Thomas Larcher, im Geist ein Romantiker

MUSIKVEREIN MIT ORGEL
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Atmosphärisch dichter Liederzyklus mit dem Bruckner Orchester, Dennis Russel Davis und Julian Prégardien.

Wer sagt, dass die Romantik vorbei ist? Thomas Larcher hat mit seiner Komposition „A Padmore Cycle“, geschrieben 2014 und am Mittwoch im Wiener Musikverein durch das Bruckner Orchester Linz, seinen Chefdirigenten, Dennis Russel Davies, und Tenor Julian Prégardien zur österreichischen Erstaufführung gebracht, das Gegenteil bewiesen. Freilich nicht in der Tonsprache, die ist von heute. Aber Larcher hat in seinem Liederzyklus den romantischen Topos schlechthin aufgegriffen: das Wandern, im konkreten, aber auch im metaphorischen Sinn des Sich-grüblerisch-durchs-Leben- Tastens. Als Textgrundlage wählte er Gedichte von Hans Aschenwald und Alois Hotschnig, die mit knappen Mitteln eine dichte Atmosphäre schaffen.

Larcher überträgt diese hocheffiziente Sparsamkeit kongenial in Musik. Er verwendet großes Orchester, im Farbspektrum ausgeweitet durch präpariertes Klavier, Celesta und Akkordeon, setzt es aber wenig in seiner Gesamtgewalt ein, sondern arbeitet oft in fast kammermusikalisch anmutender Reduktion. Das garantiert nicht nur Klarheit und Durchhörbarkeit und Fasslichkeit, sondern durch die vielfältigen Kombinationen auch eine schillernde farbliche Vielfalt, die Davies und sein Orchester versiert zur Geltung bringen. Dabei überdecken sie nie den subtil geführten Tenor Prégardiens mit seinen sich oft im Piano vorantastenden Vokallinien. Berührend.

Mit der Dichte des Larcher-Zyklus konnte die Interpretation von Beethovens fünfter Symphonie nicht mithalten. Davies wählte von Beginn an zu schleppende Tempi, im zweiten Satz konnte von Andante keine Rede sein, schon gar nicht von con moto. Davies brachte insbesondere diesen Satz, aber im Grunde das ganze Werk nicht vom Fleck. Und wenn bei Beethovens Fünfter der revolutionäre Gestus fehlt, fehlt leider das Wesentliche.