UniCredit holt sich vier Milliarden von der Börse

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Die UniCredit wird zwei Mrd. Euro an die Bank Austria weiterreichen. Auf Staatshilfe von Italien und Österreich wird nun offiziell verzichtet. Banker fordern Anreize, damit auch Österreichs Institute die Staatshilfe früher zurückzahlen.

Wien (höll). Die italienische UniCredit-Gruppe wird eine vier Mrd. Euro schwere Kapitalerhöhung durchführen. Dies hat der Aufsichtsrat am Dienstag beschlossen. Von der Finanzspritze soll auch die Bank Austria profitieren. Laut Mitteilung des Aufsichtsrats wird die UniCredit zwei Mrd. Euro an die Wiener Tochter weiterreichen.

Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) wurde noch am Dienstag darüber informiert, dass die Bank Austria trotz monatelanger Verhandlungen das staatliche Bankenhilfspaket nicht in Anspruch nehmen wird.

Die UniCredit-Tochter ist damit eine Ausnahme. Alle übrigen heimischen Großbanken wurden vom Bund unterstützt.

Wegen vermehrter Kreditausfälle sind die Institute gezwungen, ihr Eigenkapital zu erhöhen. In den vergangenen Monaten sind die Börsenkurse wieder deutlich gestiegen. Daher können sich die Banken das notwendige Kapital von privaten Investoren holen. UniCredit wird dazu Mitte November eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Die Kapitalerhöhung soll im ersten Quartal 2010 durchgeführt werden.

Als so gut wie fix ist, dass der libysche Staatsfonds mitmachen wird. Der von Revolutionsführer Muammar al-Gadhafi kontrollierte Fonds hatte erst im Frühjahr seinen Anteil an der Mailänder Großbank auf sechs Prozent aufgestockt. Dem Vernehmen nach wird auch die italienische Sparkassenstiftung Cariverona die Kapitalaufstockung unterstützen.

UniCredit-Chef Alessandro Profumo lehnte die hohen Zinszahlungen für die Staatshilfe (bis zu 9,3Prozent) und die strengen Auflagen ab. So hatte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) verlangt, dass die Bank Austria unter bestimmten Voraussetzungen verstaatlicht werden kann. Dagegen legte sich Profumo quer.

Nach den USA befreien sich auch in Europa immer mehr Kreditinstitute von den Fesseln des Staates. Den Anfang machte im August die Schweizer UBS. Anfang September gab die deutsche Commerzbank bekannt, fünf Mrd. Euro an Staatsgarantien zurückzuzahlen. Gestern folgte die größte französische Bank BNP Paribas, die im Zuge einer Kapitalerhöhung 4,3 Mrd. Euro bei privaten Investoren einsammeln will. Als Begründung nannte ein Sprecher von BNP Paribas, das Staatsgeld koste Zinsen und führe zu Beschränkungen etwa bei den Bonuszahlungen.

Ähnliche Maßnahmen kündigten die britischen Häuser Lloyds und die Royal Bank of Scotland an. In den USA kommen schon fast alle Großbanken ohne Unterstützung des Staates aus.

In Österreich haben Erste Bank, Raiffeisen Zentralbank, Volksbanken, Bawag und Hypo Group Alpe Adria vom Bund sechs Mrd. Euro erhalten. Laut „Presse“-Rundruf denken die Institute derzeit aber nicht an eine vorzeitige Rückzahlung. Michael Ikrath, Generalsekretär des Sparkassenverbands, fordert im „Presse“-Gespräch steuerliche Anreize, damit die Banken einen Teil der Schulden früher tilgen.

AUF EINEN BLICK

Die italienische UniCredit holt sich im Zuge einer Kapitalerhöhung bis zu vier Mrd. Euro von privaten Investoren. Von der Finanzspritze soll auch die Bank Austria profitieren. Denn UniCredit wird zwei Mrd. Euro an die Wiener Tochter weiterreichen. Finanzminister Pröll wurde gestern informiert, dass die Bank Austria kein Staatsgeld brauche.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2009)

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