Österreich vom "Insolvenz-Tsunami" noch verschont

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In den ersten neun Monaten 2009 schlitterten mit 5190 Firmen in die Insolvenz, das sind um 489 mehr als 2008. Bei den Privatinsolvenzen war der Anstieg mit 7,9 Prozent auf 6880 Fälle geringer.

Die Wirtschaftskrise fordert von Unternehmen und Privatpersonen nach wie vor ihren Tribut: Die Firmen- und Privatinsolvenzen sind in Österreich in den ersten neun Monaten stark angestiegen. Gegenüber dem 1. Halbjahr 2009 lässt sich laut dem Insolvenz-Spezialisten des Kreditschutzverbands von 1870 (KSV), Hans-Georg Kantner, aber eine Abschwächung des Zuwachses erkennen, der befürchtete "Insolvenz-Tsunami" sei ausgeblieben.

Die Insolvenzen im Überblick:

Insolvenzen Veränderung 1. bis 3. Quartal20092008absolut+/- in %Private Haushalte6.8806.3765047,90Firmen 5.1904.70148910,40Gesamt 12.07011.0779938,96Kündigungswelle bedingt mehr Insolvenzen

Bei den Privatpleiten sei das Wachstum geringer ausgefallen als erwartet und "definitiv" geringer als in den vergangenen Jahren. Bis jetzt sei die Krise am heimischen Arbeitsmarkt aber noch nicht voll angekommen. Sollte der Aufschwung nicht schon praktisch vor der Tür stehen, sei in den nächsten Monaten mit umfangreicheren Jobverlusten zu rechnen, wodurch auch das Bedienen der Schulden schwieriger wird. Für das Gesamtjahr 2009 rechnet Kantner mit einem Plus von 10 Prozent auf rund 10.000 Fälle. Bei den Unternehmensinsolvenzen erwartet er einen Anstieg um 12 bis 15 Prozent.

Schulden sind ein Großstadtphänomen

Schulden sind ein Großstadtphänomen, so Kantner, weshalb es nicht überraschen dürfe, dass Wien nicht nur absolut, sondern auch gemessen an seiner Bevölkerung das insolvenzstärkste Bundesland ist. In den ersten 9 Monaten des Jahres gab es in der Bundeshauptstadt 2.739 eröffnete Privatinsolvenzen, ein Plus von 9,5 Prozent. Den höchsten Zuwachs hat mit +33 Prozent auf 169 Fälle aber das Burgenland verzeichnet.

Starker Anstieg bei Metallverarbeitern

Den höchsten Zuwachs an Firmenpleiten gab es in Oberösterreich (+149 auf 717 Fälle), gefolgt von Wien (+143 auf 1.581 Fälle). Oberösterreich sei besonders industrielastig, in Wien gebe es sehr viele Klein- und Kleinstfirmen, so Kantners Begründung. In Niederösterreich und dem Burgenland ist die Zahl der Insolvenzen sogar um 7 bzw. 5 Fälle zurückgegangen.

Nach Branchen hat es

  • Maschinen/Metall (+50 Prozent)
  • Chemie/Pharma/Grundstoffe (+43 Prozent)
  • Holz/Möbel (+24 Prozent)
  • Glas/Keramik (+37 Prozent) sowie
  • Papier/Druck (+49 Prozent)

am stärksten getroffen. Die sonst sehr konjunktursensitive Bauwirtschaft hingegen weist einen deutlich unterdurchschnittlichen Zuwachs von nur fünf Prozent auf. Die Probleme werden dort voraussichtlich verspätet ankommen, oder - je nach politischen Maßnahmen - gar nicht, glaubt Kantner. Auch das Gastgewerbe habe mit acht Prozent mehr Insolvenzen einen unterdurchschnittlichen Zuwachs verzeichnet.

Vier von fünf Insolvenzen erfolgreich

In Österreich erreichen rund 80 Prozent aller Schuldner eine vollständige Tilgung, wenn sie Insolvenz anmelden. Die Gläubiger erhalten im Schnitt 12 bis 14 Prozent ihrer Forderungen.

Ausblick: Plus zehn Prozent

Der KSV prognostiziert, dass es heuer gesamt um knapp zehn Prozent mehr Insolvenzen geben wird als 2008.

(Ag./Red)

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