Die Inflation zieht überall an

Einkauf im Supermarkt
Einkauf im Supermarkt(c) Erwin Wodicka - BilderBox.com (Erwin Wodicka - BilderBox.com)
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In Österreich steigen die Preise wieder – vor allem in der Gastronomie. Auch in der Eurozone ist die Inflation zurück. In den USA dürfte ein Zinsschritt bevorstehen.

Wien. Seit Donald Trump als nächster Bewohner des Weißen Hauses feststeht, gibt es auf den Märkten nur noch ein Thema: Inflation. In Österreich ist man sogar schon weiter, die Teuerung hat im Oktober deutlich angezogen und im Jahresvergleich um 1,3 Prozent zugelegt – nach 0,9 Prozent im September. Der tägliche Einkauf (Mikrowarenkorb) wurde sogar um 1,9 Prozent teurer. Auch in der ganzen Eurozone zieht die Inflation an. Sie lag im Oktober bei 0,5 Prozent. Im September waren es noch 0,4 Prozent und im August 0,2 Prozent.

Damit dürfte sich die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, die seit März 2015 durch Geldspritzen die Inflation anzuschieben versucht, tatsächlich auszahlen. Sowohl in Österreich als auch in der übrigen Eurozone merken die Menschen die Teuerung vor allem beim Ausgehen: Restaurants und Kaffeehäuser erweisen sich als Preistreiber. Restaurants und Hotels erhöhten in Österreich im Jahresvergleich ihre Preise um 3,2 Prozent. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke wurden um 1,1 Prozent teurer, Alkohol und Tabak um 1,3 Prozent. Fisch (+5,2 Prozent) und Gemüse (+4,3 Prozent) verzeichneten einen deutlichen Preisanstieg. Auch die Mieten ziehen kräftig an – sowohl in Österreich als auch in der Eurozone. So sind die Mietpreise in Österreich zuletzt um 3,7 Prozent gestiegen.

Der Effekt günstiger Ölpreise ist noch immer zu spüren. Heizöl verbilligte sich um 2,7 Prozent, Gas blieb auf dem Vorjahresniveau, bei festen Brennstoffen gab es eine Teuerung von 1,4 Prozent. Strom wurde um 1,5 Prozent teurer. Im europäischen Vergleich verzeichnete Österreich im Oktober die zweithöchste Inflationsrate.

Fed signalisiert Zinsanhebung

Den stärksten Anstieg gab es in Belgien, in sechs EU-Staaten wurden die Waren billiger. In Deutschland fiel der Preisanstieg halb so hoch aus wie in Österreich, das eine traditionell höhere Inflationsrate hat als der Nachbar. Schuld daran ist die Bedeutung des Tourismus und des Servicesektors – aber auch die rasch steigenden Abgaben, Steuern und Gebühren. Diese haben auch Nebeneffekte: So wird von manchen Experten vermutet, dass die steigenden Preise in der Gastronomie auf die Einführung der Registrierkasse zurückzuführen sind.

Laut der in der vergangenen Woche publizierten EU-Herbstprognose dürfte die Inflationsrate im kommenden Jahr bei 1,8 Prozent liegen. Damit wird Österreich die vierthöchste Teuerungsrate in der Union vorausgesagt. Im laufenden Jahr belegt Österreich mit einer Teuerung von 1,0 Prozent Rang drei. Auch die Inflation in den USA ist vor der mit Spannung erwarteten letzten Zinssitzung der Notenbank in diesem Jahr angestiegen. Die Verbraucherpreise lagen im Oktober um 1,6 Prozent über dem Niveau von vor einem Jahr, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte. Experten hatten diesen Wert vorhergesagt. Im September lag die Inflationsrate noch bei 1,5 Prozent.

Aus der Federal Reserve kamen sofort nach Bekanntgabe der neuen Inflationszahlen neue Töne in Richtung einer Zinserhöhung. Ein US-Währungshüter hat aggressivere Zinsschritte in Aussicht gestellt, falls der künftige Präsident Donald Trump die Wirtschaft mit einem Konjunkturprogramm befeuern sollte. Notenbankmitglied Patrick Harker sagte, dann könnten die geldpolitischen Schritte nach oben einem „steileren Pfad“ folgen. Die Federal Reserve würde sich in diesem Fall aber bemühen, keine Rezession auszulösen. Auch die US-Notenbankchefin Janet Yellen betonte am Donnerstag, dass ein Zinsschritt wohl bald folgen werde.

Auch die Europäische Zentralbank steuert laut Direktor Yves Mersch langsam auf eine Abkehr von ihrer ultralockeren Geldpolitik zu. „Wir sind wahrscheinlich nicht mehr weit von dem Zeitpunkt entfernt, an dem wir eine solche Aussage machen können“, sagte Mersch am Donnerstag. Im Augenblick sei dies aber „in Anbetracht der Fragilität des europäischen Wachstumspfades noch leicht verfrüht“. (ag./jil)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2016)

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