Der kanadische Sänger, Dichter und Songschreiber ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Songs wie "Hallelujah" und "Suzanne" machten ihn weltberühmt.
Leonard Cohen ist tot. Der kanadische Sänger und Songschreiber ist im Alter von 82 Jahren gestorben, wie sein Label Sony Music Canada in der Nacht auf Freitag per Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte.
"Mit tiefem Schmerz teilen wir mit, dass der legendäre Dichter, Songschreiber und Künstler Leonard Cohen gestorben ist", hieß es auch auf seiner Facebook-Seite. "Wir haben einen der verehrtesten und produktivsten Visionäre verloren."
Fahnen in Montreal auf Halbmast
Eine Gedenkveranstaltung werde zu einem späteren Zeitpunkt in Los Angeles stattfinden. Die Familie bitte darum, ihre Privatsphäre zu respektieren. "Heute haben wir einen unserer größten Botschafter und Ikonen verloren", schrieb der Bürgermeister von Cohens Geburtsstadt Montreal bei Twitter. Die Fahnen in Montreal würden auf Halbmast gesetzt.
Der Tod hatte sich angekündigt. "You Want It Darker" hieß Leonard Cohens letztes Album, voller dunkler Anspielungen. Mehr und mehr hatte sich der kanadische Musiker in den vergangenen Jahren aus der Öffentlichkeit in seine bescheidene Wohnung in Los Angeles zurückgezogen. Die Gesundheit wollte einfach nicht mehr mitspielen. Jetzt ist Cohen im Alter von 82 gestorben, wie sein Label Sony Music Canada in der Nacht zum Freitag mitteilte. (c) APA/AFP/FABRICE COFFRINI (FABRICE COFFRINI)
Mit seiner rauchigen Stimme, dem tief in die Stirn gezogenen schwarzen Hut und der ihn stets umgebenden Aura tiefster Melancholie galt Cohen als Phänomen, Legende und einer der herausragenden Songschreiber aller Zeiten. (c) Reuters (JESSICA RINALDI)
Kollegen und Millionen Fans auf der ganzen Welt trauern um den kanadischen Meister der Melancholie. Im Alter war der Liedermacher noch einmal so richtig zurückgekehrt, nachdem er zwischenzeitlich gegen Depressionen gekämpft hatte und jahrelang in einem Zen-Kloster verschwunden war. (c) REUTERS (� Eloy Alonso / Reuters)
"Wenn ich von Depressionen spreche, spreche ich von klinischen Depressionen, die der Hintergrund meines ganzen Lebens sind, ein Hintergrund voller Angst und Beklemmung, einem Gefühl, dass nichts richtig läuft, dass Zufriedenheit nicht möglich ist und alle Strategien in sich zusammenfallen", sagte er einmal dem britischen "Guardian". "Ich bin froh, sagen zu können, dass diese Depression sich langsam aufgelöst hat und nie wieder mit derselben Kraft in mein Leben zurückgekommen ist." (c) REUTERS (� Eloy Alonso / Reuters)
Auch aus finanzieller Notwendigkeit, nachdem ihn seine frühere Managerin um millionenschwere Rentenrücklagen betrogen hatte, war Cohen auf die Bühnen der Welt zurückgekehrt. 2012 hatte er mit "Old Ideas" sogar das erfolgreichste Album seiner jahrzehntelangen Karriere herausgebracht. (c) REUTERS (� Mario Anzuoni / Reuters)
Geboren wurde Leonard Norman Cohen 1934 als Sprössling einer wohlhabenden jüdischen Familie in der ostkanadischen Stadt Montreal. Schon als Kind lernte er Gitarre spielen und hatte bald Auftritte in Cafes und Clubs, aber die Musik sollte für ihn lange Zeit Nebensache bleiben. (c) imago/ZUMA Press (imago stock&people)
Cohen wollte schreiben, Gedichte und später auch Romane. In den frühen 60er-Jahren zog er sich dafür zeitweise völlig auf die griechische Insel Hydra zurück. Viele seiner Veröffentlichungen wurden von Kritikern gefeiert. (c) imago/ZUMA Press (imago stock&people)
2011 bekam er sogar den spanischen Prinz-von-Asturien-Preis für Literatur (im Bild). (c) REUTERS (� Felix Ausin Ordonez / Reuters)
Alben wie "Songs of Leonard Cohen" (1967), "Songs of Love and Hate" (1971) und "Death of a Ladies' Man" (1977) beeinflussten ganze Generationen von Musikern, Songs wie "Suzanne", "So Long, Marianne", "First We Take Manhattan (Then we take Berlin)", "Hallelujah" und "Chelsea Hotel #2" gelten längst als Klassiker. (c) imago/United Archives (imago stock&people)
