SPD-Chef Franz Müntefering verzichtet auf den Parteivorsitz. Als Nachfolger ist Umweltminister Sigmar Gabriel im Gespräch. Denn SPD-Spitzenkandidat Steinmeier wird "nur" Oppositionsführer im Bundestag.
Nach dem Debakel bei der deutschen Bundestagswahl tobt in der SPD ein Machtkampf. Die SPD-Spitze gibt fast geschlossen auf: Parteichef Franz Müntefering, Vizechef Peer Steinbrück und Generalsekretär Hubertus Heil kündigten am Dienstag in Berlin an, dass sie auf dem Bundesparteitag im November ihre Ämter abgeben. Als SPD-Chef ist nun Umweltminister Sigmar Gabriel im Gespräch, nachdem der neue Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier auf den Parteivorsitz verzichtete.
Steinmeier ist künftig aber Oppositionsführer im Bundestag. Die neue SPD-Fraktion wählte den 53-Jährigen am Dienstag nach Angaben des scheidenden Fraktionschefs Peter Struck mit rund 88 Prozent zu ihrem Vorsitzenden. Die neue Fraktion hat nur noch 146 Mitglieder.
Sigmar Gabriel Favorit für SPD-Chef
Durch die Rücktrittsserie werden die zentralen Figuren der SPD in der bisherigen Großen Koalition abgelöst. Als neuer Parteichef und damit als Nachfolger von Müntefering ist hochrangigen SPD-Kreisen zufolge der bisherige Umweltminister Sigmar Gabriel im Gespräch. Neue stellvertretende Parteivorsitzende könnten demnach Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, der bisherige Bundesarbeitsminister Olaf Scholz und die nordrhein-westfälische SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft werden. SPD-Vize Andrea Nahles könnte neue Generalsekretärin werden.
Gabriel gehört dem reformorientierten "Netzwerk" in der SPD-Bundestagsfraktion an. Nahles und Wowereit werden dem linken Flügel der Sozialdemokraten zugerechnet. Aus SPD-Kreisen hieß es am Rande der Fraktionssitzung, Steinmeier habe vorgeschlagen, dass in der neuen Parteiführung alle Strömungen und Gruppierungen vertreten sein sollten.
Die neue SPD-Führung soll im November auf einem Parteitag gewählt werden.
(Ag./Red.)