Export: "Im Iran braucht man Geduld"

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Ein Jahr nach Sanktionsende ist in Österreichs Betrieben Ernüchterung eingekehrt. Haupthemmnis: der Zahlungsverkehr.

Wien. „Ich hoffe doch, dass Banken möglichst bald den geschäftlichen Zahlungsverkehr im Iran ermöglichen“: Etwa ein Jahr, nachdem in Wien die schrittweise Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran beschlossen wurde, gießt Peter Wurm, Geschäftsführer der Österreich-Sparte des deutschen Technologiekonzerns Voith, die Ernüchterung in einen Satz. Der Grund, warum die Erwartungen, die die heimische Wirtschaft in die Öffnung des 80-Millionen-Einwohner-Marktes gesetzt hat, bisher nicht erfüllt wurden, hat zu einem Gutteil mit der Vorsicht der Finanzinstitute zu tun. Das sagen sogar die Banken selbst.

Montagabend tauschten in Wien an Iran-Geschäften interessierte Unternehmer, Interessenvertreter und eben Banker Erfahrungen über den bisherigen Verlauf des Markteintritts aus. Dabei war zu spüren, dass die anfängliche Euphorie einer gewissen Ernüchterung gewichen ist. Denn obwohl Österreichs Firmen zahlreiche Produkte anbieten, die die Iraner gern kaufen würden, will das Geschäft nicht so recht in Fahrt kommen. Oder wie Wurm sagt: „Im Iran braucht man Geduld.“ Zu tun hat das damit, dass Unternehmer derzeit nur schwer Banken finden, die entsprechende Geschäfte entweder finanzieren oder über die Zahlungen abgewickelt werden können. Davon betroffen sind insbesondere Banken, die auch in den USA tätig sind.

Trotz des Sanktionsendes bestehen für den Iran nämlich nach wie vor extrem strenge Standards für Geldwäscheprävention und Terrorismusfinanzierung. Das macht Geschäfte für Banken und Firmen teuer. Und weil vor allem Großbanken bereits zu Zeiten bestehender Sanktionen hohe Strafen wegen Verstößen bezahlt haben, sind sie derzeit besonders zurückhaltend.

Oft, sagt Felix Mayr, Hauptabteilungsleiter Internationales Geschäft bei der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, scheitere es schon an den extrem komplexen Bestimmungen für Warenbezeichnungen. „Ich sage es offen: Wir haben bis heute noch keine Korrespondenzbank im Iran freigegeben bekommen.“

Harte Konkurrenz

Lisa Dyk, Haupteigentümerin des niederösterreichischen Familienbetriebs Compact Milling Systems, hat es dennoch (fast) geschafft. Sie steht unmittelbar davor, im Iran einen Vertrag über die Lieferung von kompakten und leicht transportablen Mühlensystemen für Backmehl abzuschließen. Dyk warnt aber davor, aus österreichischer Sicht den Anschluss im Iran zu verlieren: „China und die Türkei unterstützen ihre Wirtschaft dort mehr, sei es bei Exportkrediten oder sei es bei der Errichtung von Demonstrationsanlagen – in diesem Bereich können wir noch etwas lernen.“

Dass die Großbanken schon 2017 im Iran einsteigen, glaubt auch der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Teheran, Georg Weingartner, nicht. Den Wendepunkt könnte seiner Meinung nach das Ende der Sanktionen für Rüstungsgüter 2023 darstellen. US-Konzerne hätten diesen Markt im Auge. „Und der Iran will sein veraltetes Material modernisieren.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2016)

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