Aber die Einnahmen aus dem Schreiben reichten nicht zum Leben. "Ich wollte nicht schreiben, um bezahlt zu werden. Ich wollte für das bezahlt werden, was ich schreibe." Also zog Cohen Ende der 60er-Jahre nach New York und nahm die Musik wieder auf - bald mit großem Erfolg. (c) imago/ZUMA Press (imago stock&people)
Cohens spirituell-melancholische Songs handeln von verlorener Liebe und Leid, von Todessehnsucht und Gottessuche, sprachlich erinnern sie an polierte Kleinode. "Leute, die ihre Songs im Cafe oder im Taxi schreiben, kann ich nur bewundern - ich habe das nie geschafft." (c) imago/United Archives (imago stock&people)
Sein Privatleben hat Cohen immer möglichst unter Verschluss gehalten. Bekannt ist lediglich, dass er mit der schwedischen Malerin Suzanne Elrod zwei Kinder hat und vorübergehend mit der Schauspielerin Rebecca De Mornay liiert war. (c) imago/ZUMA Press (imago stock&people)
In Los Angeles lebte er mit Tochter und Enkelin zusammen. "Mein Ruf als Frauenheld ist ein Witz", sagte er einmal in einem Interview. "Er hat mich dazu gebracht, mich bitter durch die zehntausend Nächte zu lachen, in denen ich alleine war." (c) imago/ZUMA Press (imago stock&people)
Mit dem Alter sei er gnädiger mit sich selbst umgegangen, sagte Cohen in einem seiner letzten Interviews dem Magazin "New Yorker". "Man hört diese Parallelwelt die ganze Zeit zu sich singen und meistens kann man es nicht entziffern. Auch als ich noch gesund war, ist mir das schon aufgefallen. Jetzt höre ich sie sagen: "Leonard, mach einfach weiter mit dem, was du machst." Sie ist sehr einfühlsam inzwischen, viel mehr als früher. Früher hat mir die Stimme gesagt: "Du bekommst nichts hin." Das ist wirklich ein Segen." (c) REUTERS (� Luke MacGregor / Reuters)
Leonard Cohen: Missverstandener Frauenheld und Meister dunkler Lieder
Mit Songs wie "Hallelujah", "Suzanne" oder "So long Marianne" war der 1934 in eine wohlhabende jüdische Familie hineingeborene Cohen weltberühmt geworden. Zuvor hatte er bereits Gedichte und Romane geschrieben. Den Durchbruch als Musiker hatte Cohen in den 60er-Jahren in New York geschafft, wo er im legendären Chelsea Hotel lebte und Kollegen wie Bob Dylan, Joni Mitchell und Janis Joplin kennenlernte - letzterer setzte er in dem Song "Chelsea Hotel No. 2" ein Denkmal. Cohen war sein Leben lang zutiefst spirituell und galt stets als Frauenheld.
Der Kanadier hatte zuletzt in Los Angeles gelebt, in der Nähe seiner beiden Kinder und seines Enkelkindes. Erst im vergangenen Monat hatte Cohen seine letzte Platte herausgebracht, "You Want It Darker". In den Songs setzte er sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinander.
"Ich bin bereit zu sterben"
Auch in einem Interview im Magazin "New Yorker" hatte er jüngst angedeutet, dass er sich dem Sterben nahe fühle. "Ich bin bereit zu sterben. Ich hoffe nur, es wird nicht zu ungemütlich. Das war es dann auch schon für mich."
In memoriam Leonard Cohen widmet das ORF-Radio Ö1 heute Nachmittag dem Musiker die Sendung "Spielräume" (17.30 Uhr), in der sich Wolfgang Schlag mit dessen Album "Songs of Love and Hate" auseinandersetzt. Am morgigen Samstag ist "Ö1 bis zwei" (13.00 Uhr) dem Sänger gewidmet. Und auch der "kulturmontag" auf ORF 2 beschäftigt sich am kommenden Montag (22.30 Uhr) mit dem Ableben des prägenden Songwriters.
„I'm ready, my Lord“, sang er auf seinem letzten Album: Leonard Cohen, der große jüdisch-kanadische Dichter und Sänger, ist mit 82 Jahren gestorben. Er hinterlässt einige der tiefsten, sehnsüchtigsten, schönsten Lieder des Pop.
Der Romancier, Lyriker, Sänger Leonard Cohen veröffentlicht mit 82 Jahren das tief melancholische Album „You Want It Darker“. Es ist das Finale einer unwahrscheinlichen Karriere.
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