Andreas Mitter ist neu in der Riege österreichischer Trainer, der Ramsauer, 34, ist Coach der Finnen, die bis zur WM 2017 in Lahti nach Jahren des Misserfolges neue Lichtblicke suchen. Gleich sechs Betreuer haben ÖSV-Wurzeln.
Wien/Ruka. Dass die besten Skisprungtrainer dieser Schanzengeneration aus Österreich kommen, ist kein Geheimnis. Doch in dieser Saison, die am Freitag (17 Uhr, ORF 1) im finnischen Ruka anhebt, starten auf dem Trainerturm quasi internationale österreichische Meisterschaften. Stefan Horngacher ist neuer Cheftrainer der Polen, der Steirer Andreas Mitter Headcoach der Finnen. Dazu kommen Heinz Kuttin (Österreich), Alexander Stöckl (Norwegen), Werner Schuster (Deutschland) und Richard Schallert (Tschechien).
Im Rampenlicht steht Andreas Mitter, 34, der als erster Nicht-Finne überhaupt den seit Jahren erfolglosen „Kotkat“ (Adlern) zum Neustart verhelfen soll. In der einstigen Schanzenhochburg wurde die Nachwuchsarbeit schlecht gesteuert, Talente hörten auf – und jeder hoffte immer nur auf Janne Ahonen. Dass seit 2010 mit Ville Larinto (Kuopio) und Anssi Koivuranta (2014, Innsbruck) nur zwei Siege, insgesamt fünf Stockerlplätze, zu Buche stehen, spricht Bände.
„Mika Kojonkoski hat mich angerufen, er schätzte meine Arbeit“, erklärt Mitter der „Presse“. Er hat den Blick für gute Trainer, er führte auch Stöckl nach Norwegen. Dass Sprache, Kultur und Eigenheiten in Finnland rauer sind, war Mitter, der aus Ramsau kommt, sich vor allem als Stützpunkttrainer (er formte Stefan Kraft) seine Sporen verdiente, bewusst. Aber auch Marcel Koller wurde anfangs gemustert wie ein Außerirdischer . . .
Mitter pendelt zwischen Finnland und daheim, versucht die Sprache („Terve“) zu lernen, sah viele Talente und somit Hoffnung, eine Trendwende zu schaffen. „Aber jeder muss realistisch bleiben. Ein Platz in den Top 20 ist ein Erfolg – wir fangen erst an.“
Ramsau und der hohe Norden
Finnen trainieren nicht mehr, das war Usus, allein. Mitter führte sie nach Europa, zu Trainings in Ramsau, es glich einem Kennenlernen. Er wolle bei Athleten eine „breite Brust sehen“, und bei Klubs, Trainern und Funktionären – wie in Österreich –, „einen geschlossenen Ansatz, und zwar meinen“.
Mit Geduld, Wissen und neuem Gewand – Ahonen, 39, schneidert neuerdings Sprunganzüge – versucht Mitter „Larinto, Asikainen, Määtää und ein paar Teenager“ auf Flughöhe zu bringen. Ob er bis zur WM in Lahti im Februar 2017 Sieger schmieden kann, sei der falsche Ansatz. „Es weiß jetzt zumindest jeder, in welche Richtung, mit welcher Technik und welchem Ski gearbeitet wird.“ Dass im Hintergrund, bei Kindern und Junioren, die meiste Arbeit wartet, verhehlt er nicht. Sie sind, nicht nur, Finnlands Zukunft.
Blicke von Finnen können kalt, durchdringend sein. Dass da einer aus Ramsau auf dem Turm, ihrem Heiligtum, steht, mit ihrer Fahne wachelt, ist ungewöhnlich. Aber Finnland wolle einen Neuanfang, dieser Volkssport strebe nach Veränderung, so wie sie Norwegens Skifahrer, die von seinem Bruder Christian betreut werden, wollten. Dass mit Trond Nystad nun eine norwegische Trainerlegende ausgerechnet in Ramsau lebt und für die ÖSV-Langläufer arbeitet, entbehrt aus dieser Sicht jedoch nicht einer gewissen Ironie.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2016)