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"Selbstmordattentat": Wie sich die FPÖ die Niederlage erklärt

BP-WAHL: HOFER / VAN DER BELLEN
BP-WAHL: HOFER / VAN DER BELLEN(c) APA/HARALD SCHNEIDER (HARALD SCHNEIDER)
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Hofer gibt ÖVP-Chef Mitterlehner die Schuld für die Niederlage bei der Hofburg-Wahl. Mitterlehner: "Das wäre zu viel der Ehre".

Die FPÖ leckt nach der Niederlage von Norbert Hofer gegen Alexander Van der Bellen bei der Bundespräsidenten-Stichwahl ihre Wunden und versucht, die guten Seiten zu sehen. "Die Welt geht weiter. Immerhin waren es trotzdem fast 50 Prozent für Hofer", sagte FPÖ-Bezirksvorsteher Paul Stadler am Montag.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache postete auf Facebook: "2017 wird das Jahr der Freiheitlichen! Unsere Zeit kommt!" Die Partei habe am Sonntag "Geschichte geschrieben" und werde ab morgen "noch härter" weiterarbeiten. Im Parlamentsklub hatte man sich schon am Wahlabend auf die kommende Nationalratswahl eingestimmt: "Mehr denn je - HC!", hieß es in Anlehnung an Van der Bellens Wahlkampf.

>> Alle Detailergebnisse der Bundespräsidentenwahl

Als Grund für die Niederlage nannten viele Freiheitliche, dass es im Wahlkampf "Alle gegen Hofer" geheißen habe. "Die Panikkampagne der Anti-Hofer-Koalition hat sich offenbar durchgesetzt", sagte etwa der Obmann der FPÖ Niederösterreich, Walter Rosenkranz. Es habe sich gezeigt, "dass die Allianz von Angstmachern, Staatskünstlern und Systemprofiteuren obsiegt und offenbar auch in Niederösterreich eine Mehrheit erreicht hat".

Hofer: Mitterlehners Bekenntnis "Selbstmordattentat"

Strache wies in der der "ZiB 2-Spezial" zurück, dass Hofers heftige Angriffe auf Van der Bellen - Stichwort: "Lüge" - ein Fehler gewesen sein könnten. "Natürlich muss man die Fakten ansprechen im Wahlkampf, aber das hat Norbert Hofer immer auf höchstem Niveau gemacht." Es sei daher auch keine Entschuldigung Hofers an Van der Bellens nötig.

Hofer selbst gibt ÖVP-Obmann Reinhold Mitterlehner, der sich im Wahlkampf als Wähler Van der Bellens outetet, die Schuld. Mitterlehner Bekenntnis sei "so etwas wie ein Selbstmordattentat" gewesen - da diese Entwicklung Österreich nicht weiterbringen könne und auch die Arbeit der Koalition ihren Lauf nehmen werde.

Mitterlehner: FPÖ sucht Sündenbock

Für Mitterlehner ist das "zu viel der Ehre", wie er am Montag gegenüber "Ö1" erklärte. Es gebe "keine monokausale Ursache" und Hofer solle sich seine Haltung zum Öxit sowie seinen Auftritt in der letzten Fernsehdiskussion anschauen. Auch betonte Mitterlehner, er habe keine Wahlempfehlung ausgegeben. Vor der Wahl seien jedoch viele auf ihn als Wirtschaftsminister zugekommen und daher habe er sich für Van der Bellen ausgesprochen.

Offenbar wolle die FPÖ mit dieser Aussage nun "ein wenig ablenken" und einen Sündenbock suchen und versuche einen Keil in die ÖVP zu treiben. Ersteres könne er nicht beeinflussen, zweiteres "wird nicht gelingen", so Mitterlehner: "Damit unterstützt man mich sogar, weil wir lassen uns nicht vorschreiben, wer bei uns Obmann ist." Danach gefragt, ob die Wahlentscheidung nun für ihn eine innerparteiliche Verschnaufpause bedeute, meinte Mitterlehner: "Sehe es so."

Mahdalik gibt Farage die Schuld 

Einen weiteren Schuldigen machte übrigens der Wiener FPÖ-Gemeinderat Anton Mahdalik aus: Nigel Farage. Der Brexit-Wortführer habe durch seine Öxit-Aussagen zur Niederlage Hofers beigetragen, zitierte die britische Zeitung "Telegraph" Mahdalik. Farage hatte am Freitag im Sender Fox News seine Erwartung geäußert, dass Hofer die Bundespräsidentenwahl gewinnen werde und ergänzt: "Hofer wird verlangen, dass Österreich ein Referendum über seine Mitgliedschaft in der Europäischen Union abhält." Hofer wies das zurück.

Laut einer Wahltagsbefragung von SORA/ISA für den ORF überzeugte Van der Bellen seine Wähler vor allem damit, dass er Österreich im Ausland gut vertreten könne (für 67 Prozent "sehr wichtiges" Motiv) sowie mit seiner pro-europäischen Haltung (65 Prozent). Amtsverständnis (59 Prozent) und Kompetenz (58 Prozent) waren ebenfalls wichtige Entscheidungsmotive. Wichtigste Wahlmotive für Hofer waren, dass er die Sorgen der Menschen verstehe (55 Prozent "sehr wichtiges" Motiv), kompetent sei (55 Prozent) und gegen das etablierte politische System auftrete (54 Prozent). 

>> Wahlgrafiken: Wer wählte wen warum

(Red.)