kampagne gegen Norbert Hofer.

Für seinen starken Willen ist der Bauindustrielle Hans Peter Haselsteiner bestens bekannt. Der bald 73-Jährige ist keiner, der mit seiner Meinung hinterm Berg hält – auch dann nicht, wenn es um politische Fragen geht. Und so kam es, dass der Eigentümer und ehemalige Chef des Baukonzerns Strabag im ohnehin an Aufregungen nicht armen Bundespräsidenten-Wahlkampf für zusätzliche, gehörige Unruhe sorgte.
Anfang September butterte Haselsteiner „mehrere 100.000 Euro“ in eine Werbekampagne. Es war eine Kampagne gegen FPÖ-Kandidat Norbert Hofer, „Kommt Hofer. Kommt Öxit. Kommt Pleitewelle“, verkündete ein Sujet. „Kommt Arbeitslosigkeit“, ein anders. „Kommt Tourismusflaute“, ein weiteres. Klartext – ganz nach dem Geschmack des Hans Peter Haselsteiner.
Die Kampagne war freilich von kurzer Dauer. Nur wenige Tage nach ihrem Start musste sie vorübergehend eingestampft werden: Die Wahl war bekanntlich aufgrund klebetechnischer Probleme bei den Wahlkarten auf den 4. Dezember verschoben worden.

Macht nichts. In den nächsten Tagen soll sie fortgesetzt werden. So, als ob nichts gewesen wäre.
Und doch ist in der Zwischenzeit einiges passiert. Gravierendes. Mit einer einigermaßen überraschenden Konsequenz: Haselsteiners Strabag hat ihre Mitgliedschaft in der Industriellenvereinigung aufgekündigt. Die freiwillige Interessenvertretung mit noblem Sitz am Wiener Schwarzenbergplatz wird das angesichts ihrer rund 4200 Mitglieder zwar durchaus verkraften. Trotzdem: Ein so bedeutendes Mitglied wie den Branchenprimus Strabag zu verlieren – das macht imagemäßig nicht viel her. Ganz zu schweigen von den Mitgliedsbeiträgen der Strabag, die nun perdu sind. „Einige 100.000 Euro“ machen die aus, sagt Haselsteiner. Eine einigermaßen vage Angabe, die offenbar in den allgemeinen Sprachgebrauch des Industriellen übergangen ist – siehe die Kosten für die Werbekampagne.

Doch was in aller Welt hat der Wahlkampf um die Hofburg mit der Industriellenvereinigung zu tun? Haselsteiner bestätigt gegenüber der „Presse“ lediglich seinen Austritt, über die Gründe will er nichts sagen.
Hinter vorgehaltener Hand wird aber folgendes erzählt: Schon Anfang September wollte Haselsteiner weitere Mitstreiter seiner Anti-Hofer-Kampagne präsentieren. Das erübrigte sich freilich mit der Verschiebung der Wahl. Was Haselsteiner durchaus zupass kam: Er hatte Zeit gewonnen. Zeit, um bei der Industriellenvereinigung anzuklopfen. Immerhin hat Georg Kapsch dort die Funktion des Präsidenten. Jener Georg Kapsch, der in den 90er Jahren im Präsidiums des Liberalen Forums Wien saß. Kleine Welt: Damals war Haselsteiner Klubobmann-Stellvertreter des LIF-Parlamentsklubs sowie Nationalratsabgeordneter gewesen.

Georg Kapsch, President of the Federation of Austrian Industry (Industriellenvereinigung) addresses a news conference in Vienna
Kapsch: "Die Kampagne in der Form ist kontraproduktiv und populistisch."REUTERS



Was also lag näher, als die alte Parteifreundschaft wieder aufleben zu lassen? Dachte Haselsteiner.
Falsch gedacht. Kapsch sagte ab. Der „Presse“ erklärt er, er hätte sich eine Unterstützung „als Privatperson grundsätzlich vorstellen können“. Aber: „Die Kampagne in der Form ist kontraproduktiv und populistisch. Sie entspricht vom Stil her nicht meinen Vorstellungen.“ Man könne sich nicht über Populismus aufregen und gleichzeitig eine populistische Kampagne unterstützen.
Kapsch sagt, dass es keinen Streit gegeben habe und er sich daher nicht vorstellen könne, dass seine Absage der Grund für Haselsteiners Austritt aus der Industriellenvereinigung war.
Man lernt eben nie aus.