Eine für alle: Neues Immo-Tool für neue Ära?

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THEMENBILD: WOHNEN, UMZUG, MIETEN(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Was in Nordamerika Usus ist, soll auch hier ab Ende März das Suchen und Vermitteln von Objekten auf eine neue Ebene stellen: Eine Plattform, zu der alle Mitglieder Zugang haben.

Man wohnt in Wien, sucht ein Haus im Burgenland, findet 15 Angebote auf der Homepage und kann sie in einer Tour mit einem fachkundigen Makler vor Ort besichtigen – obwohl die Objekte von unterschiedlichen Maklern eingestellt wurden. Dann entscheidet man sich und überlässt die Abwicklung dem Experten vor Ort. So einfach könnte es sein – wenn die Multi-Listing-Services (MLS) funktionieren. Sprich: „Eine gemeinsame Plattform für alle Makler, die mit einer gewissen Qualifizierung beitreten können, Weiterbildung genießen, ihre Objekte einstellen und auf jene ihrer Kollegen zugreifen können“, erklärt Roland Schmid von Imabis, der sich seit Jahren mit MLS befasst. Die Win-Win-Situation: Exzellentes Kundenservice, garantierte Makler-Qualität, mehr Möglichkeiten für beide Seiten und kaum eine Chance für schwarze Schafe, die durch ein transparentes System schnell auffliegen. Eine Imagekur für die Branche – und die Chance, ihr Potenzial wirklich zu nutzen.

Soweit die Idee. Die Umsetzung allerdings ist weniger leicht. Denn „natürlich ist es ein österreichisches Talent, es zuerst allein zu probieren und sich erst dann, wenn es gar nicht mehr geht, retten zu lassen“, formuliert es Georg Spiegelfeld von Immobilienring. Seit rund zwei Jahren verfolgt er das Projekt, das nun von der Wirtschaftkammer und dem ÖVI (Österreichischer Verband der Immobilienwirtschaft) voran getrieben wird, intensiv. Einerseits birgt die technische Seite einiges an Arbeit: Diverse Software muss einsatzfähig und kompatibel sein, um eine solide Basis zu bieten. Und zweitens braucht es ein gut durchdachtes Regelwerk, das neben einem reibungslosen Ablauf auch den Qualitätsanspruch garantiert, den man sich von MLS erwartet. Welche Kriterien muss ein teilnehmender Makler erfüllen? Wie sehen die Zahlungsmodalitäten aus? Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Kein zahnloses Tool

Bernhard Reikersdorfer von Remax steht der Idee sehr aufgeschlossen gegenüber. Vor allem, weil es keine Alternative gebe, um das angestrebte Ziel, nämlich das unausgeschöpfte Potenzial der Branche – zu nutzen. Denn der Österreicher versuche gern, ohne Makler auszukommen. Und das nicht ohne Grund, ist vor allem die Suche nach einer Immobilie auch mit Makler mühsam, wenn jedes interessante Objekt von einem anderen betreut wird – und dazu noch in unterschiedlicher Qualität. Zwar wird man nicht mehr mit dem Schlüssel allein in den vierten Stock zur Wohnungsbesichtigung geschickt wie anno 1990, doch hapert es teilweise immer noch an der Kundenorientierung.

„Wenn wir das wirklich ändern wollen, führt an MLS kein Weg vorbei“, so Reikersdorfer. Allerdings müsse das Ganze gut durchdacht und vorbereitet sein, vor allem das Regelwerk und die Bedingungen für alle Teilnehmer. „Es darf kein zahnloses Tool werden. Kompromisse zu machen, wenn sich einer nicht daran hält, wäre der Anfang vom Ende“.Dass es weiterhin Einzelkämpfer geben werde, sei anzunehmen. „Aber wer meint, er versucht es zuerst selbst und stellt die Immobilie erst ins MLS, wenn er nach drei Monaten keinen Erfolg hat, hat schon einemal einen völlig falschen Ansatz. Es muss wirklich der Wille vorhanden sein, das Beste für den Kunden zu wollen“.

Transparenz versus Tradition

Dass der Kunde im Fokus steht und nicht der eigene Reibach, sei die Grundvoraussetzung für ein funktionierendes MLS, meint auch Schmid. Er begleitet die Bemühungen dazu schon seit Jahren und ist davon überzeugt, dass „in spätestens fünf, frühestens drei Jahren der Markt auch die bisher uninteressierten Makler dazu bringen wird, sich MLS zu nähern. Da wird sich dann der Hebel umlegen“. Bis dahin würden Abnehmer-Makler eher wenig dazu neigen, im Team zu arbeiten, während aquirierende durchaus Interesse daran hätten. Schlussendlich würde nicht der der Endkunde, sondern die gesamte Branche profitieren. „Die Menschen vertrauen Experten, und dafür geben sie auch Geld aus“, so Schmid. „Wenn Makler diesen Experten-Status erreichen, steht die Branche bestens da“. Dazu seinen aber natürlich Qualitätssicherheit und Transparenz notwendig. „Auf gut Glück zahlt niemand gern“.

MULTI-LISTING SERVICES

Auf einen Blick sind alle Angebote ersichtlich, da alle Makler ihre Objekte auf der Plattform einstellen. Zur Besichtigung kann jeder Makler beauftragt werden, denn das Tool stellt auch sicher, dass jeder teilnehmende Makler das entsprechende Know-how hat. Die Zahlungsmodalitäten sind intern klar geregelt.Der Branche kann es Qualitätssicherung und Imageverbesserung bringen.

(Print-Ausgabe, 26.11.2016)


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