Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Hofburg: Schwarzer Diplomat für blauen Präsidenten

Norbert Hofer sucht diplomatischen Beistand.
Norbert Hofer sucht diplomatischen Beistand.(c) APA/HERBERT PFARRHOFER
  • Drucken

Sollte Norbert Hofer die Wahl gewinnen, will er Johannes Peterlik zum Kabinettsdirektor machen. Dieser ist eigentlich im ÖVP-Umfeld groß geworden, gilt als wertkonservativ und überaus ehrgeizig.

Wien. „Das Diplomatenleben“, so sagte Johannes Peterlik einmal, „erscheint nach außen zwar sehr bunt und glamourös.“ Doch „intern ist es ein Job wie jeder andere“. Der Job, den der heute 49-Jährige anstrebt, ist dann aber wohl doch etwas anders als die meisten. FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer hat den bisher in der ÖVP verwurzelten Diplomaten für die Stelle als Kabinettsdirektor auserkoren, wie Hofer in der TV-Debatte auf Puls4 am Sonntag verriet. Peterlik, momentan Vizesektionsleiter für Kultur im Außenministerium, wäre dadurch mit einem Schlag der höchste Beamte der Republik. Ihm würde es obliegen, die derzeit 75 Mitarbeiter in der Präsidentschaftskanzlei zu koordinieren und ihnen vorzustehen.

Die Ankündigung Hofers ist ein Schachzug, der beiden dienen kann. Hofer kann sich in der Endphase seines Wahlkampfs mit einem arrivierten Diplomaten schmücken und darauf hoffen, in Teilen der ÖVP-Wählerschaft zu punkten. Peterlik wiederum bekäme einen Job, von dem viele Diplomaten träumen.

Peterlik sei einer, der es „allen recht machen will“, sagt ein einstiger Weggefährte. Er ändere daher gern einmal seine Meinung. Sein Frust über die ÖVP soll freilich darauf fußen, dass man seine Karrierewünsche bisher nicht erfüllt hat. Gleichzeitig wird der Diplomat als sehr wertkonservativ und gläubig (römisch-katholisch) beschrieben.

Als Sohn eines Botschafters geboren, trat Peterlik als Student dem katholischen Cartellverband (CV) bei. Nach dem Studium der Geschichte und der Wirtschaft legte Peterlik die Aufnahmeprüfung für das Außenministerium ab und sammelte als stets betont korrekt gekleideter Pressesprecher von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner politische Erfahrung.

Während Ferrero-Waldner 2004 den Sprung in die Hofburg verpasste (sie verlor die Präsidentschaftswahl gegen Heinz Fischer), wechselte Peterlik im selben Jahr als Botschafter in den Vietnam. Mit 37 Jahren war er der jüngste Botschafter Österreichs. Vorangegangen sein soll aber ein Disput zwischen Außenamt und Hofburg, in der damals noch Thomas Klestil weilte. Peterlik sei für einen Botschafterposten zu jung, er sei noch nie „draußen gewesen“, und Pressesprecher von Ferrero-Waldner zu sein, befähige ihn auch noch nicht für dieses Amt, hieß es aus der Hofburg. Schließlich bekam Peterlik den Posten doch.

Schulbesuch in Thailand

„Draußen“, das war Peterlik freilich schon seit Kindheitstagen immer wieder. Als Sohn eines Diplomaten ging er in Bangkok zur Schule. Weltanschaulich war Peterlik aber immer schon klar in der Christdemokratie beheimatet. Er ist Gründungsmitglied der sozialliberalen Initiative Christdemokratie (ICD) innerhalb der ÖVP. Unter Parteichef und CV–Verbindungsbruder (Bajuvaria Wien) Michael Spindelegger gab es für Peterlik 2014 auch ein Comeback in einem Politbüro. Der Wertkonservative wurde Bürochef der eher liberalen Familienministerin Sophie Karmasin. Das ging nicht lange gut, 2015 trennte man sich wieder.

Peterlik selbst war am Montag im Außenministerium nicht erreichbar. Dass er gern von dort in die Hofburg wechseln würde, gilt aber als offenes Geheimnis. Seine jetzige Stellung im Außenamt erachte Peterlik nämlich als für ihn nicht adäquat, sagt ein Kenner.

Zur Person

Johannes Peterlik (49) war Sprecher von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (ÖVP) sowie Botschafter (erst in Vietnam, dann in Thailand). Derzeit arbeitet der Vater zweier Söhne im Außenministerium. Norbert Hofer will ihn in der Hofburg zum Kabinettsdirektor machen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2016)