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Grandseigneur, elegante Stimme

AUSZEICHNUNG AN PETER MATIC
Peter Matić (Archivbild)APA/ROLAND SCHLAGER
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Peter Matić macht sich und uns ein Geburtstagsgeschenk.

Jurist hatte er werden sollen, der 1937 geborene Peter Matić, denn die (mütterlicherseits) adelige Familie Warsberg samt dazugehörigem Schloss stellte seit dem Dreißigjährigen Krieg Militärs und Beamte für das Reich. Der Vater stammte von Wehrbauern an der Südgrenze der Monarchie. Der Großvater hatte es am weitesten gebracht: Feldmarschall-Leutnant.

Wüsste man dies nicht, man könnte es an der typischen Sprachmelodie, dem metallischen Klang in der Stimme von Peter Matić erahnen. Er wurde zu unserem Glück und unserer außerordentlichen Freude nicht Jurist, sondern Schauspieler. Ein ganz großer. Seit Albin Skoda und Oskar Werner hat man dergleichen nicht gehört. Das war 1947 noch nicht abzusehen, als der Bub in der Salzburger Villa der Großeltern die Märchen der Gebrüder Grimm zu inszenieren versuchte. Mozart, Wagner, Beethoven gehörten zum Kanon einer gutbürgerlichen Familie, aber für Matić ist, gesteht er, Johann Sebastian Bachs „Matthäuspassion“ das allergrößte Kunstwerk.

Mit Musik verbindet ihn eine lebenslange Freundschaft. 1973 vertraute ihm Oscar Fritz Schuh an der Deutschen Oper Berlin den Sprecher in „Ödipus Rex“ an. Seitdem holt man Peter Matić stets an die Opernhäuser, wenn eine besonders ausgeprägte Stimme vonnöten ist. Beim Probenbeginn für „Ariadne auf Naxos“ 2012 an der Wiener Staatsoper fiel ihm Leonores Jubelruf aus dem „Fidelio“ ein: „Oh Gott, welch ein Augenblick!“

Seine Stimme, dieses unvergleichliche Musikinstrument, werde zuweilen, so gesteht er, von Freunden und Bekannten ausgenützt. Er tue das nicht gern, aber bei Hochzeiten könne er sich nicht entziehen. Schalkhaft schildert er die Begegnung mit Kardinal Franz König vor einer Trauungszeremonie. Der alte Herr gab Matić den Text für die Lesung mit der Bitte: „Sprechen Sie langsam und deutlich.“

Und dann ein Geständnis: Er lehne es konsequent ab, seine Stimme im Radio oder auf CD zu hören. „Da drehe ich meistens ab.“ Denn immer falle ihm ein kleiner Fehler auf.

Ein sehr persönliches Buch, das „Presse“-Kollege Norbert Mayer in vielen Stunden des Gesprächs gestaltet hat. Zeitgerecht als Weihnachtsgeschenk erworben, hat man die große Freude, selbst noch darin blättern zu können. (hws)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2016)