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Wie man Täter und Opfer schützt

Der Nährstoff von sogenannten Happy-Slapping-Videos ist die Aufmerksamkeit. Medien in Frankreich haben das schon erkannt und zeigen weder Täter noch Opfer. ?

Die Woche hat schon nicht besonders gut für Facebook begonnen, und dann kam in Österreich die nächste Beschwerde dazu. Experten gaben dem sozialen Netzwerk eine Teilschuld am US-Wahlsieg von Donald Trump, weil sie Anbietern, die Falschnachrichten verbreitet hatten, nicht genug Einhalt boten. Und in Österreich empörten sich seit Montag viele Menschen darüber, dass das Netzwerk jenes Handyvideo, das Jugendliche dabei zeigt, wie sie ein Mädchen verprügeln, nicht sofort sperren ließ. Erst nach wenigen Tagen und einem großen Aufschrei entschied Facebook, das Video offline zu nehmen. Der Verbreitung war da längst nicht mehr Einhalt zu gebieten, weil vor allem diverse österreichische Boulevardmedien das Video auf ihren Onlineseiten publiziert hatten.

So war das Video, auf dem ein junges Mädchen von mehreren Jugendlichen ins Gesicht geschlagen wird, bis zum Redaktionsschluss dieser Zeitung etwa auf der Webseite der „Kronen Zeitung“ abrufbar. Dabei ist es genau diese Verbreitung, die die Urheber solcher Videos zu ihren Taten anstacheln, wie Experten wissen.


Namen nicht nennen. In Frankreich hat man das bereits vor längerer Zeit erkannt. Dort haben sich Medien darauf verständigt, solche Gewaltvideos nicht mehr zu zeigen. In Berichten darüber wird darauf geachtet, weder die Namen der Täter und Opfer zu nennen, noch deren Gesichter zu zeigen. Ähnliches wurde auch rund um die Anschläge von Paris am 13. November 2015 diskutiert.

Die beste Reaktion auf solche Happy-Slapping-Videos ist, den Ball bei der Berichterstattung flach zu halten: keine reißerischen Schlagzeilen damit machen, die Aufmerksamkeit so gering wie möglich halten. Damit könne man auch Trittbrettfahrern und Nachahmern den Wind aus den Segeln nehmen, sind sich Experten sicher.

Weiters ist es für das Opfer wichtig, alle jene Medieninhaber zur Verantwortung zu ziehen, die das Gewaltvideo verbreiten. Denn dabei handelt es sich um eine strafbare Sache. Die Inhalte, die hier verbreitet werden, sind verbotene Inhalte, die die Persönlichkeitsrechte der Opfer verletzen können. Daher können Opfer bei jedem Medium und auch bei Privatpersonen eine Entschädigung für die Verbreitung einfordern. ?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2016)