David Letterman: TV-Sexbeichte eines Fernsehstars

(c) AP (Mark J. Terrill)
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US-Moderator David Letterman, der sich sonst über die ganze Welt lustig macht, wurde wegen seiner Sexaffären Opfer einer Erpressung.

Zuerst dachten alle, David Letterman würde einen Scherz zum Besten geben. Als der Moderator der „Late Night“-Show bei der Aufzeichnung der CBS-Sendung in der Nacht zum Freitag anhob, statt der gewohnten Top-Ten-Rubrik ganz beiläufig eine „kleine Geschichte“ zu erzählen, prustete das Studiopublikum schon los vor Lachen. Und als es auch mittendrin nicht aufhörte, fragte Letterman ein wenig irritiert: „Was ist daran so komisch?“

Nichts und niemand ist vor seinen zuweilen anzüglichen Witzen sicher – nicht Barack Obama, nicht John McCain, nicht Bill Clinton, nicht Madonna – und schon gar nicht Sarah Palin. Bis auf die Exgouverneurin von Alaska, mit der er sich eine wochenlange Kontroverse geliefert hatte, waren sie zuletzt auch alle Gast in seinem New Yorker Studio am Broadway und trieben die Quoten in die Höhe.

Was er nun in eigener Sache zu enthüllen hatte, war indes entschieden unbequemer, weil es seinen Ruf ankratzt. Bei seiner öffentlichen TV-Beichte wanderte der 62-Jährige auf dem schmalen Grat zwischen Selbstironie und bitterem Ernst, zwischen Vorwärtsverteidigung und dem Schutz der Intimsphäre. Vor einem Millionenpublikum gab er preis, dass er wegen seiner Affären mit Mitarbeiterinnen zum Opfer eines Erpressungsversuchs geworden ist: „Das war richtig gruselig.“

Vor drei Wochen habe er auf dem Rücksitz seines Autos ein Paket mit einen Drohbrief samt kompromittierenden Details gefunden, gestand er. In der Folge habe er Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet, und bei der Übergabe eines fingierten Schecks über zwei Millionen Dollar sei die Falle der New Yorker Polizei schließlich zugeschnappt.

Dem Vernehmen nach handelt es sich bei dem Verdächtigen um Robert Halderman, den Produzenten der CBS-Show „48 Hours“, die just Gerichtsfälle untersucht. CBS hat es nun mit einem Krimi im eigenen Haus zu tun. Halderman war mit früheren Letterman-Mitarbeiterinnen liiert, die offensichtlich aus dem Nähkästchen geplaudert haben.

In seiner Show hat Letterman nie ein Hehl aus seinem Privatleben gemacht: Er hat über seine Bypass-Operation gesprochen, und er hat ständig Anspielungen gemacht auf seine Hochzeit mit seiner langjährigen Lebensgefährtin und Mutter seines fünfjährigen Sohnes Harry im März – eine Hochzeit, die er beinahe verpasst hätte, weil sein Auto im Schlamm stecken geblieben ist. Über seine Zeit als ewiger Junggeselle hat er damals geprahlt: „Viele haben mich irgendwie bewundert, weil sie mich für einen der letzten Revolverhelden hielten.“ Im Übrigen stand seine Familie schon einmal im Zentrum eines Kriminalfalls, als ein Hausmeister seinen Sohn kidnappen wollte.


Letterman pflegt sich über die ganze Welt lustig zu machen, und er macht dabei auch vor sich selbst nicht halt. Zuletzt war er wieder zu alter Hochform aufgelaufen. Für viele Amerikaner ist er im Lauf von zweieinhalb Jahrzehnten als spätabendlicher TV-Entertainer zu einer Kultfigur geworden – und zum deklarierten Vorbild für Harald Schmidt, der auch seine Marotten und seine Gestik übernommen hat. Selbst als ihn eine Stalkerin jahrelang verfolgte, wurde sie Objekt seines Spotts. Ihr Selbstmord freilich rang auch dem Sarkastiker Mitgefühl ab.

Bei aller zur Schau gestellter Ernsthaftigkeit sind ihm seine Witzeleien allerdings nicht vergangen. „Ist es peinlich, wenn wir das alles öffentlich machen?“, fragte er sich und gab sich gleich die Antwort: „Wahrscheinlich ja, besonders für die Frauen.“ Pikante Enthüllungen und hohe Einschaltquoten scheinen für die nächsten Wochen garantiert.

AUF EINEN BLICK

David Letterman, 62, ist Langzeitmoderator (seit 1982) der Late Night Show zuerst auf NBC, dann auf CBS, zu der er wochentags täglich Prominente einlädt. Auch Präsident Barack Obama war unlängst bei ihm zu Gast. Seine Sendung galt auch als Vorbild für die Harald-Schmidt-Show.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2009)

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