Donald Trump wurde zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Er erbt eine Wirtschaft, die sich gemäß makroökonomischen Kennzahlen in einer guten Verfassung befindet. Doch es gibt auch viele Herausforderungen…
Erstens befindet sich die US-Wirtschaft in einer späten Phase des Zyklus. Die Arbeitslosenquote hat sich bei etwa 5 % stabilisiert, wobei es nicht überraschen würde, wenn die Quote am Ende von Trumps Amtszeit höher läge. Jene Quote stabilisiert sich nämlich nur selten für längere Zeit und wenn es dazu kommt, dann deutet dies häufig darauf hin, dass die Wirtschaft ihren Höchststand erreicht hat. Laut der New York Fed liegt die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den nächsten zwölf Monaten bei 8,4 % – ein niedriger, aber steigender Wert.
Zweitens hat die Fed die Zinsen in diesem Zyklus erst einmal erhöht. Unserem Hauptszenario zufolge wird es im Dezember zu einer zweiten Anhebung kommen. Bei einer Zinsanhebung von einem viertel Prozent pro Jahr wird die Fed nicht genügend Pulver für die nächste Rezession bis 2030 haben. Die Frage, wie auf die nächste, selbst kleinere Rezession reagiert werden soll, ist schon beunruhigend. Vom aktuellen Standpunkt aus wäre eine quantitative Lockerung die offensichtlichste geldpolitische Antwort, auch wenn deren Vermögen, die Wirtschaft anzukurbeln, gegenwärtig hinterfragt wird.
Drittens wird Trump in seinen ersten 100 Tagen im Weißen Haus mit der Umsetzung einiger der Reformen beschäftigt sein, die er in seinem Wahlkampf angekündigt hat. Unter anderem hat er lautstark von einer Steuerreform gesprochen. Doch der Präsident alleine kann das US-Steuerrecht nicht ändern. Nur der Kongress hat hier die Gesetzgebungskompetenz. Dies wird also Zeit erfordern. Außerdem wird im März 2017 das Thema der Schuldenobergrenze, d.h. die alle zwei Jahre wiederkehrende Haushaltskrise, wieder hochkommen und ihn das gesamte Jahr begleiten. Doch auch hier muss der Kongress darüber befinden, was zu tun ist, also entweder die Schuldenobergrenze anheben, aussetzen oder abschaffen. Es könnte zu einem echten Problem werden, wie Trump seine Projekte finanzieren will.
die Herausforderung
Schon diese drei Punkte machen Trumps erste Amtszeit zu einer echten Herausforderung, weil die Grenze zwischen Geld- und Fiskalpolitik aufgrund der größer gewordenen Verflechtung verschwimmt. Im Falle einer Rezession wird die Geldpolitik wahrscheinlich nur eine begrenzte Wirkung haben und die Fiskalpolitik wird eine wichtigere Rolle spielen. Allerdings werden die Spannungen zwischen Geld- und Fiskalpolitik im Falle des sehr viel erfreulicheren Szenarios einer ausbleibenden Rezession, einer allmählich zunehmenden Inflation und einer weiteren Normalisierung der Geldpolitik akuter ausfallen.
das Bruttoinlandsprodukt
Vor der Subprime-Krise konnte die US-Regierung zu einem Zinssatz von etwa 4 %1 pro Jahr Geld aufnehmen. Da das Verhältnis zwischen Staatsschulden und BIP gerade einmal bei 60 %1 des BIP lag, machten Zinszahlungen etwa 3 %1 des BIP aus. Ende 2016 ist der Anteil der staatlichen Zinszahlungen auf 2,3 %1 des BIP gesunken, während sich das Verhältnis von Schulden und BIP um mehr als 10 Billionen US-Dollar auf 105 %1 erhöht hat. Sollten die Zinsen wieder zurück auf das Vorkrisenniveau steigen, würden die jährlichen Zinszahlungen auf die Staatsschulden nach unserer Überschlagsrechnung auf 4,7 % des BIP steigen. Das Steuerrecht muss dann zweifellos reformiert werden, aber nicht so, wie Trump es verspricht. Zudem werden die Spannungen zwischen dem Finanzministerium in Washington D.C. und der Fed zunehmen. Wie das sinkende Vertrauen in die Institutionen zurückgewonnen werden kann, das sich durch die Anti-Establishment-Stimmen geäußert hat, und wie sich die Unabhängigkeit der Fed garantieren lässt, werden wesentliche Fragen sein.
die Globalisierung
Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen birgt die Zukunft aber auch jene auf sozialer, politischer und geopolitischer Ebene. Globalisierungsthemen, also beispielsweise Handelsabkommen wie NAFTA, TPP und sogar die WTO-Mitgliedschaft, können vom US-Präsidenten erheblich beeinflusst werden. Einwanderung und die zunehmende Ungleichheit, zwei gesellschaftliche und politische Probleme, deren Wurzeln in der Globalisierung liegen und die durch die politischen Antworten auf die globale Finanzkrise noch verschärft wurden, sind ebenfalls heiße Eisen.
Wie sich die USA und im weiteren Sinne die westliche Welt mit ihrer Ideologie gegenüber Russland, dem Mittleren Osten und China 27 Jahre nach dem erdrutschartigen Sieg über den Kommunismus aufstellen soll, das sind Fragen, die uns in den kommenden Jahren in Atem halten werden.
Autor: Yves Longchamp, Head of Research bei ETHENEA Independent Investors (Schweiz) AG
Yves Longchamp ist Head of Research bei ETHENEA Independent Investors (Schweiz) AG. Mit seinem Team wertet er die makroökonomischen Zusammenhänge aus. Ihre Analysen fließen in die Investitionsentscheidungen des Fondsmanagements der ETHENEA ein.
Weitere Informationen unter:
www.ethenea.com
1Alle Quellen: Bloomberg
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