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Krieg, Frieden und sinnreiches Vokalfeuerwerk

Joyce DiDonato
Joyce DiDonatoAPA/dpa-Zentralbild/Jens Kalaene
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Joyce DiDonato gastierte mit ihrem eindrucksvollen Arienprogramm im Konzerthaus.

Die Hauptsache zu Beginn: Joyce DiDonato, hierzulande beklagenswert selten zu hören, gastierte wieder einmal in Wien, die Melomanen strömten ins Konzerthaus – und waren verzückt. Mit gutem Grund. Die amerikanische Mezzosopranistin ist eine Meisterin nicht nur, aber vor allem im virtuosen Repertoire vom Barock bis Rossini. Wenn sie also ihre Vorzüge in einem Programm ausspielt, das musikalisch immer wieder zu Händel zurückkehrt und inhaltlich um die Pole von (innerem wie äußerem) Krieg und Frieden arrangiert ist, dann bedeutet das eine enorme dramatische Spannweite von träumerischer Innigkeit bis hin zu furios funkelnden Ausbrüchen.

Als schwer geprüfte Titelheldin von Leonardo Leos „Andromaca“ zürnt sie etwa mit fulminanter Geste und lässt Klangkaskaden sprudeln, um gleich darauf im Pianissimo um Einsicht zu flehen: Technische Bravour und eruptiver Ausdruck werden dabei eins. Das Lamento von Purcells Dido kleidet sie in edlen Trauerflor und rührt gerade durch die Contenance, die sie als verlassene Königin zeigt; „Lascia ch'io pianga“ erklingt so balsamisch wie schlicht: Der durch alle Register ausgeglichene, nur in der oberen Mittellage dort und da etwas unruhig anmutende Klang macht's möglich.

 

Das Feuer der Primadonna

Dabei tendiert DiDonato nirgends zum gefühligen Schleppen, treibt gerade in den raschen Nummern zusätzlich an – und hält damit auch die Mitglieder von „Il pomo d'oro“ unter der Leitung von Maxim Emelyanychev auf der Sesselkante. Ob die Oboe nun den Messa-di-voce-Effekt beantwortet, also einen langsam an- und abschwellenden Ton, mit dem sie als Händels Agrippina beginnt, oder ob das solistische Flautino als personifizierte Vogelstimme im berühmten Arienidyll der Almirena aus „Rinaldo“ mit dem Gesang in freundschaftlichen Wettstreit tritt, stets erweist sich das Ensemble als aufmerksam lauschender, reagierender Partner.

Videoprojektionen, Lichtdesign und ein Tänzer konnten die musikalische Qualität nicht überdecken. Zuletzt bewegende persönliche Worte über den inneren Frieden im (auch politischen) Chaos der Gegenwart, Strauss' „Morgen“ – Standing Ovations.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2016)