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„All You Can Eat“: Über alles, was man essen kann

Tobias Müller mit den ersten Ausgaben seines eigenen Magazins „All You Can Eat“.
Tobias Müller mit den ersten Ausgaben seines eigenen Magazins „All You Can Eat“.(c) Stanislav Jenis
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Mit dem Thema Fett und einem gewaltigen Butterziegel auf dem Cover startet ein neues Magazin: „All You Can Eat“ von Tobias Müller.

„Ja, ich Idiot . . .“, sagt Tobias Müller auf die Frage, ob das Heft vierteljährlich erscheine. „Das erste Heft ist gerade einmal in den Trafiken, und ich habe schon wieder Stress mit dem nächsten.“ Müller, der unter anderem für den „Falstaff“ schreibt und einen Foodblog namens „Gruß aus der Küche“ betreibt, hat kürzlich die ersten Ausgaben seines eigenen Magazins in die Hand bekommen. Das Heftthema: Fett. Auf dem Cover: 185.250 Kalorien in Form eines 25 Kilo schweren Butterziegels, in den mit dem Finger der Magazinname eingraviert worden ist.

„All You Can Eat“ nennt sich die neue Publikation, die Tobias Müller gemeinsam mit der Corporate-Publishing-Expertin Katja Greco, dem Grafikdesigner Peter Schmid und zahlreichen Mitstreitern in einer Startauflage von 3500 Stück auf den Markt gestemmt hat. In Deutschland startet man mit Jänner. Er glaube nicht an eine Print-Krise, schreibt Müller in einer Notiz im Heft, sondern eher an eine Tageszeitungs- und Nachrichtenmagazin-Krise.

 

„Lobet und speiset es!“

„Ein Gourmetmagazin soll es jedenfalls nicht sein“, sagt Müller, der sich im letzten Jahr unzählige andere Foodmagazine angesehen hat. Im deutschen Sprachraum gebe es keines, das ihm gefällt. „Entweder sie kommen aus der Gourmetecke mit Sterneküche und sind hauptsächlich schön, oder aus der Hausfrauenecke.“ Statt der „ewig gleichen fünfzig Rindfleisch- und Keksrezepte“ möchte er Geschichten unter die Leser bringen, die woanders keinen Platz finden würden – eine Tatsache, die ihn als Journalist schon lang stört. Es sind Geschichten, die sich angeblichen Randphänomenen widmen, die zu viel Platz brauchen oder aus irgendeinem anderen Grund als nicht mehrheitsfähig gesehen werden. Dass damit nicht unbedingt kandierte Käferpanzer oder fermentierte Fischherzen gemeint sein müssen − „das Heft ist eh keine Freakshow geworden, hätte eigentlich fast ein bisschen mehr sein können“ −, sondern auch der frühere französische Kochstar Fernand Point mit seiner Butterliebe oder das gute alte Schmalz Raum bekommen, zeigt die erste Ausgabe „Fett“. „Lobet und speiset es!“, lautet der Untertitel.

Tobias Müller selbst, der sich nun Chefredakteur nennen darf, hat für sein Heft eine Geschichte über Margarineherstellung auf der Isle of Wight geschrieben, hat Murmeltiergrammeln gegessen und Ströck-Bäcker Pierre Reboul beim Backen der wohl besten Croissants des Landes begleitet. Müllers Lebensgefährtin, Sarah Kelly, die in seinem Blog stets „die Australierin“ ist, schrieb eine „Ode to a Käsekrainer“, und die japanische Keramikjournalistin Mikako Sawada steuerte als schreibende Mitreisende nicht nur für „In 80 Fetten um die Welt“ einen Text über Thunfischbauch bei, sondern berichtet auch, was Sumo-Ringer essen. Sawada ist ein Beispiel für jene Autoren und Autorinnen, die für „All You Can Eat“ Beiträge aus aller Welt liefern sollen. Sie wird wohl auch im nächsten Heft mit dem Thema „Fremd“ zu Wort kommen.

Geld verdient Tobias Müller mit seinem Magazin wohl nicht so bald, aber die erste Ausgabe trägt sich schon einmal. Der 33-Jährige ist generell einer, der ausprobiert. „Es gibt wenig Gemüse, das ich noch nicht fermentiert habe.“ Müller hat Miso gemacht und Kraut zu österreichischem Kimchi fermentiert, hat unter anderem Wildschwein samt Kopf in einem Erdloch gegart, „wobei das Beste der Bauch war“, und träumt von seiner eigenen vergorenen Fischsauce. In den letzten Sommern hatte Tobias Müller einen kleinen Pop-up-Heurigen namens Schwein & Wein beim Purbacher Winzer Thomas Schwarz.

Und natürlich reist einer wie er vor allem, um zu essen. Angetan hat es ihm unter anderem Shaoxing, die Fermentierhauptstadt „und quasi Chinas Bordeaux,“ mit seiner stinkenden Küche. Städte wie Mexiko City, Sydney oder Hongkong hat er ebenfalls schon besucht. Die weltbeste Stadt, um zu essen, sei allerdings Tokio. Gibt es etwas, das er wirklich nicht essen konnte? „Äthiopische Schlachtplatte. Rohe Innereien, steinhart.“ Diese Schlachtplatte kommt übrigens im Magazin nicht vor. Es heißt schließlich „All You Can Eat“.

Zur Person

Tobias Müller, Jahrgang 1983, ist Journalist für Essen und Trinken mit einem Faible für Experimente und Fermentation. Soeben hat er gemeinsam mit der Corporate-Publishing-Expertin Katja Greco und dem Grafikdesigner Peter Schmid das neue Foodmagazin „All You Can Eat“ auf den Markt gebracht. Ab sofort ist es auf www.allyoucaneatmagazine.com, bei Morawa oder Thalia zu kaufen. „All You Can Eat“ erscheint vierteljährlich mit einem Schwerpunktthema, ein Heft kostet zwölf Euro, ein Jahresabonnement 36 Euro, ein Unterstützerabo auf Lebenszeit 500 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2016)