Ausstellung von Georgia O'Keeffe in Wien
"The big american thing" ist sie, eine Ikone des großen amerikanischen Jahrhunderts: Georgia O'Keeffe, Malerin, Muse, Einsiedlerin und prägende Figur sämtlicher Strömungen der amerikanischen Moderne, hat sich in ihrem langen produktiven Leben immer wieder neu erfunden - und dabei stets ihre Unabhängigkeit bewahrt. Im Kunstforum in Wien ist nun eine seltene Retrospektive zu sehen. Georgia O'Keeffe: "Music – Pink and Blue No. I.", 1918
(c) Collection of Mr and Mrs Barney A. Ebsworth (c) 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien
Mit den (erotischen) Fotos aus der Kamera ihres Mannes und Förderers Alfred Stieglitz wurde O'Keeffe zur öffentlichen Person der 1920er Jahre, die Kreation der schillernden Künstlerpersönlichkeit, Symbol für die weibliche, authentische Malerei Amerikas, ging zum Teil ebenfalls auf das Konto ihres einflussreichen Gatten. Alfred Stieglitz: Georgia O'Keeffe, 1918
(c) Alfred Stieglitz Collection, 1980.70.76 (c) Board of Trustees, National Gallery of Art, Washington
Die Ausstellung entstand gemeinsam mit der Tate Modern, was auch die Leihgaben aus den weit verstreuten Sammlungen amerikanischer Museen erst möglich machte. Georgia O’Keeffe: "Oriental Poppies", 1927
(c) The collection of the Frederick R.Weisman Art Museum at the University of Minnesota, Minneapolis (c) 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien
Denn O'Keeffe ist teuer. 44,5 Millionen Dollar kostete dieses Blumenstillleben. Mit ihrer Versöhnung von Abstraktion und fotografischen Close-Up haben O'Keeffes Bilder geradezu ikonischen Charakter bekommen. Georgia O’Keeffe: "Jimson Weed/White Flower No. 1", 1932
(c) Crystal Bridges Museum of American Art, Bentonville, Arkansas (c) 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien, Foto: Edward C. Robison III.
Auch die New York-Nachtansichten und natürlich ihre Malereien aus dem amerikanischen Südwesten, die Hinwendung zur unendlichen Landschaft New Mexicos, gehören zu den Säulen, auf denen die amerikanische Kunst seit der Moderne steht. Georgia O’Keeffe: "New York, Night", 1928/29
(c) Sheldon Museum of Art, Nebraska Art Association, Thomas C. Woods Memorial (c) 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien Photo (c) Sheldon Museum of Art
Den abstrakten Expressionismus nahm sie dabei ebenso vorweg, wie den Minimalismus und die Pop Art - in O'Keeffes Werk keine Widersprüche. Georgia O’Keeffe: "My Last Door", 1952 – 1954
(c) Georgia O’Keeffe Museum, Santa Fe (c) 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien
Sie sei überrascht, dass viele Leute das Gegenständliche und das Abstrakte trennen, sagte die Künstlerin einmal. Gegenständliche Malerei könne nur in einem abstrakten Sinne gut sein, Abstraktion dagegen sei die eindeutigste Form überhaupt. Georgia O’Keeffe: "Black Mesa Landscape, New Mexico / Out Back of Marie’s II", 1930
(c) Georgia O’Keeffe Museum, Santa Fe (c) 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien
In ihren Bildern - wiewohl sie in den unterschiedlichen Werkphasen drastische Wechsel der Motive vollzog - "herrscht eine ganz eindeutige, ganz selbstständige Handschrift", sagte Kunstforum-Chefin Ingried Brugger. Georgia O’Keeffe: "From the Faraway, Nearby", 1937
(c) The Metropolitan Museum of Art, New York (c) 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien, Foto: (c) BKP/ The Metropolitan Museum of Art / Malcolm Varon
Erfolg hatte O'Keeffe rasch, zählte zu den wichtigsten Figuren der New Yorker Szene, zog sich ab den 1930er Jahren allerdings jeweils für ein halbes Jahr - und nach dem Tod Stieglitz' das ganze Jahr - nach New Mexico auf eine weitläufige, einsame Ranch zurück. Alfred Stieglitz: Georgia O'Keeffe, 1918
(c) Alfred Stieglitz Collection, 1980.70.19 (c) Board of Trustees, National Gallery of Art, Washington
Dort malte sie die farb- und formgewaltige Landschaft mit dem selben, scharf gestellten Ineinander von Intimität und Nähe sowie Monumentalität und Unendlichkeit, mit dem sie sich auch den Blumen, den Himmelslandschaften beim Blick aus dem Flugzeug oder den Gebäuden der New Yorker Skyline gewidmet hatte. Alfred Stieglitz: Georgia O'Keeffe, 1931
(c) Alfred Stieglitz Collection, 1980.70.252 (c) Board of Trustees, National Gallery of Art, Washington
99 Jahre wurde sie alt, den Mythos der schroffen Einsiedlerin nährte sie bis zuletzt. Vom Feminismus wollte sie sich genauso wenig vereinnahmen lassen wie früher von der erotisierenden Weiblichkeit, mit der ihrer Kunst begegnet wurde. Und so sehr ihre Rezeption beispielhaft ist für die einer weiblichen Künstlerin des vergangenen Jahrhunderts, so nüchtern wie selbstbewusst machte sie sich selbst davon los: "Männer tun mich gerne ab als beste weibliche Malerin. Ich glaube aber, ich bin einer der besten Maler überhaupt." Myron Wood: Portrait of Georgia O’Keeffe with sculpture and painting, 1980
(c) Pikes Peak Library District, 002 - 9152
Georgia O'Keeffe, von 7. Dezember bis 26. März, Bank Austria Kunstforum Wien, www.kunstforumwien.at Georgia O’Keeffe: "Black Cross with Stars and Blue", 1929
(c)Private collection (c) 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien