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Dicke US-Kinder: Steuer auf gezuckerte Getränke

Coca Cola
(c) AP (Paul Sakuma)
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Obama möchte mit einer sogenannten "Soda-Steuer", also eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke, die Nachfrage nach ebendiesen Getränken abschwächen und Fettleibigkeit langfristig reduzieren. Die Industrie wehrt sich.

Wien (ag./red.). Die braune Brause aus der Flasche gilt als eines der Sinnbilder der Vereinigten Staaten. Wohl keine andere Getränkemarke ist weltweit so beliebt und bekannt wie Coca-Cola. Doch den Herstellern von Softdrinks stehen möglicherweise harte Zeiten bevor. Zumindest wenn es nach US-Präsident Barack Obama geht. Obama hat sich in einem Interview mit dem Männermagazin „Men's Health“ für eine Steuer auf Softdrinks ausgesprochen. Der Präsident ist der Ansicht, dass „unsere Kinder zu viel zuckerhaltige Limonade trinken. Jede Studie, die es gibt, zeigt, dass die Korrelation zwischen Fettleibigkeit und Limonadekonsum hoch ist.“

Die sogenannte „Soda-Steuer“, also eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke, soll die Nachfrage nach ebendiesen Getränken abschwächen und Fettleibigkeit langfristig reduzieren. Sowie dem maroden Gesundheitssystem zusätzlich Geld in die Kasse spülen. In den USA sind etwa 35 Prozent der Erwachsenen fettleibig (Body Mass Index über 25), wie OECD-Daten zeigen. Hierzulande sind es zwölf Prozent.

 

Nachfrage würde sinken

Unterstützt wird die Forderung nach einer Steuer auf Softdrinks von Forschern, die im „New England Journal of Medicine“ einen entsprechenden Artikel publizierten. Die Steuer könnte zu Preissteigerungen bei Softdrinks in Höhe von 15 bis 20 Prozent führen. Betroffen wären alle Getränke, die Süßungsmittel beinhalten, zuckerfreie Diätgetränke wären ausgenommen. Nimmt der Preis für ein Getränk um zehn Prozent zu, dürfte sich der Konsum beinahe im gleichen Ausmaß, nämlich um acht Prozent, verringern, wie es heißt. Bereits im ersten Jahr könnte der US-Finanzminister mit der Soda-Steuer geschätzte 14,9 Mrd. Dollar (10,2 Mrd. Euro) an zusätzlichen Einnahmen lukrieren, wie die „New York Times“ schreibt.

 

Werbung gegen die Steuer

Grund genug für die US-Getränkeindustrie, auf die Barrikaden zu steigen. Werbespots, die im ganzen Land ausgestrahlt werden, warnen bereits vor einer Einführung der neuen Steuer. Vorwürfe, dass Softdrinks für Fettleibigkeit verantwortlich seien, werden von der Industrie scharf zurückgewiesen. Eine Steuer, so argumentiert die Branche, würde das Problem „Übergewicht“ nicht eindämmen und hätte zudem negative Auswirkungen.

So sei nicht auszuschließen, dass sich die Preise für Getränke um 40 bis 50 Prozent erhöhten, wie John Sicher, Chef eines Branchenmagazins, erklärt. Auch Coca-Cola Chef Muhtar Kent meldete sich zu Wort: Der Vorstoß Obamas erinnere ihn an seine Zeit als Coca-Cola-Manager in der ehemaligen Sowjetunion, als er zusehen musste, wie die Regierung der Bevölkerung diktiert habe, was diese zu essen hätte, schreibt das „Wall Street Journal“.

Dabei gibt es in 33 von 50 US-Bundesstaaten bereits eine Steuer auf Softdrinks. Diese sei aber zu gering, um das Kaufverhalten der Amerikaner zu ändern. Die Steuereinnahmen fließen zudem nicht in das Gesundheitssystem – sie versickern irgendwo in den öffentlichen Haushalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2009)