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Holocaust-Überlebende warnt vor rechter Wahlkampf-Rhetorik

Video auf der Facebook-Seite von Alexander Van der Bellen
Video auf der Facebook-Seite von Alexander Van der Bellen(c) Screenshot: Facebook / Van der Bellen
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Hofburg-Kandidat Van der Bellen hat eine Videobotschaft einer 89-Jährigen auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Sie fühlt sich an die Zeit vor der Machtübernahme der Nazis erinnert.

Der grüne Präsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen hat ein Video einer Frau ins Netz gestellt, die vor der Wahlkampf-Rhetorik der FPÖ warnt. Die 89-jährige Frau sieht sich darin an die Zeit erinnert, bevor die Nationalsozialisten die Macht übernahmen. Van der Bellen ist für sie der Kandidat, der für Frieden und Gleichberechtigung ist, lautet ihre Botschaft.

Laut dem Wahlkampf-Team Van der Bellens hat sich die Frau selbst gemeldet und um ein Gespräch gebeten, das gefilmt und in weiterer Folge auf die Facebook-Seite des Kandidaten gestellt wurde. „Meiner Mutter war es sehr wichtig, sich in dieser Phase des Wahlkampfes öffentlich zu äußern und Stellung zu beziehen", kommentierte die Tochter der Holocaust-Überlebenden die Beweggründe. Denn: „In den letzten Wochen und Monaten hat sie uns immer wieder gesagt, dass es sich so anfühlt wie damals in den 1930er-Jahren."

Das "Niedrigste" herrsche vor

„Die Beleidigung anderen gegenüber, das Runtermachen, das Schlechtmachen, das stört mich am allermeisten", sagt die Frau, die im Video Gertrude genannt wird, zur herrschenden politischen Rhetorik von rechter Seite. Nicht das „Anständige", sondern das „Niedrigste" herrsche vor - „und das war schon einmal der Fall". „Da haben sich die Leute hingestellt und wie die Juden die Straßen reinigen mussten, sind die Wiener gestanden – Frauen, Männer – und haben zugeschaut und haben gelacht“, schildert sie. „Und das versucht man, wieder rauszuholen.“ 

Auch die Verwendung des Begriffs „Bürgerkrieg" („da ist mir kalt über den Rücken geronnen“ - „ich habe einen Bürgerkrieg als Siebenjähriges Kind erlebt“) durch FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und die Verwendung der religiösen Gelöbnisformel „So wahr mir Gott helfe" auf FPÖ-Plakaten kritisiert sie: „Den Ausspruch 'So wahr mir Gott helfe', den habe ich gehört im 33-Jahr oder 34er.“ Sie sage das nicht „aus Frömmigkeit, sondern die Falschheit ist mir da bewusst geworden“. 

Demnach ist Van der Bellen für die Frau „derjenige, der überlegt", dies „vielleicht aufgrund seines Alters, vielleicht ist er da schon reifer und vernünftiger", meint sie in dem nicht ganz fünfminütigen Clip. „Für mich ist es wahrscheinlich die letzte Wahl", sagt sie abschließend - die Jungen müssten selbst schauen, dass es ihnen weiterhin gut geht. Und: „Das können sie nur, wenn sie vernünftig wählen."

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(APA/Red.)