Sophie Andersen bietet mit ihrem Label Sandersen leistbaren, aber langlebigen Schmuck an. Unter anderem will sie dabei orientalische Handketten salonfähig machen – und hat sie daher für den österreichischen Geschmack adaptiert.
Sophie Andersen liebt die Adventzeit. Wenn alles glitzert und glänzt, dann mag das manchen kitschig erscheinen, Andersen aber findet das gut. „Alles, was glitzert, macht froh“, sagt die Jungunternehmerin.
Insofern ist Andersen dort, wo sie derzeit ihre selbst gemachten Schmuckstücke verkauft, ziemlich gut aufgehoben: auf dem Weihnachtsmarkt am Spittelberg nämlich, wo die 26-jährige Wienerin zum ersten Mal ihr Schmucklabel Sandersen präsentiert und Ketten, Ohrringe und Handketten verkauft.
Ja, Handketten. Manchen ist das ein Begriff, erzählt Andersen, andere fangen damit noch überhaupt nichts an. Dabei handelt es sich sozusagen um eine Fusion von Ring und Armband (siehe Fotos unten) – eine Kette verläuft von einem oder mehreren Fingern über den Handrücken bis zum Handgelenk, wo sie in einer Art Armband endet. Die Handkette in diversen Varianten – mit einem oder mehreren Steinen – ist auch das wichtigste Stück in der Sandersen-Kollektion, und für den heimischen Schmuckmarkt noch relativ exotisch und innovativ.
Tatsächlich haben Handketten eine lange Tradition, nur eben anderswo, „sie haben einen orientalischen Ursprung“, erzählt Andersen in ihrer kleinen Werkstatt im 22. Bezirk, wo sie sämtliche Schmuckstücke allein in Handarbeit fertigt. Handketten stammen eigentlich aus Ägypten, dort trägt man sie aber in einer opulenten, großen Variante.
In dieser ausladenden, unübersehbaren Form würde die Handkette aber in Österreich nicht funktionieren, also hat Andersen die Idee übernommen und für den österreichischen Geschmack adaptiert: Ihre Handketten sind zart, filigran und etwas simpler als die ägyptischen Vorbilder.
Damit spricht sie viele junge Frauen an – aber nicht nur. „Die jungen Leute finden meine Designs cool, ältere schätzen dabei auch die gute Qualität“. Denn – das betont die 26-Jährige immer wieder – ihr Anliegen ist es, schönen Schmuck in guter Qualität zu leistbaren Preisen anzubieten.
Das sei nicht immer leicht, denn gute Rohstoffe kosten freilich Geld, nach langer Recherche hat sie nun aber Bezugsquellen gefunden – darunter Ketten aus Deutschland – deren Qualität stimmt und die trotzdem vertretbare Preise ermöglichen. Handketten gibt es ab 35 Euro, Ketten und Ohrringe kosten in der Regel zwischen 40 und 60 Euro.
Das ist natürlich mehr als im Billigschmuckladen, „dafür kann man sich auf die Qualität verlassen“, sagt Andersen. Denn billiger Schmuck um wenige Euro enthalte häufig Nickel (auf das viele allergisch reagieren), werde oft schwarz oder recht schnell kaputt.
Die Ketten, Ohrringe und Handketten ihres Labels aber sind, verspricht Andersen, viel langlebiger. Man könne mit ihnen auch duschen, Creme auftragen oder sie mit Parfum besprühen – alles Dinge, denen wir Schmuck, ohne es zu bemerken, häufig aussetzen und ihn damit schädigen. All das überstehen Andersens Stücke ohne Schäden. Daher kann man auch mit ihren Bodychains – Ketten, die man vom Hals über den Oberkörper bis zur Taille trägt, direkt auf der Haut oder auch über einer Bluse – im Sommer problemlos schwimmen gehen.
Rhodium statt Silber. Ein Geheimnis der Langlebigkeit, erzählt Andersen, liegt im Material: Statt Silber enthalten viele Ketten und Handketten das (ebenfalls silberfarbene) Rhodium. „Viele Menschen glauben, Silber sei gut, das stimmt aber nicht: Silber löst sich schnell ab oder wird schwarz, es ist nicht so gut, wie man denkt.“ Auf Andersens Ketten wird Rhodium in mehreren Schichten aufgetragen – der Prozess heißt Galvanisation – weshalb sie äußeren Einwirkungen gut standhalten. Andersen hat aber auch goldene Ketten im Sortiment – solche mit 24 Karat Gold oder auch mit 18 Karat, gemischt mit Kupfer.
Für ihren Schmuck setzt Andersen des Weiteren auf die auch in vielen anderen Bereichen omnipräsenten Swarovski-Steine, die sich in ihrer Werkstatt in unüberschaubar vielen Varianten und Farben in kleinen Kartons finden.
Wieso gerade Swarovski? „Weil sie einfach die Schönsten sind“, sagt Andersen. Wobei die Steine gar nicht durch den Schliff ihren besonderen Glanz bekämen. Vielmehr werden die Steine „mit Metalldampf bedampft, deswegen glitzern und spiegeln sie sich so, das ist das Spezielle an diesen Kristallen. Sie machen einen froh. Und Schmuck muss froh machen.“
Und, ganz wichtig: auch Spaß machen. Viele Menschen würden ihr Styling zu ernst nehmen, würden zu wenig ausprobieren, findet Andersen, die eigentlich Journalismus studiert hat und jahrelang als Stylistin – unter anderem bei „Austria's Next Topmodel“ – gearbeitet hat, ehe sie sich im Vorjahr dazu entschlossen hat, ihr eigenes Schmucklabel zu gründen.
Was man braucht, wenn man sich dazu entschließt, sich selbstständig zu machen, etwas ganz Neues anzufangen? Einen Mentor – in ihrem Fall war das ihr Vater, der ebenfalls aus der Schmuckbranche kommt –, „der einen unterstützt und zeigt, wo es hingehen kann“.
Sandersen
Für ihr Label Sandersen fertigt Sophie Andersen – allein und in Handarbeit – Ketten, Choker (eng am Hals anliegende Ketten), Ohrringe, Handketten und Bodychains an.
Erhältlich sind ihre Produkte derzeit am Weihnachtsmarkt am Spittelberg und sonst im 25-hours-Hotelshop, im Wunderladen, im „The little black cat“-Shop sowie online unter www.sandersen.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2016)