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Trumps "Propagandamaschine" Breitbart expandiert nach Berlin

Steve Bannon leitete Trumps Wahlkampf.
Steve Bannon leitete Trumps Wahlkampf.APA/AFP/GETTY IMAGES/CHIP SOMODE

Die ultrarechte Nachrichtenseite von Trumps Chefstrategen Bannon will nach Frankreich und Deutschland. Im Oktober sahen sich 85 Millionen Besucher die Homepage an.

Mithilfe der ultrarechten Nachrichten-Website "Breitbart News" hat Donald Trump es ins Weiße Haus geschafft. Die Plattform, die wegen ihrer schonungslosen Meinungsmache von traditionellen Medien und Experten scharf kritisiert wird, will nun auch in Deutschland und Frankreich expandieren, nachdem sie 2014 ein Büro in London eröffnete und die Brexit-Bewegung unterstützte.

Sollte "Breitbart" nach Frankreich expandieren, wäre sie "glücklich" über eine Zusammenarbeit, freute sich schon die rechtsextreme französische Politikerin Marion Marechal-Le Pen. Ihre Tante Marine Le Pen hat bei den Präsidentschaftswahlen in Frankreich im Frühjahr 2017 beste Chancen, in die Stichwahl einzuziehen.

Von dem konservativen Herausgeber Andrew Breitbart im Jahr 2007 gegründet, war die Website zunächst ein Forum für konservative Blogger. Als Breitbart vor vier Jahren starb, galt sie noch als Kuriosum, zählte pro Monat etwas über eine Million Besucher. Danach übernahm Stephen Bannon die Redaktion, der sich im August dem Wahlkampfteam von Trump anschloss. Er wurde jetzt von Trump sogar zu seinem Chefstrategen im Weißen Haus ernannt.

Rasanter Aufstieg

Zuvor hatte der ehemalige "Breitbart"-Sprecher Kurt Bardella das Medienunternehmen im März nach einem Richtungsstreit mit Bannon verlassen, weil dieser aus der Website "eine Propagandamaschine für Donald Trump" gemacht habe, die vor "hasserfüllter Rhetorik" strotze.

Doch der Erfolg gab Bannon Recht: Nach eineinhalb Jahren US-Wahlkampf zählte "Breitbart News" allein im Oktober 85 Millionen Besucher, wie die auf Datenanalyse spezialisierte Website SimilarWeb mitteilte - das sind praktisch so viele wie das "Wall Street Journal".

Am Abend der US-Präsidentenwahl wurde "Breitbart" auf Facebook öfter kommentiert, mit "Gefällt mir" markiert oder geteilt als die Websites von CNN, "New York Times" oder Fox News. Ein Triumph für die Plattform, die die großen Medien anprangert und CNN als "Clinton News Network" verspottet.

Forum für Ultrarechte

Die Schlagzeilen von "Breitbart" sind eine Mischung aus Meinungsmache - vor allem gegen Eliten und Einwanderer - und teilweise zurechtgebogenen Fakten. Zudem bietet die Website Kolumnisten einer enthemmten Rechten ein Forum, darunter vor allem dem Briten Milo Yiannopoulos, der mit mehreren Beiträgen Debatten auslöste, darunter Titel wie "Es gibt keine Diskriminierung von Frauen in der IT-Branche, sie sind nur schlecht in den Vorstellungsgesprächen", "Verhütung macht Frauen hässlich und verrückt" oder "Die Schwulenrechte haben uns dümmer gemacht - Zeit, sie wieder abzuschaffen".

"Breitbart" berichtet zwar nur über sehr ausgewählte Themen und setzt auf die Strategie, in den Berichten vor allem Fakten zu verbreiten - ultrarechts geprägte Meinungen finden ihren Platz eher in den Kommentarspalten. Für Jeff Jarvis, Journalistik-Professor an der Universität der Stadt New York, ist "Breitbart News" aber "eine politische Bewegung, die sich als Medium ausgibt".

"Politisches Organ" unter Medien-Fassade

Auch Angelo Carusone von der linksgerichteten Organisation Media Matters for America sieht hinter der "Fassade" eines Medienunternehmens "ein politisches Organ". Er kritisiert vor allem, dass die Website mit "rassistischen Ängsten" spiele, um "die globalen Machtstrukturen herauszufordern".

Für Ken Paulson, Ex-Chefredakteur der Zeitung "USA Today" und jetzt Direktor des College für Medien und Unterhaltung an der staatlichen Middle Tennessee Universität ist noch nicht absehbar, was der Erfolg von "Breitbart" und anderen parteipolitischen Foren für klassische Medien bedeutet. Paulson warnt: "Die wirkliche Frage ist, ob es weiterhin einen Markt für gut recherchierte und ausgewogene Berichte gibt, die nicht die eine oder andere Seite begünstigen."

(APA/AFP/Rob Lever)