Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Palmers plant 50 neue Shops

Ein Jahr PALMERS Neu: Positive Bilanz und neue Pl�ne
(c) PALMERS Textil AG
  • Drucken

Palmers sorgte mit Intrigen und Chefrochaden für Schlagzeilen. Jetzt wollen drei Grazer Brüder die Wäschemarke zu alter Größe führen.

Wien.Das letzte echte „Skandalplakat“ aus dem Haus Palmers ist eine Weile her. 1997 kratzte ein Foto von fünf bäuchlings liegenden Models, die ihre nur mit Strümpfen bekleideten Rückseiten zeigten, an der Schamgrenze der Österreicher. Geht es nach den Grazer Unternehmerbrüdern Marc, Luca und Tino Wieser kommen solche ikonischen Fotokampagnen zurück – genauso wie die Palmers-Münzen oder die erotischen Exklusivkollektionen.

Gemeinsam mit dem oberösterreichischen Investor Gernot Friedhuber übernahmen die Wiesers vor einem Jahr für kolportierte 20 Mio. Euro das leicht angestaubte und von Intrigen und Negativschlagzeilen gebeutelte, aber im Kerngeschäft Gewinne schreibende Unternehmen. Die Marke mit dem Krönchen soll unter ihnen zur Kraft der Vorkrisenjahre zurückfinden. Damals, als „Skandalplakate“ das größte Problem des 1914 in Innsbruck gegründeten Betriebs waren.

Die aus der Grazer Kaufhausfamilie Knilli stammenden Brüder mit Berufserfahrung bei Benetton und Nike wollen „die moderne, modeaffine Kundin von heute gezielt“ ansprechen, hieß es am Donnerstag in ihrer ersten Stellungnahme seit dem Antritt an der Palmers-Spitze. Das ist auch notwendig. Die italienische Calzedonia-Gruppe (Intimissimi, Tezenis) hatte nach dem Zerwürfnis im Palmers-Clan und der Übernahme durch ein ausländisches Investorenkonsortium im Jahr 2004 die Gunst der Stunde genutzt. Sie verzeichnet in Österreich seit ihrem Markteintritt 1997 konstante Umsatzzuwächse.

 

55 Mio. Euro Umsatzverlust

Mit dem für Ende Jänner prognostizierten Jahresumsatz von 70 Millionen Euro liegt Palmers aber nach wie vor vorn. Die 70 Mio. Euro sind jedoch 55 Mio. Euro weniger als Anfang 2016. Der Einbruch sei außerordentlichen Ereignissen wie dem Verkauf der P2-Kosmetiksparte und den noch von den Vorbesitzern durchgeführten Shopschließungen geschuldet, heißt es vom Vorstand.

Die Wiesers selbst wollen nicht schließen, sondern eröffnen. Das ist eine deutliche Trendwende für Palmers, das sich nach den internen Zerwürfnissen von vielen im Expansionsdrang der 1990er-Jahre erworbenen Marken wie Don Gil und Gazelle wieder trennte. Und das auch 2008 mit dem Kauf der später insolventen französischen Dessouskette Lejaby ein unglückseliges Intermezzo hatte.

Die in den vergangenen Jahren wenig vom Glück begünstigte Wäschemarke soll also wieder wachsen. Beziehungsweise tut sie das bereits. Online verzeichne man Umsatzzuwächse von zehn Prozent, lassen die Wiesers wissen. Das soll mit neuen Versand- und Abholoptionen und stärkerer Präsenz in den sozialen Medien noch steigen. Auch in den CEE–Ländern habe man bis zu 15 Prozent Absatzplus. 2017 sollen in Österreich, Deutschland und den osteuropäischen Nachbarländern zu den 300 Standorten 50 neue dazukommen.

Miteigentümer Friedhuber sprach schon kurz nach der Übernahme von langfristigen Wachstumsplänen in die USA, Russland und im Onlinebereich. Er sagte gegenüber der „Kleinen Zeitung“: „Ich sehe es als Langfristprojekt über Generationen, auch noch für meine Kinder.“ Man muss ihm Glück wünschen. Das ist schon einmal schiefgegangen in der Geschichte von Palmers. (loan)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.11.2016)